Auch mit neun Jahren Berufserfahrung lernt Sara von Zepelin bei den Reisen ins Ausland noch den einen oder anderen Kniff dazu. Foto: Dirk Steffen
Normalerweise arbeitet die Sindelfingerin Sara von Zepelin als Physio in Herrenberg. Mit der Softball-Juniorinnen-Nationalmannschaft verschlägt es sie aber auch in andere Länder.
Jenny Schwartz
07.08.2025 - 17:35 Uhr
Dass Sara von Zepelin von Berufs wegen einmal rund um den Globus reisen würde, hätte die Physiotherapeutin vor ein paar Jahren nie erwartet. Doch genauso ist es. Die 29-Jährige betreut neben ihrem Alltagsgeschäft nämlich auch die weibliche U15- und U18-Nationalmannschaft des Deutschen Baseball- und Softballverbands. Mit den A-Juniorinnen verschlug es sie jüngst nach Japan. „Das war das allererste Mal, dass ich zum Arbeiten so einen langen Anreiseweg hatte“, schmunzelt sie. Das Erlebnis war es aber allemal wert.
Fünf Tage war das Team zu Gast im fernen Osten. „Wir waren in einem riesigen Countryclub mit Golfanlage und allem Drum und Dran untergebracht“, schildert Sara von Zepelin. „Das Feld war im Gegensatz zu Deutschland ein komplett moderner Kunstrasen, der dort alle drei, vier Jahre neu gemacht wird.“ Im Rahmen des Einladungsturniers spielte das Team nicht nur gegen den Gastgeber, sondern auch gegen Singapur, Italien, Tansania und Botswana. „Alles war super organisiert, wir mussten uns um gar nichts kümmern.“
Selbst auf dem Platz steht Sara von Zepelin bei solchen Anlässen natürlich nicht. Stattdessen kümmert sie sich darum, dass die Mädels alles gut überstehen. Sie leitet die Warm-Ups, ist erste Ansprechpartnerin bei Blessuren und führt abends nochmal kleinere Physiorunden durch. Aber was gehört eigentlich zu den typischen Problemen, die man als Softballspielerin bekommen kann? „Das klassischste sind Schulterschmerzen durch das viele Werfen“, sagt die Expertin, „oder im Daumen, das kann vom Fangen kommen.“
Im Land der aufgehenden Sonne seien außerdem die hohen Temperaturen eine nicht zu unterschätzende Erschwernis gewesen. „Es war sehr interessant, wie die japanischen Physiotherapeuten damit umgegangen sind“, sagt Sara von Zepelin. Da seien die Akteurinnen sofort in einen gekühlten Raum gekommen, wo sie Eisbeutel für Kopf und Achselhöhlen bekamen. „Also dort, wo die Lymphknoten sitzen, um die Hitze zu verteilen.“
Auch mit neun Jahren Erfahrung in ihrem Job lernt sie also immer noch dazu. Der Berufswunsch tauchte bei ihr schon in der Realschule auf. „Man kann mit Menschen arbeiten, ihnen dabei helfen, Symptome zu verbessern“, erklärt sie die Faszination. Nach ihrem Abschluss absolvierte sie in Tübingen deshalb die dreijährige Ausbildung.
Nun stellt sich natürlich die Frage: Wie wird man Physiotherapeutin bei einer Juniorinnen-Nationalmannschaft? Die Grundvoraussetzung dafür ist natürlich, selbst Softball auszuüben. Und das macht Sara von Zepelin sogar auf professioneller Ebene. Seit sieben Jahren spielt sie mit den Tübingen Hawks in der 1. Bundesliga. In Sindelfingen ist sie außerdem in der Freizeittruppe der Squirrels aktiv.
Softball in der 1. Bundesliga: Sara von Zepelin spielt für die Tübingen Hawks. Foto: Hawks
Auf die Randsportart wurde sie im Grundschulalter aufmerksam. „Damals wurde das im Sommerferienprogramm angeboten, und meine Schwester und ich waren sofort begeistert“, erinnert sie sich. Vor allem das Familiäre habe ihr gefallen. „Ich musste allerdings mit Baseball anfangen, weil es damals noch keine U13 im Softball gab.“
Im Nationalkader war sie selbst zwar nie, doch dessen Trainerin kennt sie trotzdem seit langem. Und diese fragte Sara von Zepelin vor drei Jahren an, ob sie nicht Lust hätte, als Physiotherapeutin die U15 zu übernehmen. Gesagt, getan: „Ich bin dann spontan mit der Mannschaft in die Niederlande gefahren.“ Ende 2024 sei dann noch die U18 dazugekommen.
In der Regel begleitet die Physiotherapeutin die Teams bei ihren Trainingswochenenden in Karlsruhe. Gelegentlich bekommt sie aber auch die Möglichkeit, mit diesen ins Ausland zu reisen. Japan war bisher die weiteste Distanz. „Ansonsten war ich noch zweimal in Prag und einmal bei der Europameisterschaft in Spanien.“
Durch diese Trips begegnet Sara von Zepelin natürlich auch Physios aus anderen Ländern. „Das ist sehr spannend, weil man da untereinander natürlich auch Tipps austauscht.“ Zwar gibt es vieles, das weltweit gleich gehandhabt wird, doch sie hat auch einige Unterschiede festgestellt. „Manche arbeiten zum Beispiel noch mit Eisspray, was wir in Deutschland nicht mehr tun“, erklärt sie. „Falsch angewendet kann das nämlich schaden.“
In den nächsten Monaten wird es erstmal keine größere Softball-Ausfahrt für Sara von Zepelin geben. Dafür ist sie seit kurzem auch Auswahlcoach für die U13 des Baden-Württemberg-Kaders. Auch dieser Aspekt bereitet ihr Spaß. „Es ist schön, wenn die Mädels von uns alten Hasen noch was lernen können.“