SMA-Chef zu Stuttgart 21 Das war einer der wesentlichen Gründe dafür, dass die Experten vor etwa 15 Jahren die Kombilösung verworfen haben.

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Da müsste man wissen: Wer waren diese Experten? Auf welche Zahlen, auf welche Kriterien wurde dieses Urteil aufgebaut? Ich kenne die Dokumente dazu nicht. Den damaligen Beschluss müsste man historisch aufarbeiten. Es wäre sinnvoll, die Argumente von damals und die von heute nebeneinander zu stellen. Ich behaupte mal ganz salopp: Die profunden Kenntnisse, wie man sie durch den Stresstest gewonnen hat, hatte man damals sicher nicht.

Sie sagen, heute würde man sich für Kombi und gegen Stuttgart21 entscheiden?

Dies zu behaupten, wäre eine Spekulation, weil ich nicht weiß, was man damals wusste. Nur so viel: wir haben von 1990 bis 1992 zusammen mit den Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und der Deutschen Bahn eine große Pilotstudie "Integraler Taktfahrplan Südwestraum" gemacht. Diese Erkenntnisse waren damals erst am Aufkeimen. All das, was man hinterher an integralen und vernetzten Fahrplänen umgesetzt hat, das war bestimmt bei der Beschlussfassung für Stuttgart21 noch nicht bekannt. Das hat die Eisenbahnlandschaft in Baden-Württemberg fundamental geprägt.

Aber noch mal zum Städtebau: ist es verwerflich, ein Projekt zu planen, an dessen Ende einer im Kessel liegenden Stadt 100 Hektar Land spendiert werden?

Stuttgart21 ist ein Kind seiner Zeit. Es gab etwa ein halbes Dutzend solcher 21er-Projekte, unter anderem in München, Mannheim und Frankfurt. Die damalige Überlegung war absolut richtig und Stuttgart21 deshalb ein hochinteressanter Ansatz, weil man wertvollen Stadtraum gewinnt und damit gleichzeitig die neuen Bahnanlagen finanzieren kann. Die Geschichte hat aber gezeigt, dass diese deutlich teurer werden als gedacht. An dieser Stelle muss man das Thema Geld im Städtebau aber auch etwas relativieren. Es geht im Städtebau nicht nur um Geld, es geht auch um Räume und Freiräume. Es gibt viele Städte auf der Welt, denen das Aufräumen von hässlichen Eisenbahnanlagen viel Geld wert war und ist. Insbesondere in Spanien hatte die dortige Bahn in vielen Städten eine zerschneidende Wirkung. Dort kann man beobachten, wie Stadt um Stadt diese Wunden ausgemerzt werden. Es gibt auch immaterielle Werte, die einen Preis haben dürfen. Am Schluss muss dann abgewogen werden.

Wie bewerten Sie im Vergleich mit S21 und der Kombivariante das Konzept K21?

Zu K21 kann ich mich nicht äußern, damit habe ich mich nie befasst. Ich würde sagen, jetzt sind drei Vorschläge auf dem Tisch, die man ergebnisoffen prüfen sollte. Dann wird man bald zum Thema Zeitplan kommen, also zur Frage: Welches Projekt braucht wie viel weitere Vorbereitung? Da kann man sagen, Stuttgart21 ist zu 100 Prozent gesichert, über die Kombinationslösung kann ich keinen Prozentsatz nennen, bei K21 müsste man bei null anfangen.

Aber auch wenn man Ihren Kompromissvorschlag verwirklichen wollte, müsste man mit den Planungen doch von vorne beginnen.

Die Haltung, dass man mit allen Verfahren wieder auf der Position null wäre, kann ich nicht unwidersprochen lassen. Das ist noch nicht untersucht. Die Kompromisslösung verwendet lauter bereits bewilligte Elemente von Stuttgart21, aber nicht alle. Ich habe noch nie gehört, dass man wegen des Weglassens von Projektteilen ein neues Raumordnungsverfahren braucht.

Wie müsste die Debatte aus Ihrer Sicht nun in nächster Zeit weitergehen?

Das Konzept ist nur ein Weg, keine Lösung. Die Perspektiven, die die Kombilösung bietet, sind noch gar nicht ausgelotet. Aber das darf man von einem Konzept nicht erwarten. Das muss nun vertieft werden.




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