Social Media und Handys Manuel Hagel und Cem Özdemir sind für Verbote

Wie viel Internet ist gut für Kinder und Jugendliche? Viele Forscher und Politiker treten aktuell für Restriktionen ein. Foto: dpa

Soziale Medien und Handys in der Hand von Jugendlichen werden zunehmend zum Sorgenthema. Das Thema hat jetzt den Vorwahlkampf in Baden-Württemberg erreicht.

Politik/Baden-Württemberg : Bärbel Krauß (luß)

Die baden-württembergischen Bald-Wahlkämpfer haben das Problem von Internet- und Handynutzung von Kindern und Jugendlichen entdeckt. Cem Özdemir, Spitzenkandidat der Grünen für die Landtagswahl, hält ein Verbot von Social-Media-Plattformen wie Tiktok oder Instagram für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren für geboten. „Wir lassen Jugendliche auch nicht einfach ohne Führerschein hinters Steuer. Es gibt Fahrstunden und ein schrittweises Ranführen. So müssen wir es auch mit den sozialen Medien halten.“ Das hat er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa erklärt.

 

„Ich bin offen für ein Handyverbot an Schulen“, hat der CDU-Herausforderer Manuel Hagel im Rahmen seiner Sommertour bei einem Auftritt in Stuttgart mitgeteilt. Er glaube, dass ein Schritt dieser Art nötig sei, sagte er auf Fragen zur Bildungspolitik. Vielleicht sei darüber hinaus auch ein neues Schulfach notwendig, in dem die Kinder den Umgang mit allem lernen, was über Handynutzung und Internet auf sie einstürme.

Die Vorstöße sind nicht deckungsgleich, zielen aber in die selbe Richtung. Denn das Smartphone dürfte die wichtigste Plattform sein, mit der Kinder und Jugendliche instagrammen, tiktoken und manchmal auch Netzrecherchen für Referate, Hausaufgaben oder andere Schulzwecke erledigen.

Klar ist, dass die beiden Politiker, die sich bei der nächsten Landtagswahl um das Amt des Ministerpräsidenten bewerben, damit ein Thema besetzen, das nicht nur Bürger, Eltern und Lehrkräfte umtreibt, sondern auch Wissenschaft und Politik. Heute ist der Blick auf Kinder und Jugendliche und das Internet von einem wachsenden Problembewusstsein gekennzeichnet. Hagel und Özdemir stehen mit ihren Positionen allein. So hat kürzlich die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina ein Social-Media-Verbot für Kinder bis 13 und deutliche Nutzungseinschränkungen für Jugendliche bis 17 Jahre gefordert.

Die Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur sowie das Deutsche Kinderhilfswerk dagegen halten Debatten über Smartphone-Verbote für kurzsichtig und fordern stattdessen mehr Medienbildung.

Während Özdemir mit seinem Zwischenruf ein vielfältiges Medienecho ausgelöst hat, hat sich Hagels Offenheit für ein Handyverbot noch nicht so verbreitet. Vielleicht erklärt das, warum neben dem FDP-Fraktionsvorsitzenden Hans Ulrich Rülke auch der CDU-Bildungspolitiker Andreas Sturm Özdemirs Stellungnahme nutzte, um dessen Äußerung als typisch grünen Verbotsreflex zu geißeln. Özdemir wolle „den Super-Sheriff geben – und landet wieder beim grünen Reflex: Alles verbieten, was Schwierigkeiten macht“, so Sturm. Das gehe aber am Lebensgefühl der Jugend vorbei. Für die SPD betont Jonas Hoffmann, dass Altersgrenzen ohne sichere Verifizierung nichts bringen und betont, dass selbst Tiktok und Instagram Nutzer unter 13 Jahren nur bei Zustimmung der Eltern akzeptieren.

Grün-Schwarz führt aktuell mit der Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium bereits einen durchgängigen Unterricht im Fach Medienkunde/Informatik an allen weiterführenden Schulen ein. Zudem hat die Landesregierung sich zwar gegen ein generelles Handyverbot entschieden. Es werden aber alle Schulen verpflichtet, „sich für eine verantwortliche und altersangemessene private Nutzung von Handys in der Schule Regeln“ zu geben.

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