Sofia Coppolas Film „The Bling Ring“ Im Schrank von Paris Hilton

Von Rupert Koppold 

Sofia Coppolas neuer Film „The Bling Ring“erzählt im doppelten Wortsinn distanzlos von einer Teenie-Gang, die in die Behausungen von Stars einbricht und sich mit Luxusgütern eindeckt. Eine wahre Geschichte.

Sofia Coppolas Film „The Bling Ring“ erzählt von Wohlstands-Teenies. Foto: Tobis
Sofia Coppolas Film „The Bling Ring“ erzählt von Wohlstands-Teenies. Foto: Tobis

Stuttgart - Es war ganz schön aufregend, in Paris Hiltons Schuhschrank zu stehen“, sagt Sofia Coppola im Presseheft, das wie ein buntes Klatsch- und Tratschmagazin aufgemacht ist. In ihrem neuen Film „The Bling Ring“ erzählt sie den wahren Fall einer Teenagerclique nach, die in die Behausungen von Stars einbricht und sich mit Luxusgütern eindeckt. Paris Hilton ist dabei nicht nur in einem kurzen Gastauftritt zu sehen, sie hat der Regisseurin auch bereitwillig ihre ebenfalls „heimgesuchte“ Villa zur Verfügung gestellt. Und wie sieht es nun aus bei dieser Frau, die fürs Berühmtsein berühmt ist? Noch ein bisschen mehr so, wie man es sich sowieso schon vorgestellt hat, nämlich wie im Paradies des teuer-schlechten Geschmacks respektive wie in einem Selbstbespiegelungskabinett, in dem sogar die Kissen mit großen Paris-Hilton-Porträts verziert sind.

„Die Verdächtigen trugen Louboutins“, so hat das Magazin „Vanity Fair“ seine Reportage über jene Highschool-Kids betitelt, die Sofia Coppola zu „The Bling Ring“ inspiriert hat. Diese mode- und markenversessenen Jung-Einbrecher stammen aus begüterten Familien, sind aber extrem gelangweilt und haben das Gefühl, es stehe ihnen eigentlich viel mehr zu, und zwar nicht nur an Luxus und Glamour, sondern auch an Ruhm. So treibt die dominante Rebecca (Katie Chang) den schüchternen Neuankömmling Mark (Israel Broussard) immer wieder zu neuen Taten an, über die dann stolz auf Facebook oder Twitter berichtet wird.

Zuerst klauen sie Autos für Spritztouren, später überprüft Mark, der endlich mal dazugehören will, die Klatschseiten im Internet und findet heraus, dass Orlando Bloom, Lindsay Lohan oder Megan Fox gerade nicht zu Hause sind. Danach geht es, oft verstärkt durch Chloe (Claire Julien) und die Stiefschwestern Nicki (Emma Watson) und Sam (Taissa Farmiga), zum nächtlichen „Shoppen“.

Zur Satire hat Coppola keine Lust

Und nun hört man vor blitzenden Schmuckschatullen oder aus begehbaren Kleiderschränken heraus immer wieder anerkennende Ausrufe wie „Oh, my God!“, „Amazing!“, „Cool!“ und „Holy shit!“. So als wollten die Kids ihre Lieblings-Reality-TV-Shows nachspielen. Auch beim nächsten Raubzug sind diese Rufe zu hören. Und auch beim übernächsten. Überhaupt wird dieser Film nun sehr, sehr redundant und richtet sich ein in einer sehr, sehr engen Welt. Denn nicht nur diese wohlstandsverwahrlosten Teenager verschließen sich in ihrem hohlen Leben, auch die Regisseurin bleibt dieser Szene verhaftet wie eine Insiderin. Kein Blick über den Horizont ihrer Protagonisten hinaus. Aber auch kein Blick in ihre Protagonisten hinein.

Manchmal wahrt die Regisseurin ein wenig Distanz, aber eher so wie eine große Schwester, die sich eingestehen muss, für solche Streiche schon zu erwachsen zu sein. Doch eine wirkliche Haltung zu dem, was sie in ermüdendem Detailreichtum und letztlich ziemlich spannungslos beschreibt, ist bei Sofia Coppola nicht zu erkennen. Sie deutet auch mal eine Komödie an – auch dies ohne letzte Konsequenz. Und zur Satire hat sie schon gar keine Lust. Ihr Film sei eine „Mischung aus Glamour und Kritik“, so drückt sie selber ihre Unentschiedenheit aus, gleichzeitig erklärt sie jedoch, sie habe versucht, „die Figuren sympathisch und ihre Handlungen nachvollziehbar“ zu machen. Tatsächlich neigt die Regisseurin zur Affirmation, schenkt ihren Helden zum Beispiel die jeweils passenden Songs, will deren narzisstisch-leeres, dafür mit Äußerlichkeiten vollgestopftes Leben nicht wirklich reflektieren, sondern nur nachinszenieren.

So wie schon in ihrem umstrittenen Film „Marie Antoinette“, in dem sie ebenfalls ein Leben als immerwährende Fashion-Orgie beschreibt, zeigt Sofia Coppola erneut ungeheuer viel Verständnis für gelangweilte Teenager. Die wirklich wichtige Frage, was man denn zur Guillotine trägt, hat sie damals allerdings nicht beantwortet. Und für ihre „Bling Ring“- Clique, deren ebenso dreist wie dilettantisch durchgeführte Raubzüge irgend­-wann aufliegen, geht das Leben sowieso weiter. Vermutlich wieder auf Louboutins. Sogar die Rebecca-Darstellerin Katie Chang hat sich ja bei den Dreharbeiten angesteckt. Wie Sofia Coppola ­war sie im Zentrum der Super-Luxus-Glamour-Seuche und sagt jetzt: „Ich habe mich nie besonders für Schuhe interessiert, aber ein Besuch in Paris Hiltons Schrank hat das für immer verändert.“