So jung und schon Papa? Ein 26-jähriger Stuttgarter Vater erzählt
Windeln wechseln, wenn andere feiern gehen? Der Stuttgarter Benno Zapata wurde mit 21 Papa. Heute stellt sich für den Künstler die Frage nach „Fomo“ kaum mehr.
Windeln wechseln, wenn andere feiern gehen? Der Stuttgarter Benno Zapata wurde mit 21 Papa. Heute stellt sich für den Künstler die Frage nach „Fomo“ kaum mehr.
Als wir uns in einem Stuttgarter Café treffen, ist Benno Zapata leicht unter Zeitdruck, denn er muss später noch seine Tochter Mia (4) von der Kita abholen. Feste Zeitplanung, die Nachmittage auf dem Spielplatz und abends zu Hause sein, wo das ins Bettbringen schon mal dauern kann – für Benno mittlerweile selbstverständlich. Mit 21 Jahren wurde der Stuttgarter Künstler plötzlich Papa, und das wirbelte sein Leben ziemlich durcheinander.
Wie geht es einem jungen Vater? Was macht ihn aus und wird er anders wahrgenommen? „Ich wusste immer, dass ich ein junger Vater sein möchte, aber eigentlich dachte ich, es kommt erst ein bisschen später“, sagt der heute 26-Jährige. Als seine Freundin schwanger wurde, waren sie gerade nicht zusammen, das machte es kompliziert. Doch nach einigem Hin und Her, haben sie sich entschieden, das Kind zu bekommen. „Und dass ich meine Rolle als Vater annehmen will“, fügt Benno hinzu. Anfangs sei die neue Situation schon sehr chaotisch gewesen, erzählt der Künstler. „Unsere Familien waren auch erst mal ziemlich überrascht, aber haben uns dann schnell unterstützt. Wenn ich heute Fragen habe, kann ich mich immer an meine Mutter wenden“, erzählt er. „Sie macht auch einfach gerne Geschenke“, ergänzt er lachend. Für die Hilfe ist er seiner Familie dankbar, das merkt man.
„Ein Kind ist auch einfach etwas Wunderschönes“, sagt er. Sich seiner neuen Rolle bewusst geworden sei er sich so richtig aber erst, als der Vater eines Freundes gestorben ist. Das sei ein richtiger Aha-Moment in Bezug aufs Vaterwerden und die neu hinzugewonnene Verantwortung gewesen, berichtet der Stuttgarter. Er wusste aber bei sich, dass es schon Tausende vor ihm geschafft haben. Das hätte geholfen, findet er.
Und gibt es nicht doch manchmal das Gefühl, etwas zu verpassen? „Anfangs schon“, antwortet Benno. Sowohl wenn er mit Freund:innen und Kommiliton:innen unterwegs war, als auch wenn er Zeit mit seinem Kind verbracht habe. Er war hin und hergerissen zwischen zwei konträren Welten, aber in keiner so richtig. Heute sagt er, weggehen und feiern sei zwar schön, „aber es gibt ganz klar Wichtigeres“. Mittlerweile gehe er einmal im halben Jahr auf eine richtige Party. „Mir war es immer wichtiger, sagen zu können, ich bin ein guter Vater“, also habe er sein Leben und seinen Lebensstil daran angepasst.
Für die meisten Männer drehen sich die Träume Anfang 20 seltener um Babys. Das durchschnittliche Alter von Vätern in Deutschland liegt bei 34,7 Jahren, Mütter sind im Schnitt 31,7 Jahre alt.
„Das erste Jahr war besonders hart“, sagt Benno. Er fing damals gerade mit dem Studium an, da war Mia eine Woche alt. „Und dann kam auch noch die Pandemie hinzu.“ Er war jeden Tag bei seiner Freundin, diverse Jobs kamen obendrauf. Das wurde dann alles ziemlich viel, sagt er rückblickend. Eine Zeit lang lebten er und seine Freundin getrennt, mittlerweile sind sie wieder zusammen und teilen sich das Leben mit der gemeinsamen Tochter.
Neben den Einnahmen aus ihren eigenen Tätigkeiten, hält auch die Unterstützung der Eltern die junge Familie finanziell über Wasser. „Irgendwann kam Mia dann zur Tagesmutter, was das Ganze leichter gemacht hat, weil wir dadurch wieder mehr Zeit zum Arbeiten und Studieren hatten“, erzählt der Künstler. Die Kinderbetreuung teilt sich das junge Elternpaar 50:50. Und jetzt fühle es sich eigentlich alles ziemlich gut an, findet der junge Papa.
Wie die Außenwelt auf den jungen Vater reagiert hat? Von anderen musste er sich vor allem anfangs Sprüche anhören. Auch herablassende Blicke habe er schon erlebt. Aber „wenn jemand blöd guckt, gucke ich blöd zurück“, sagt Benno.
Auf dem Spielplatz war er oft der Jüngste. „Vor allem wollten einem andere ständig Tipps geben, weil sie dachten, man könne das als junger Vater alles nicht“, erinnert er sich. Mit der Zeit habe sich das glücklicherweise gelegt. „Ich habe ein sehr klares Gefühl dafür, was ich tun muss“, das würde ihm im Alltag helfen, sagt er. Gute Freund:innen hätten in ruhigen Momenten in der Vergangenheit auch viel Verständnis für ihn und seine Themen und Probleme gezeigt. Dafür sei er immer noch sehr dankbar.
Im nächsten Jahr macht Benno seinen Abschluss in „Kunst, Medien und Design“ an der Merz Akademie. Als freischaffender Künstler hat Benno Zapata immer neue Ideen. Ob beim Artwalk oder bei Ausstellungen: In seinen abstrakt-expressionistischen Werken setzt er sich immer wieder mit dem Thema Vaterschaft auseinander. Derzeit plant er eine Serie in der Fotografie, setzt gemeinsam mit einem DJ ein Kunstprojekt um und leitet Erwachsenen- und Kindermalkurse.
Auf den Solarplexus hat der junge Vater sich eine Schildkröte tätowieren lassen. „Als Baby sah Mia aus, wie eine kleine Schildkröte – das musste ich festhalten“, sagt der Künstler. Und natürlich malt er auch mit seiner Tochter Bilder. „Sie ist schon richtig gut, von ihr kann ich noch viel lernen“, schmunzelt er.