Social Media Im Austausch mit den Usern

Von Anja Schreiber 

Immer mehr Unternehmen sind auf Facebook, Twitter und Co. vertreten. Dafür brauchen sie Profis. Deshalb haben junge Leute etwa als Social Media Manager gute Berufschancen.

Der 33-jährige Atilla Sayan arbeitet heute bei der Robert Bosch GmbH im Geschäftsbereich Power Tools als 'Teamleader Content Marketing and Social Media'. 'Wir kommunizieren mit unseren Kunden über Facebook, Twitter und unsere eigene Community ?1-2-do.de?. Dort helfen wir Heimwerkern, ihre Probleme zu lösen, und antworten auf ihre Fragen', berichtet Sayan. Denn er ist für das Online-Marketing der Heimwerker-Werkzeuge zuständig. Das Besondere an Social Media beschreibt er so: 'Es geht nicht darum, schöne PR-Texte zu verfassen, sondern zuzuhören und ohne Sprücheklopferei Verständnis für den User zu zeigen.'

Die Themen Design und Technologie ziehen sich durch Sayans Lebenslauf wie ein roter Faden. Zuerst absolvierte er eine Ausbildung als Mediengestalter, machte dann sein Abitur und begann danach das Studium Textildesign und Management. 'Das war aber nicht das Richtige. Deshalb wechselte ich an die Hochschule der Medien in Stuttgart, an der ich bis 2012 Werbung und Marktkommunikation studierte. Das war die beste Entscheidung meines Lebens.' Schon während seines Studiums arbeitete er freiberuflich als Social Media Berater und unterstützte Unternehmen bei der Kommunikation mit ihren Kunden.

Zu Bosch kam Sayan über ein Praktikum und eine anschließende Werkstudententätigkeit. Prof. Harald Eichsteller, Studiendekan der Medienmasterstudiengänge an der Hochschule der Medien (HdM), betont: 'Medienstudiengänge beschäftigen sich heute natürlich immer auch mit Social Media, egal wie sie auch im Einzelnen heißen.' Aus seiner Erfahrung weiß er, dass viele Social Media Manager und Berater einerseits über einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund und andererseits über eine journalis­tische oder PR-Ausbildung verfügten.

Auch Marketing-Studiengänge befassen sich heute mit Social Media

Die Berufsberaterin Jutta Dietrich von der Arbeitsagentur Stuttgart sieht ebenfalls ganz unterschiedliche Einstiegsmöglichkeiten in den Social-Media-Bereich: 'Interessierte Schulabgänger können zum Beispiel Online-Medien-Management studieren. Aber auch Marketing-Studiengänge befassen sich heute mit Social Media.' Hochschulabsolventen mit einem Studium in Kommunikationswissenschaften, BWL oder Kommunikationsdesign haben genauso Chancen wie IT-Spezialisten. Denn schließlich gibt es in den sozialen Medien unterschiedliche Anforderungsprofile.

Deshalb kommt auch eine Ausbildung zum Mediengestalter infrage. Neben theoretischen Kenntnissen zählt die Praxis. 'Ganz dringend empfehle ich Praktika. Aber auch wer bloggt oder einen Youtube-Kanal betreibt, kann wertvolle Erfahrungen sammeln, genauso wie jemand, der die Facebook-Seite seines Vereins betreut', betont Dietrich. Auch Eichsteller rät zu praktischer Erfahrung. Die Möglichkeiten dazu sind vielfältig: 'Junge Leute können via Social Media Geld für ihren Abi-Ball sammeln, im Netz eine Aktion für ein Tierheim starten oder über Facebook studentische Projekte organisieren.'

Neben der Praxiserfahrung stehen in der Branche auch ein paar andere Eigenschaften hoch im Kurs: 'Bewerber sollten auf jeden Fall Begeisterungsfähigkeit für das Thema Social Media mitbringen sowie kommunikations­fähig und empathisch sein. Denn sie stehen im ständigen Austausch mit Usern', so Eichsteller. Immer mehr Agenturen haben sich auf die Themen Internet und Social Media spezialisiert. So auch die Stuttgarter Internetagentur Verdure. 'Wer bei uns als Trainee einsteigen will, sollte internetaffin und textsicher sein', sagt Verdure-Geschäftsführer Tobias Fox. Zudem will die Agentur wissen, ob sich der Bewerber auch inhaltlich mit dem Thema Social Media befasst hat. Ein Facebook-Account allein belegt das noch nicht.

Strategien und Konzepte entwickeln

So erwartet Fox, dass die Kandidaten zum Beispiel einschlägige Blogs zum Thema lesen und die aktuellen Trends kennen. 'Auch wenn wir hauptsächlich junge Leute zwischen 24 und 26 Jahren einstellen, haben ältere Quereinsteiger ebenfalls eine Chance', sagt Fox. 'Social Media Berater müssen Strategien und Konzepte präsentieren. Dafür braucht es natürlich Eloquenz', erklärt er. So leiten sie zum Beispiel Workshops zur Konzeptentwicklung und Wissensvermittlung, sie werten aber auch Kampagnen aus. Während Agenturen oft Berater einstellen, suchen Unternehmen häufig Community Manager oder Social Media Manager. Dabei ist ein Community Manager für die Pflege der verschiedenen Kanäle zuständig.

Ein Social Media Manager arbeitet dagegen meist an strategischen Fragen. 'Die Aufgabenstellung in einem Unternehmen kann sehr unterschiedlich sein. Gerade im Mittelstand sind viele Leute Generalisten. Sie sind für das Marketing, die PR, die Website und Social Media gleichzeitig zuständig', so Fox. Bei diesen Unternehmen übernimmt dann oft ein freiberuflicher Berater oder eine Agentur die Strategie-Entwicklung. 'Konzerne brauchen dagegen häufiger hoch spezialisierte Mitarbeiter, die sich zum Beispiel allein um die Anzeigenschaltung bei Facebook kümmern.' Eichsteller sieht grundsätzlich sehr gute Arbeitsplatzchancen: 'Viele Unternehmen haben einen großen Nachholbedarf, was Marketing und PR via Social Media angeht.

Das gilt sowohl für den Handel als auch für die Hersteller.' Doch nicht nur die Kommunikation mit dem Endkunden läuft heute immer mehr über soziale Medien, auch zwischen Unternehmen werden diese Kanäle vermehrt genutzt. 'Besonders wichtig sind inzwischen digitale Medien mit Interaktionsmöglichkeit, um neues Personal zu gewinnen', so Eichsteller.