Auftritt in der Porsche-Arena „Habeck wäre besser der Bergdoktor“: Dieter Nuhrs Sprüche in Stuttgart

Klartext ist sein Markenzeichen: Dieter Nuhr. Foto: 7aktuell.de//Christina Zambit

Von Ampel bis AfD: Der Klartextsprecher Dieter Nuhr rechnet beim Auftritt in der Stuttgarter Porsche-Arena nicht nur mit der Politik ab. Er blickt auch auf seine amourösen Gehversuche zurück und ermuntert zu mehr Selbstbewusstsein.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Rein genetisch betrachtet stimmen die Menschen zu 90 Prozent mit Schweinen überein, selbst die Islamisten. Diese Präzisierung ist Dieter Nuhr wichtig, gehört sie doch zu seiner Maxime, die Welt differenziert zu betrachten. Der Satiriker vom Niederrhein verabschiedet die Menschen in der ausverkauften Porsche-Arena am Samstagabend mit dem Hinweis auf die genetische Nähe von Mensch und Tier – nicht ohne zu erwähnen, dass er anlässlich seines jüngsten Einkaufs beim Metzger doch froh war, auf der anderen Seite der Theke zu sein.

 

Sein Publikum beklatscht nicht nur diese kleine Episode lautstark. Auch seine politischen Einschätzungen stoßen auf mehr als wohlwollenden Applaus. Überzeugte Anhänger der Grünen dürften sich weder Nuhrs Jahresrückblick noch seine Liveshow in Bad Cannstatt angetan haben. Zu gnadenlos ist sein kabarettistisches Urteil über die dahingegangene Ampel-Regierung im Allgemeinen und über die Grünen im Besonderen.

Robert Habeck als Wirtschaftsminister? „Er würde besser den Bergdoktor spielen oder Heimatfilme drehen.“ Dieter Nuhr muss seine satirischen Breitseiten nicht mit schrillen Tönen oder Albereien unterlegen, wie dies manche Kollegen tun. Er spricht im Plauderton, verstärkt die Pointen allenfalls mit seiner bemerkenswerten Mimik, die auf einer Großleinwand auch die Zuschauer im hinteren Bereich der Porsche-Arena erreicht.

Der 64-Jährige hat keinen Schnickschnack nötig. Nuhr kommt einfach auf die Bühne und legt los. Am Ende wird er zwei Stunden pausenlos geredet haben. Natürlich bekommt nicht nur die dahingeschiedene Bundesregierung („Scholz wirkte bei der Neujahrsansprache wie eine fleischgewordene Aktentasche“) ihr Fett ab. Anlass für eine Generalabrechnung mit der AfD bietet das schlagzeilenträchtige Gespräch zwischen deren Kanzlerkandidatin Alice Weidel und dem US-Milliardär und Trump-Berater Elon Musk, bei dem Dieter Nuhr eine „bemerkenswerte geistige Schlichtheit“ festgestellt hat. Seine Erwartungen wurden sogar unterboten: „Die AfD ist damit auf dem Bildungsniveau ihrer Wähler angekommen.“

Ist Adenauer wieder da?

Da würde selbst Saskia Esken nicht widersprechen, von der der Komiker eigentlich gar nicht viel mitbekommen will. Hätte, ja hätte er sich nicht eines Sonntagabends auf seine Fernbedienung gesetzt und die SPD-Co-Vorsitzende bei Caren Miosga erleben müssen: „Jetzt verstehe ich auch, warum die AfD im Osten einen Schimpansen als Kandidaten aufstellen könnte. Wenn die Leute dort die Esken sehen, dann sagen sie: Ich nehme lieber den Schimpansen.“ An diesem Gag dürfte selbst so mancher Sozialdemokrat seinen Spaß haben.

Immerhin: Die SPD-Frau aus Calw will nicht Kanzlerin werden. Im Gegensatz zu Friedrich Merz. Ihn trennen von Trump zwar nur nur neun Jahre. „Viele Senioren verwechseln den Merz jetzt mit Adenauer und denken: Er ist wieder da.“ Mit 55 ist der weitere Möchtegerne-Kanzler Robert Habeck tatsächlich jünger, aber sein Wahlkampf-Gag mit den Küchenbesuchen, der ist schon ganz alt. „Ich hab früher Frauen in der Küche zugehört, stundenlang“, berichtet Nuhr von seinen amourösen Gehversuchen. „Immer hab ich gedacht, da geht dann was untenrum. Es ist nie etwas gegangen. Stattdessen hat der Tennislehrer nicht zugehört, dafür aber zugepackt.“

Früher mit Federohrring

Ja, die Annäherung ans andere Geschlecht, die war früher irgendwie unkomplizierter. „Im Freibad haben wir die Mädchen ins Wasser geworfen. Und sie haben sich immer wieder kichernd an den Beckenrand gestellt, um erneut reingeworfen zu werden. Heute nennt man das toxische Männlichkeit.“ Für Nuhr, der früher mit Federohrring und langen Haaren bei den Grünen in deren Gründungsjahren aktiv war, ist das nur eines von vielen Beispielen, wie sich die Diskussion um Diversität und Respekt ins Groteske verschiebt „Heute beansprucht jede noch so kleine Minderheit, ihre Probleme in den Mittelpunkt des Universums zu stellen.“ Doch Menschen jenseits der Normen, die gab es schon in seiner Jugend: „Wir haben Boy George und David Bowie cool gefunden, und keiner hat gefragt, ob die schwul oder sonst was sind. Das war einfach egal.“

Dieter Nuhr spricht Klartext, deshalb gendert er nicht: „Ich will mit Sprache keine Ideologie verbreiten, sondern etwas sagen, was man versteht.“ Er bestreitet die Forderung nach der völligen Gleichheit: „Ein Einbeiniger kann nicht in der Bundesliga spielen, und ein Stummer nicht in einem Chor singen.“ Und ob sich alle Frauen nur die sanften und bewussten Männer wünschen, lässt er anhand eines plastischen Beispiels offen: „Ich kenne keine Frau, die eine vom Mann selbst gehäkelte zu große Unterhose wirklich sexy findet.“

Ist also wirklich alles schlecht? Dieter Nuhr erzählt einen Witz: Der Patient im Krankenwagen fragt den Sanitäter, wohin sie fahren. Ins Leichenschauhaus, sagt der Sani. Aber ich bin doch noch nicht tot, meint der Patient. Noch nicht, sagt der Sanitäter. „Wir müssen lernen ,uns nicht selbst schlecht zu reden und zu erkennen, dass die Welt besser geworden ist, auch wenn es neue Probleme gibt“, gibt er dem Stuttgarter Publikum mit auf den Heimweg. Das feiert den Klartext-Sprecher frenetisch.

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