Snarky Puppy bei Jazz Open Die Jazz-Stars und die Konkurrenz aus Bayern
Die US-Fusion-Genies Snarky Puppy glänzen im Alten Schloss – und davor nicht minder die Bayern Dreiviertelblut mit Band.
Die US-Fusion-Genies Snarky Puppy glänzen im Alten Schloss – und davor nicht minder die Bayern Dreiviertelblut mit Band.
Das 19-köpfige Instrumental-Kollektiv Snarky Puppy wechselt beständig durch, ohne dass das Einfluss auf die Qualität hätte. Die zehn Fusion-Virtuosen, die am Donnerstag im ausverkauften Innenhof des Alten Schlosses das Festival Jazz Open eröffnen, fügen dem Mythos ein Kapitel hinzu: Sie intonieren Stücke ihres aktuellen, Grammy-prämierten Albums „Empire Central“ makellos und mit sagenhafter Intensität.
Der Bläsersatz und der Gitarrist Bob Lanzetti spielen Themen, von denen jedes einzelne als Titelmotiv für eine große Serie taugen würde. Alle erzählen in ihren Soli dramatische Geschichten, die nicht selten ekstatisch enden. „Trinity“, ein monströses Meisterstück übersteuerter Gitarrenkunst, hat Mark Lettieri geschrieben. Der ist aber gar nicht auf der Bühne, sondern eben Lanzetti, der es sich völlig zu eigen macht: Er vermeidet Rock-Klischees und führt vor, wie sein Instrument singen, donnern und kreischen kann jenseits ausgetretener Pfade.
Er habe die Band vor 19 Jahren als Spaßprojekt gegründet, sagt der Bassist Michael League, die einzige Konstante – „sonst hätte ich einen angemessenen Bandnamen gewählt“. Nun sind die bissigen Hündchen, die ganz unprätentiös daherkommen wie Musikstudenten, längst Stars und bringen das Stuttgarter Publikum aus dem Häuschen. Bei der ersten Zugabe, dem Hit „Lingus“, versuchen sie mitzuklatschen – was nur kurz funktioniert, denn Snarky Puppy grooven zwar, folgen aber selten geradlinigen Rhythmen. Besser klappt’s beim Singen: Vielstimmig schallt das fernöstlich angehauchte Motiv von „Shofukan“ durch den Innenhof des Alten Schlosses.
Der eigentlich Clou des Abends ist aber ein anderer: Vor Snarky Puppy hat das bayrische Duo Dreiviertelblut furios aufgespielt mit einer ebenfalls exzellenten Band. Sebastian Horn, einst Sänger der Band Bananafishbones, intoniert mit seinem knarzigen Bass nun auf Bajuwarisch geerdete Lieder übers Leben. „Deifedanz“ hätte auch ein volksweiser Dichter der Romantik schreiben können: „Wenn du mit dem Teufel tanzt, brauchst du gute Schuh“, singt Horn und steigert sich in einen wilden Rausch, der sich aufs mitsingende Publikum überträgt.
Der Trompeter Dominik Glöbl und der Klarinettist Florian Ridl solieren miteinander, als würden beider Töne sich magnetisch anziehen. Der ideenreiche Schlagzeuger Flurin Mück untermalt eine unerhörte Geigeneinlage – die Bayern haben den Stuttgarter Gregor Hübner spontan auf die Bühne gebeten, der am 18. Juli im Bix nochmals beim Festival spielt mit der Band Salsafuerte.
Der Filmkomponist und Gitarrist Gerd Baumann arbeitet mit Elementen aus Polka, Mariachi-Sound und Varieté-Musik. Traditionell alpin klingt „As erschte Moi“ – und doch anrührend zeitgemäß. Dreiviertelblut zeigen, wie Musiker an schwierige Traditionen anknüpfen können, wenn sie es ohne Tümelei tun.