So schön ist Stuttgart Die Farbkathedrale unter der Erde

Ein bissiger Hai mit rotem Auge:  Das Kunstwerk ist Teil einer ganz besonderen Kunstinstallation. Foto: Müller, Kai 10 Bilder
Ein bissiger Hai mit rotem Auge: Das Kunstwerk ist Teil einer ganz besonderen Kunstinstallation. Foto: Müller, Kai

Stuttgart – eine hässliche Stadt? Auf keinen Fall. Die Landeshauptstadt hat viele schöne Ecken und auch manchen Ort, der so geheim ist, dass ihn nur wenige Eingeweihte kennen.

Lokales: Kai Müller (km)
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Stuttgart - „Donnerexe“ klingt geheimnisvoll und ist es auch. Diesen Namen hatte sich ein Künstlerkollektiv aus Stuttgart-Vaihingen Anfang der 1990er-Jahre gegeben. Die Mitglieder suchten sich zwischen Zivildienst und Studium eine außergewöhnliche Freizeitbeschäftigung aus. Auf einer Erkundigungstour im Untergrund der Stadt (irgendwo am Rand Stuttgarts) waren sie auf eine Betonröhre gestoßen, die zu einem Betongewölbe führte. Dieses „Wohnzimmer“ wurde für die vier jungen Männer ein Jahr zu einem Aufenthaltsort der besonderen Art.

1992 stellte Donnerexe die Arbeit an der Höhle ein

Während andere in den Diskotheken tanzten, werkelten die vier Künstler mit Farbe und Pinsel und verzierten die Betonhöhle mit kunstvollen Formen und Mustern. Das Kunstwerk ist heute noch erhalten, auch wenn die Farben natürlich ein wenig verblasst sind. Im Jahr 1992 erklärte die Donnerexe das Untergrund-Kunstexperiment für beendet. Doch es gibt noch eine Fortsetzungsgeschichte zu den „Stuttgarter Höhlemalereien“.

Die Polizisten trauten ihren Augen nicht

Die Künstler trieb damals nämlich die Frage um, wie wohl andere Menschen auf diesen Kunstort reagieren würden? Frank Otto Huber, damaliger Leiter des Kinderhauses Büsnau, war der erste Ansprechpartner und so mündete es schließlich in einer Ausstellung im Jugendhaus Vaihingen. Die Presse berichtete über die ungewöhnliche Kunstaktion. Auch Sat 1 fragte an. Aufgrund der „zu persönlichen Erfahrungen“ lehnten die Künstler aber einen Auftritt im Fernsehen ab. Eine Episode muss freilich noch erzählt werden. Anlässlich der Ausstellung wurde auch am Ort des Geschehens ein Empfang für geladene Gäste abgehalten – und natürlich bekam die Polizei Wind von der Sache. Die Beamten staunten nicht schlecht, als sie im Untergrund auf eine festlich-eingekleidete Schar mit Sektgläsern in der Hand stieß.

Der genaue Ort wird nicht verraten

Die Künstler erhielten auch Post vom städtischen Tiefbauamt. In dem Schreiben zeigte man durchaus Bewunderung für die geleistete Arbeit, wies aber auf die Gefahren eines plötzlich auftretenden Regengusses in den Katakomben hin. Für die „Donnerexen“ folgten weitere gemeinsame Projekte, die Farbkathedrale tief unter der Erde hat heute noch Bestand, der genaue Ort soll aber nicht verraten werden. Und wer weiß, vielleicht entdecken Forscher in einigen hundert Jahren die Kunstinstallation unter der Erde. Welche Schlüsse sie daraus wohl ziehen werden?




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