So geht’s weiter bei den Stuttgarter Kickers Jetzt spricht Trainer Tobias Flitsch

Von Jürgen Frey 

Er benötigte etwas Abstand, um die Enttäuschung über den verpassten Aufstieg in die Regionalliga zu verarbeiten. Nun äußert sich Trainer Tobias Flitsch zur abgelaufenen Saison bei den Stuttgarter Kickers.

Trainer Tobias Flitsch über seinen größten Fehler: „Ich hätte vehementer auf Verstärkungen für die Offensive pochen müssen.“ Foto: Baumann
Trainer Tobias Flitsch über seinen größten Fehler: „Ich hätte vehementer auf Verstärkungen für die Offensive pochen müssen.“ Foto: Baumann

Stuttgart - Eine offizielle Verlautbarung des Vereins steht noch aus. Doch es ist ein offenes Geheimnis: Tobias Flitsch wird nach dem verpassten Aufstieg in die Regionalliga in der neuen Saison nicht mehr den Fußball-Oberligisten Stuttgarter Kickers trainieren. Wer Nachfolger wird und ob es mit dem Sportlichen Leiter Martin Braun weiter geht, ist dagegen noch offen. In Präsidium und Aufsichtsrat wird über die Pfingstfeiertage darüber kontrovers diskutiert. Unabhängig davon steht der Kader für eine weitere Saison in der fünften Liga zu einem großen Teil. Folgende Spieler haben keine Verträge für die neue Saison, ihre Zukunft ist ungewiss: Abdenour Amachaibou, Lukas Kling, Sebastian Schaller, Josip Landeka sowie die Torhüter Robin Hermann und Manuel Schneck. Ibrahima As Diaktite wird die Blauen sicher verlassen. Wahrscheinlich auch Pedro Astray, der an der Schulter operiert werden muss. Ein Fragezeichen steht hinter dem zweiten Winter-Neuzugang Ilias Soultani. Alle anderen Spieler werden nach jetzigem Stand in der am 3. August beginnenden Saison mit den Blauen einen erneuten Anlauf Richtung Regionalliga-Aufstieg nehmen.

Wir haben den Trainer zu einzelnen Punkte befragt.

Tobias Flitsch über …

…sein Saisonfazit:

Wir konnten den Abwärtstrend stoppen und dank harter Arbeit und einer stabilen Defensive Herbstmeister werden. Wir haben die wenigsten Gegentore kassiert, stellten die beste Abwehr der Liga, aber im Spiel nach vorne war es einfach zu wenig. Wir haben fast das Maximale herausgeholt. Mir ist völlig klar, dass das zu wenig ist und dafür trage ich die Verantwortung.“

...die Gründe für das Scheitern trotz des höchsten Etats der Liga:

„Die fehlende Qualität in der Offensive war unser entscheidendes Manko. Wir konnten uns zu wenig in Eins-gegen-Eins-Situationen durchsetzen, Überzahl und Räume schaffen. Uns fehlte die Torgefahr aus dem Mittelfeldzentrum und das nötige Tempo im Spiel nach vorne. Diese großen Defizite haben sich durch den Ausfall unseres Torjägers Mijo Tunjic verschärft.“

...die wenig attraktive Spielweise:

„Wer mich als Trainer kennt und die Spielweise meiner bisherigen Mannschaften verfolgt hat, der weiß, dass ich stets einen attraktiven, offensiven Spielstil bevorzugt habe. Bei der vorhandenen Qualität des Kickers-Kaders wählte ich das bestmögliche Mittel, um erfolgreich zu sein.“

…den Einbruch am Saisonende:

„Durch die fehlende Durchschlagskraft in der Offensive war es nicht möglich, mehr Dominanz auszuüben. Auffallend war ja, dass wir die Spiele bei den Spitzenteams SGV Freiberg und FSV 08 Bissingen gewonnen haben, auch in Reutlingen punkteten, aber die Spiele gegen die TSG Backnang oder den SV Spielberg nicht gewinnen konnten. Was eben wiederum mit der fehlenden Offensivqualität zusammenhängt.“

...eigene Fehler:

„Ich hätte vor der Saison, allerspätestens aber in der Winterpause noch viel vehementer auf Verstärkungen für die Offensive pochen müssen.“

...das Umfeld:

„Es ist schon Wahnsinn, bei den Kickers Trainer zu sein. Ich kann mich nur für die sensationelle Unterstützung der Fans bedanken. Es ist ein toller Verein, wo es unheimlich viel Spaß macht zu arbeiten. Ich komme aus der Region und viele meiner Freunde sind von Kindesbeinen an Kickers-Fans. Egal, was kommt, die Zeit bei den Blauen ist für mich viel mehr als nur eine x-beliebige Trainerstation.“

...seine sportliche Zukunft:

„Dazu kann ich noch nichts sagen. Wenn es für mich doch noch eine Zukunft bei den Kickers geben sollte, dann sicher nur mit klaren Veränderungen im Kader. Nur dann könnte ich meine Vorstellungen von Fußball auch auf dem Platz umsetzen. Diese Einschätzung wäre im Fall des Regionalliga-Aufstiegs nicht anders ausgefallen.“