Skitouren Pistenglück ohne Skilift
Skitourengehen boomt und immer mehr Wintersportler ziehen dabei den Pistenrand dem freien Gelände vor. Einige Wintersportgebiete machen spezielle Angebote für die Skibergsteiger – hier eine Auswahl.
Skitourengehen boomt und immer mehr Wintersportler ziehen dabei den Pistenrand dem freien Gelände vor. Einige Wintersportgebiete machen spezielle Angebote für die Skibergsteiger – hier eine Auswahl.
Innsbruck - Wer im vorigen Winter Ski fahren wollte, der musste aus eigener Kraft nach oben kommen, denn die Pandemie hatte fast alle Lifte lahmgelegt. Doch nicht erst seit Corona entdecken immer mehr Wintersportler den Reiz des Skibergsteigens, der trendigen Alternative des Tourengehens.
Nun stellen sich auch die Wintersportgebiete auf Gäste ein, die zwar gern aus eigener Kraft Berge erklimmen, sich dabei aber im Gegensatz zum klassischen Tourengeher nicht ins freie Gelände wagen wollen, sondern den präparierten Pistenrand zum Aufstieg bevorzugen.
Der Rando Parc in Crans-Montana ist das Musterbeispiel, wenn es um Skibergsteigen geht. Im weitläufigen Gelände des WM-Ortes im Walliser Hochgebirge sind 15 Tourenstrecken mit insgesamt mehr als 8000 Höhenmetern ausgeschildert, gesichert und präpariert. Mehr als 40 Kilometer unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade von leicht bis schwer stehen zur Auswahl.
Das Angebot entstand in Zusammenarbeit mit der Weltmeisterin und zweifachen Patrouille-des-Glaciers-Siegerin Séverine Pont-Combe und reicht von einem Einführungsparcours bis zum „X’trême“, der mit vier Anstiegen der höchsten Schwierigkeitsstufe herausfordert. Grandiose Aussichten auf Dutzende Viertausender gibt es gratis dazu. Zugänglich ist der Rando Parc von Crans-Montana während der regulären Öffnungszeiten des Skigebietes. www.crans-montana.ch
Als sie am Kolben vor gut einem Jahrzehnt erstmals eine präparierte Strecke für Skibergsteiger ausgewiesen hatten, waren die Oberammergauer Vorreiter im Voralpenland. Und nicht nur das. Die Skitourenroute am Hausberg des Passionsspielortes hinauf zur 1270 Meter hoch gelegenen Kolbensattelhütte war die erste beschneite Aufstiegsroute im Alpenraum überhaupt.
Damit sich Skibergsteiger und Skifahrer nicht in die Quere kommen, gibt es sogar einen Tunnel, um beim Aufstieg nicht die Piste queren zu müssen. Die Sportscheck-Skitourenroute am Kolbensattel ist bis ins Tal hinunter beschneit und präpariert. Es gibt Parkmöglichkeiten und Toiletten. www.kolbensattel.de
Seit die Lifte am Innsbrucker Skiberg wegen Renovierungsarbeiten vor rund 20 Jahren pausierten, entwickelte sich die Muttereralm zum begehrten Tourenskigebiet vor den Toren der Tiroler Landeshauptstadt. Die Begeisterung blieb. Speziell für Einsteiger, die hier allein losgehen können, ohne sich mit alpinen Gefahren auseinandersetzen zu müssen, ist es zu festgelegten Zeiten erlaubt, auf den präparierten und gesicherten Skipisten mit Tourenski aufzusteigen.
Etwa zwei Stunden ist man vom Tourengeher-Parkplatz beim Schwimmbad Mutters über die Muttereralm hinauf zum Pfriemesköpfl unterwegs. Wer dabei einen Tourengeher an sich vorbeisprinten sieht, darf sich nicht entmutigen lassen: Die Strecke ist ein beliebtes Trainingsgebiet für Wettkämpfer im Skibergsteigen. Die für Tourengeher reservierten Zeiten findet man auf der Website des Skigebiets. Jeden Mittwoch ist bis 22 Uhr Skitourenabend. www.muttereralm.at
Mit den Welt- und Europameisterschaftserfolgen des Italieners Manfred Reichegger erfuhr das Skibergsteigen in Südtirol enormen Aufwind – so auch im Pflerschtal, einem gemütlichen, schneesicheren Seitental südlich des Brenners. Eine der Hochburgen des Skibergsteigens ist dort das kleine Skigebiet Ladurns.
Schon vor Jahren wurde parallel zur Talabfahrt eine eigene Tourengeher-Spur angelegt. Sie führt über Wandersteige und Forstwege bis hinauf zur Bergstation. Auch Einsteiger werden dabei nicht überfordert. Regelmäßig ist das Gebiet auch Austragungsort für Wettbewerbe und Skitourencamps. Für alle, die sich doch einmal ins freie Gelände wagen wollen, gibt es ein Lawinen-Trainingscenter. www.ladurns.it
Auf das zunehmende Interesse an Pistentouren reagierte auch St. Johann in Tirol und eröffnete vor zwei Jahren drei leichte und mittelschwere Routen. Mit dem Dynafit-Skitourenpark offeriert das traditionsreiche Skigebiet auch den Tourensportlern nun ein attraktives Revier.
Ein spezielles Pistengeher-Ticket berechtigt zum Parken und zur Nutzung der Infrastruktur an den Talstationen Harschbichl, Eichenhof und Valle’s Tauwiesenlift. Damit hat man an den Tourengeher-Abenden auch freie Bahn auf den Pisten; jeweils mittwochs Richtung Harschbichl und Bassgeigeralm sowie freitags Richtung Harschbichl. Wer keine eigene Tourenausrüstung hat, der bekommt beim Skitourenpark-Partner Sport Patrick das passende Leihmaterial. www.kitzbueheler-alpen.com/de/stjo/wi/skitouren
Zuerst mit Muskelkraft bergauf und danach ein paar Abfahrten anschließen: „Das wünschen sich unsere Gäste“, hat man im Skigebiet Sudelfeld festgestellt und vor einigen Jahren die Tourengeher-Tickets eingeführt.
Im Preis von aktuell 210 Euro sind nicht nur die Parkgebühren für die ganze Saison inkludiert. Dazu gibt es 30 flexibel nutzbare Liftstunden. Ein Angebot, das sehr gut angenommen wird. Gebührenfrei ist die Nutzung der Aufstiegspiste vom Parkplatz Grafenherberg über die Schöngrat-Bergstation zum Oberen Sudelfeld.
Ebenfalls bewährt hat sich der Mittwoch als Skitourenabend. Dann stehen von 18 bis 22 Uhr zwei Routen offen. Die längere mit 800 Höhenmetern und einer Aufstiegszeit von etwa zwei Stunden beginnt im Tal, die kürzere an der Grafenherberg. Stärken können sich die Skibergsteiger in der Walleralm und der Speckalm oder im Andreasstüberl. www.sudelfeld.de
Grundsätzlich gilt in den bayerischen Alpenregionen für Skipisten das freie Betretungsrecht der Natur. Sollten im Zuge der Coronamaßnahmen Skigebiete geschlossen werden, ist es tabu, mit Tourenski auf Pisten zu gehen, da diese als ausgewiesene Sportanlagen nicht geöffnet sind. Wegen der bisweilen schnell wechselnden Änderungen und regionalen Besonderheiten bezüglich der zugelassenen Aktivitäten sollte man vor einer Tour den aktuellen Stand abfragen.
Peter Geyer: Skibergsteigen – Freeriding aus der Alpinlehrplan-Reihe des Deutschen Alpenvereins, blv, 29,90 Euro.Markus Stadler: Wissen und Praxis Skitouren: Ausrüstung – Technik – Sicherheit, Bergverlag Rother, 19,90 Euro.