Social Media Wie nutzen Rathauschefs die digitalen Netzwerke?

Social Media: Direkter Draht zum Bürger oder überflüssig? Foto: picture alliance/dpa/Yui Mok
Social Media: Direkter Draht zum Bürger oder überflüssig? Foto: picture alliance/dpa/Yui Mok

Für manche Oberbürgermeister und Bezirksvorsteher sind Facebook, Instagram und Twitter willkommen für den Kontakt mit den Bürgern, andere können ihnen nichts abgewinnen. Fünf Stimmen von der Filderebene zur Mediennutzung.

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Filder - Dass Rathaus-Chefs Facebook als Sprachrohr nutzen und so in einen direkteren Kontakt mit ihren Bürgern kommen können, dafür steht vor allem einer: Boris Palmer aus Tübingen. Im gefühlten Zehn-Minuten-Rhythmus tut er über diesen Kanal dies und jenes kund. Mit der Garantie, dass die Anzahl der Kommentare der Nutzer rasch ins Dreistellige schnellt. Und Palmer quasselt munter mit.

Hat man als Verwaltungschef dank Facebook, Instagram und Twitter das Ohr näher am Volk? Hier scheiden sich die Geister. Ob und wie unterschiedlich soziale Netzwerke von Verwaltungsoberen als Kommunikationsmittel genutzt werden, zeigt ein Blick über die Filderebene. Wir geben einen Überblick darüber, wer in den Rathäusern der Kommunen und Stadtbezirke auf den Nutzen der Netzwerke setzt und wer nicht.

OB in Filderstadt

Christoph Traub bekommt ausschließlich positive Resonanz auf seine Aktivitäten bei Facebook und Instagram. „Ich schreibe und poste das auch alles selbst“, sagt er, „das macht niemand anderes für mich“. Neben Informationen zu dem, was in Filderstadt passiert, im Gemeinderat oder auf Veranstaltungen, die er besucht, postet er manchmal auch Impressionen von Spaziergängen oder Radtouren. „Als OB darf man ruhig auch mal zeigen, wie schön es hier ist.“

Privater wird es aber nicht, und das ist ihm auch wichtig: „Die Neigung, alles zu veröffentlichen, habe ich nicht, und nur posten um des Postens willen halte ich für falsch.“ Stattdessen freut er sich, über die sozialen Netzwerke Kontakt mit Bürgern zu haben, an die er sonst nicht herankommen würde, und die auch keinen Zugang zu Printmedien wie Amtsblatt oder Zeitung haben. „Für viele haben die Direktnachrichten die E-Mail ersetzt“, sagt er. Wenn es in den Kitas eine Veränderung gäbe, bekomme er viele Direktnachrichten von Eltern dazu.

OB in Leinfelden-Echterdingen

Roland Klenk sieht auch im digitalen Zeitalter keine Not, „zu jeder Tages- und Nachtzeit meinen Senf zu irgendwelchen Dingen des Weltgeschehens in irgendwelchen digitalen Kanälen zu geben“. Die Begründung des Oberbürgermeister von Leinfelden-Echterdingen dafür fällt deutlich aus: „Das will ich einfach nicht, ich sehe darin keinen persönlichen Nutzen – weder für mich, noch für die Stadt.“ Dass heiße aber nicht, dass man ihn weniger gut erreichen könne als andere: „Man kann mich anrufen, man kann Termine mit mir machen, man kann mir eine E-Mail schreiben“, sagt Roland Klenk. Niemand bleibe ohne Antwort.

Nichtsdestotrotz sollte die Stadt Leinfelden-Echterdingen seiner Meinung nach ein Social-Media-Angebot haben. Eine Konzeption dafür wurde auf Betreiben des Rathauschefs auch schon vor einigen Jahren erarbeitet und der Kommunalpolitik vorstellt. Allerdings hat der damalige Gemeinderat dieses Papier damals mehrheitlich abgelehnt.

Bezirksvorsteher in Stuttgart-Degerloch

Auf seiner Facebook-Seite wird Marco-Oliver Luz auch sehr persönlich. Wer den noch recht neuen Bezirksvorsteher von Degerloch etwas besser kennen lernen will, schaut sich am besten in dessen Timeline um. Für Nicht-Facebook-Nutzer: Das ist die Chronik dessen, was Luz gepostet hat. Und genau hier begegnet man einem sehr nahbaren Marco-Oliver Luz. Als er im Frühjahr an Corona erkrankt ist, hat er Selfies aus dem Krankenhaus veröffentlicht. Und als vor Kurzem sein Cousin verstorben ist, hat er persönliche Zeilen, auch über eigene Schicksalsschläge, hochgeladen. Warum gibt ein Bezirksvorsteher bei Facebook so viel von sich preis?

„Ich sage nichts, was ich nicht auf dem Marktplatz erzählen würde“, sagt der 44-Jährige. „Klar ist, ich will keine distanzierte Politikerfigur sein.“ Hinzu komme, dass sich auf seinem Facebook-Profil Berufliches und Privates vermische. Er hat nur dieses eine. Bilder von Angehörigen seien allerdings tabu, sagt er. „Man weiß ja auch, welche Gefahren das Internet birgt.“

Bezirksvorsteherin in Stuttgart-Plieningen/-Birkach

Der letzte Post, den Andrea Lindel auf ihrem Facebook-Profil abgesetzt hat, ist vom 16. März 2012, und ihre Freundesliste umfasst sechs Personen. Das zeigt: Die Bezirksvorsteherin von Birkach und Plieningen macht sich nichts aus dem sozialen Netzwerk. Weder privat noch beruflich. „Ich ziehe die direkte Kommunikation mit den Bürgern vor“, sagt sie.

Sie habe nicht den Eindruck, „etwas Prägnantes“ für die Netzgemeinde beisteuern zu können. „Ich wüsste nicht, was sich lohnt, in die Welt zu tröten.“ Das Profil bei Facebook habe sie sich nur zugelegt, weil sie damals als stellvertretende Bezirksvorsteherin von Mühlhausen so den direkteren Kontakt zu den Jugendräten gehabt hätte. Seit ihrem Wechsel auf die Filder habe sie ihren Auftritt nie mehr gepflegt. „Das ist einfach nicht meins. Ich sehe darin für mich keinen Mehrwert.“ Das gilt auch für andere Kanäle wie Twitter oder Instagram. Ein Smartphone hat Lindel freilich trotzdem, und den Messengerdienst Whatsapp nutzt auch sie.

Bezirksvorsteher in Stuttgart-Vaihingen

Kai Jehle-Mungenast ist auf verschiedenen sozialen Netzwerken aktiv, auf Instagram und Twitter, auf Xing und Facebook. Teilweise nutzt der Vaihinger Bezirksvorsteher die Dienste beruflich, teilweise privat. „Ich nutze das sehr rege, auch, weil es mir einfach Spaß macht“, sagt er. Auf Facebook hat Jehle-Mungenast sowohl ein privates Profil als auch eine Seite als Bezirksvorsteher. Über Letztere teilt er Dinge mit der Öffentlichkeit, die den Stadtbezirk Vaihingen betreffen, auf seinem privaten Profil schränkt er ein, wer was sehen darf. Instagram nutze er eher beruflich, „um etwa ein Bild des Weihnachtsbaums auf dem Vaihinger Markt zu posten“, auf seinem Twitter-Profil vermische sich Beruf und Privatleben.

Die sozialen Netzwerke sind für den Bezirksvorsteher auch ein Weg, näher an den Bürgern zu sein. „Ich werde immer wieder über die Plattformen angesprochen und kann hier unkompliziert in einen Dialog mit den Bürgern treten“, sagt Jehle-Mungenast.




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