Der Branchenmix im Einzelhandel in den Innenstädten verändert sich (hier Esslingen). Foto: Roberto Bulgrin
Eine gute Mischung im stationären Einzelhandel zieht Kunden in die Zentren. Diese verändern sich aber, Verantwortliche im Kreis Esslingen stellen beispielsweise ein Mehrangebot an Optikern fest, Modegeschäfte kämpfen dagegen zunehmend. Besonders die Stadt Nürtingen greift ein, um den Branchenmix zu erhalten.
Der Druck auf lokale Händler durch Onlineplattformen hält an. Deswegen oder auch aus Altersgründen haben zuletzt einige Traditionsgeschäfte im Kreis Esslingen ihre Schließung angekündigt, etwa der Herrenausstatter Besemer in Nürtingen oder Kögel in Esslingen. Die Zentren verändern sich, Verantwortliche stellen ein Mehrangebot beispielsweise an Gastronomie oder Optikern fest, während Modegeschäfte zunehmend kämpfen. Die Städte versuchen Leerstände zu vermeiden und einen Branchenmix zu erhalten. Wobei manche stärker als andere eingreifen.
Zwar trübe die allgemeine politische Lage schon die Kauflaune. In Kirchheim ist Wirtschaftsförderin Saskia Klinger aber zufrieden mit der Frequenz in der Innenstadt. Kirchheim gelingt es in Relation zu seiner Größte besser als Nürtingen und Esslingen, auch Menschen aus dem Umland anzuziehen – das besagen die Einzelhandelskennzahlen der Industrie- und Handelskammer. „Wir merken verstärkten Zulauf von Besucherinnen aus dem Raum Nürtingen, Esslingen und Göppingen“, sagt Klinger. Eine Reportage über Kirchheim im SWR 2024 habe weitere Besucher gebracht. „Im Großen und Ganzen haben wir zum Glück ein komplettes Angebot“, so Klinger. Nur etwas fehlt aus Sicht einer bestimmten Klientel: ein Modefilialist wie H&M für die Jüngeren. An den inhabergeführten Geschäften als das, was Kirchheim auszeichne, wolle man festhalten. Klinger sieht aber kaum kommunale Hebel, um auf das Angebot einzuwirken.
Mietzuschüsse für neue Geschäfte
Sowohl in Kirchheim als auch in Nürtingen und Esslingen versuchen die Kommunalverwaltungen zwischen Vermietern und potenziellen Einzelhändlern zu vermitteln, um Leerstände zu vermeiden. Und alle drei Kommunen gewähren einen Mietkostenzuschuss für Gründerinnen und Gründer. „Da haben vor allem Branchen gute Chancen, die unterrepräsentiert sind und innovativ“, sagt Carina Killer, die Esslinger Citymanagerin. Zu rückläufigen Branchen zählen demnach Geschäfte für Dekoration und Bekleidung – hier gebe es nach der Schließung von Karstadt und Kögel ein gewisses Unterangebot.
Johannes Fridrich Foto: Ines Rudel
Eine ähnliche Aussage trifft Nürtingens Oberbürgermeister Johannes Fridrich. „Es gibt Sortimente wie zum Beispiel Brillengeschäfte, die überrepräsentiert sind, da man hier auch die hohen Mieten erwirtschaften kann. Zu kämpfen haben die Modegeschäfte, da hier die Konkurrenz des Onlinehandels groß ist.“ Gesucht werde ein neuer Herrenausstatter für Nürtingen. Die Stadt greift stärker ein als andere, um das Einzelhandelsangebot zu steuern. „Über das Bauplanungsrecht versuchen wir etwa die Umwandlung von Geschäften in Wohnraum in der EG-Ebene zum Beispiel in der Altstadt zu verhindern“, sagt Fridrich. „Beim Besemer-Gebäude ist die Stadt Nürtingen mit Beschluss des Gemeinderates neue Wege gegangen und hat das Haus gekauft, um einem Nachfolger für ein Modegeschäft attraktive Mietkonditionen zu bieten.“