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SKO und Walter Sittler Schöpfung 2.0: Heroe oder Diktator?

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Georges Bizets Symphonie Nr. 1 C-Dur und Ludwig van Beethovens „Die Geschöpfe des Prometheus“, seine einzige große Ballettmusik, kommen beim Dreikönigskonzert im Beethoven-Saal der Stuttgarter Liederhalle am 6. Januar zu Gehör.

Die Zwischentexte zur Musik werden von Schauspieler Walter Sittler gesprochen.  Foto: dpa
Die Zwischentexte zur Musik werden von Schauspieler Walter Sittler gesprochen. Foto: dpa

Das Stuttgarter Kammerorchester (SKO) musiziert unter der Leitung von Matthias Foremny. Wolfgang Beuschel hat Zwischentexte zu Beethovens Musik geschrieben, die vom Schauspieler Walter Sittler gesprochen werden.

Mit „Schöpfung 2.0“ ist das Dreikönigskonzert überschrieben, das nicht nur Hör-, sondern auch intellektuellen Genuss verspricht. Vier Tage nach seinem 17. Geburtstag im Jahr 1855 hatte Georges Bizet, Sohn einer Pariser Berufsmusikerfamilie, mit seiner 1. Symphonie in C-Dur begonnen. Vier Wochen später war sie fertig und verschwand in einer Schublade.

Das Wunderkind-Werk mit seinem springlebendigen ersten Satz, Allegro vivo, und der opernhaften Melodik im Adagio, verknüpft melodische Frische mit meisterhaft beherrschter, klassischer Form. Es wurde jedoch während Bizets nur 36 Jahre währendem Leben nie gespielt, sondern erst 80 Jahre nach seiner Entstehung, am 26. Februar 1935, in Basel erstmals aufgeführt.

Dramatisches Feuer

Ein Werk voller dramatischem Feuer ist Ludwig van Beethovens einzige große Ballettmusik über den griechischen Halbgott Prometheus, der gemäß der Sage den Menschen nicht nur das Feuer, sondern mit dem Feuer auch die Kultur gebracht hat. Das Libretto ist ebenso wie die Choreografie von Salvatore Viganò verschollen, doch die Handlung, die 1801 in Wien 29-mal getanzt wurde, lässt sich noch aus der Partitur und verschiedenen Berichten rekonstruieren.

Der Prometheus-Mythos hatte für Ludwig van Beethoven auch politische Bedeutung: Mit dem Titelhelden dürfte er Napoleon als Menschheits- und Völkerbefreier gemeint haben, den er als sein besseres Ich betrachtete. Auch Walter Sittler hört Beethovens Musik als Klangsprache der Revolution. Viele von dessen Stücken hätten mit dem Streben nach Freiheit und Gerechtigkeit zu tun. Seinerzeit habe man die „Helden“ idealisiert und der Kult des Heroischen habe in der Folge viele Musiker zu echten Höhenflügen inspiriert.

Parallelen zu heute

Walter Sittler sieht Parallelen zur modernen Zeit: „Diese göttlichen Wesen sind Spiegelbilder der Welt. Sie sind eigentlich Menschen, die den Verlockungen der Macht erlegen und Diktatoren geworden sind. Ihre sogenannte Größe besteht aus der Unterdrückung der anderen. Leider sind sie nicht ausgestorben.“

„Schöpfung 2.0“: 6. Januar, 20 Uhr, Liederhalle, Tickets 07 11 / 2 24 77 20