Slotracing-Club in Esslingen Formel 1 im Maßstab 1:24

„Das ist ein ganz hochpräzises  Hobby“, sagt Kai Spachmann, der Vorsitzende des Slotracing-Clubs Region Stuttgart. Foto: Caroline Holowiecki
„Das ist ein ganz hochpräzises Hobby“, sagt Kai Spachmann, der Vorsitzende des Slotracing-Clubs Region Stuttgart. Foto: Caroline Holowiecki

Auf der Bahn des Slotracing-Clubs in der Weststadt werden Rennfahrerträume wahr.

Esslingen - Die Zuschauer haben ihre Plätze auf der Tribüne eingenommen. Die Fahrerteams in den Boxen sind startklar. In der Hamburger-Bude läuft der Grill, und die Polizei hat sich schon für den Fall der Fälle an den kritischen Stellen positioniert. Das Rennen kann beginnen. Ready, steady, go! Kai Spachmann drückt auf die Tube. Beziehungsweise: auf den Regler. Mit jedem kleinen bisschen Druck, den sein Zeigefinger auf den Knopf am pistolenförmigen Auslöser gibt, schießt der giftgrüne Rennwagen nach vorn, durch Kurven und eine Unterführung, vorbei an Bäumen und Menschen. Willkommen bei der Formel 1. Nur viel, viel kleiner – im Format 1:24.

46 Meter lange Holzbahn

Die Minimotoren aufheulen lassen kann man beim Verein SRC Region Stuttgart, kurz für Slotracing-Club. Auf der vereinseigenen Bahn werden Rennen mit Modellfahrzeugen ausgetragen. Die Bahnen haben Schlitze (auf Englisch: slots), mit denen die Fahrzeuge über den Leitkiel an der Unterseite wie auf einer Schiene in der Spur gehalten und mit Strom versorgt werden. „Im Volksmund würde man sagen Carrera-Bahn“, erklärt Kai Spachmann, der Vorsitzende. Mit dem Spielzeugbähnle, das Buben unterm Weihnachtsbaum finden, ist das, was in der Esslinger Weststadt aufgebaut ist, aber nur entfernt vergleichbar. Stolze 46 Meter misst die Holzpiste Marke Eigenbau, auf der bis zu fünf Miniaturautos gleichzeitig kurven können. Eine Lichtschranke ermöglicht die exakte Messung der Rundenzeiten, „bis drei Stellen nach dem Komma, das ist ein ganz hochpräzises Hobby“, stellt Kai Spachmann klar. Übertragen werden die Werte auf mehrere Bildschirme im Raum, die Rennleitung überwacht das Geschehen von einer Empore aus. „Das hier gilt als eine der schönsten und anspruchsvollsten Bahnen in Deutschland“, sagt der Clubchef.

Den SRC gibt es seit 2002. Dass die 17 Mitglieder, die aus dem Großraum zwischen Stuttgart und Göppingen zu den Clubabenden ins Rossneckar-Areal kommen, etwas von ihrem Hobby verstehen, beweisen Urkunden an der Wand und Pokale in Regalen. Die Auszeichnungen sind so zahlreich, dass jeder Versuch, sie zu zählen, scheitern muss. Etliche Deutsche-Meister-Titel haben die Schwaben-Racer schon errungen, auch im nahen Ausland waren sie schon aktiv. „Es ist ein Randgruppenhobby“, sagt Kai Spachmann, Gleichgesinnte, mit denen man sich messen kann, gibt es trotzdem, etwa in Neuffen, in Schwieberdingen oder im Raum Heilbronn. In den Wettbewerben schenken die sich gegenseitig nichts. Gerungen wird um jedes Hundertstel. „Alles, was ganz schnell ist, ist unter acht Sekunden“, sagt Kai Spachmann über die 46-Meter-Rennstrecke.

„Ganz feinfühlige Geschichte“

Der Vereinsvorsitzende ist 57 Jahre alt. Ein gestandener Kerl, der mit Autos spielt? Der Mann aus Aichwald kennt solche Vorurteile. „Man wird ein Stück weit belächelt“, bekennt er. Die Verteidigung folgt auf dem Fuß. „Es ist wie im großen Rennsport“, sagt er; ein Satz, der mehrmals fallen wird. Um zu erklären, was er meint, geht es eine Treppe nach oben. Über der Rennbahn in der alten Industriehalle sind die Schrauberplätze. Auch Kai Spachmann lässt sich im Werkstattbereich regelmäßig mit seinem Spezialkoffer nieder, in dem er in unzähligen Pillendöschen, Schublädchen und Kistchen Federn, Schrauben, Räder und diverses Werkzeug spazieren trägt. Er betont: Beim Slotracing sei man Konstrukteur, Teammanager, Techniker und Fahrer in einem. Je nach Rennklasse dürfe das Auto nur ein bestimmtes Gewicht, einen bestimmten Motor oder eine bestimmte Spurbreite aufweisen. Ein Bruchteil zu viel und man sei raus. „Das ist eine ganz, ganz feinfühlige Geschichte“, sagt er. Auf den selbstständigen Handelsvertreter habe die Beschäftigung mit den feinen Teilchen eine entschleunigende Wirkung. „Da kommen Sie richtig runter“, sagt er.

Corona-bedingt ruht der Betrieb beim SRC aktuell. In einem normalen Jahr würden hier langsam die Weihnachtsfeiern beginnen. Der Verein richtet Veranstaltungen aus: Firmenevents, Geburtstage oder Junggesellenabschiede, Bewirtung inklusive. „Damit finanzieren wir uns“, sagt Kai Spachmann. Er wünscht sich, dass bald wieder mehr los ist im Vereinsraum mit Blick auf die Weinberge. Und dass bald wieder die Miniboliden über die Rennbahn flitzen. Dann auch gern mit mehr Zuschauern und neuen Hobbypiloten. Grundsätzlich stünden die Clubabende jedem Interessierten offen. Er betont: „Wir wollen Nachwuchs, Gäste sind willkommen.“

www.src-stuttgart.de




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