Für eine Doppelfolge von SOKO Stuttgart legen sich die Filmproduzenten richtig ins Zeug: Die ehemalige Kommissarin Anna Badosi gerät in dem Serienteil nicht nur unter Mordverdacht, sondern auch in Lebensgefahr. Die Szene mit dem Zug wurde mitten in der Nacht gedreht.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)

Ein Auto steht mit laufendem Motor mitten auf den Gleisen, die Fahrerin scheint bewusstlos zu sein – und ein Zug rollt auf sie zu. „Cut“, ruft der Regisseur und schüttelt den Kopf. Burkhard Feige dreht in dieser Nacht eine der aufwendigsten Szenen für die ZDF-Serie SOKO Stuttgart. Eine Lokomotive wird dafür in Gang gesetzt, die Industriehallen, Schrotthaufen und ein Betonsilo am Hafenbecken sind dramatisch angeleuchtet, die Straße wird ständig nass gespritzt. als hätte es geregnet. Mehr als 50 Mitarbeiter der Filmproduktionsfirma Bavaria sind im Einsatz. „Die Location ist großartig“, sagt der Regisseur in einer Pause. Eigentlich findet er an diesen Dreharbeiten alles großartig, denn sie sind so aufwendig wie für einen Spielfilm.

 

Eine Doppelfolge für die SOKO Stuttgart

Eine Doppelfolge entsteht gerade für die SOKO Stuttgart: „Blutiges Wiedersehen“ lautet der Arbeitstitel der Teile 333 und 334, in denen neben dem aktuellen Ermittlerteam auch drei ehemalige Kommissarinnen auftreten. Bei einer Kriminalkonferenz, die im nun geschlossenen Schlossgartenhotel gefilmt wurde, treffen sie aufeinander. Aber die Freude ist nur von kurzer Dauer, denn dort wird ein Professor erschossen, der Institutsleiter von der Hamburger Polizeihochschule ist. Und damit gerät eine der früheren Ex-Kolleginnen in Verdacht, weil sie seine designierte Nachfolgerin ist. „Diese Rolle ist natürlich ein Geschenk an eine Schauspielerin“, sagt Nina Gnädig, die in den ersten drei der mittlerweile 13 Staffeln zur SOKO Stuttgart gehörte und nun als Anna Badosi zurückkehrt.

Allein für die Probe muss sich die 44-Jährige ein halbes Dutzend Mal in dieser Nacht schlafend stellen. Zwischen den Aufnahmen sucht sie sich am Rand des Schauplatzes eine ruhige Ecke, hockt sich auf den Boden und verschränkt die Hände vor dem Gesicht. „Die Szene ist schon sehr aufregend“, verrät sie noch. Manchmal schwätzt und lacht sie auch mit einem der vielen Teammitglieder. Der Gastauftritt ist für sie wie die Rückkehr zu einer Familie, weil viele seit den Anfängen der SOKO Stuttgart noch dabei sind. Aber vor allem begeistert die Schauspielerin, dass sie „den freien Fall spielen darf vom Held zum Antiheld“. In Verdacht und in Gefahr zu geraten, führt schließlich dazu, dass sie bewusstlos in ihrem Auto sitzt und hinter ihrem Kopf die Scheinwerfer der Lok leuchten.

Der Lokführer kann seinen Söhnen etwas erzählen

„So etwas habe ich noch nie gemacht“, sagt Waldemar Meinzer. Normalerweise rangiert er mit seiner Lok am Hafen die Containerzüge bis zum Güterbahnhof. In dieser Nacht steuert er sein tonnenschweres Fahrzeug direkt auf den Wagen der Schauspielerin zu. Sein Chef hat ihm die Überstunden nahe gelegt, damit er seinen Söhnen etwas erzählen kann. Mindestens so oft wie Nina Gnädig muss auch er seinen Part wiederholen und immer wieder die Lok über den Bahnübergang rollen lassen. Auf dem Schienennetz der Deutschen Bahn wären solche Dreharbeiten unmöglich gewesen. Die Szenenbildnerin Stephanie Strecker hat die Alternative bei dem Containerumschlagplatz für die SOKO Stuttgart aufgetan. „Die Folgen werde ich mir mit der ganzen Familie anschauen“, sagt Waldemar Meinzer.

Normalerweise entstehen an einem Drehtag für das Vorabendprogramm acht bis zehn Minuten Serienstoff. Von den rund vier Stunden am Hafen werden zwei Minuten übrig bleiben – als Cliffhanger am Ende der ersten Folge. Ob Nina Gnädig als Anna Badosi den Stopp auf den Bahngleisen überlebt, wird sich dann am Anfang der Fortsetzung zeigen. Die Kombination aus Auto, Zug und Stuntman sei speziell, erklärt die ausführende Produzentin Nicole Buck. „Das ist Spielfilmniveau“, sagt sie. Neben dem Hafen werden die Stuttgarter noch andere Kulissen in „Blutiges Wiedersehen“ erkennen können: den Neckar in der Szene mit einem Hausboot, das Schlossgarten-Hotel sowie die Eselsmühle.

Eine Ehre für den neuen SOKO-Regisseur

Für Burkhard Feige ist es eine Ehre, dass er als relativ neuer SOKO-Regisseur gleich die Doppelfolge machen darf. „Normalerweise hat man in einer Folge viel abzuhandeln“, erklärt der gebürtige Tübinger. In eineinhalb Stunden und mit bekannten Charakteren wie Anna Badosi und einer weiteren ehemaligen Kommissarin (Nelly Kienzle, gespielt von Sylta Fee Wegmann) sei der emotionale Bogen viel großer. „Das ist ein Riesenpfund“, sagt Burkhard Feige, bevor er sich wieder vor den Monitor stellt, an dem er die nächste Aufnahme genau verfolgt – und irgendwann nicht mehr den Kopf schüttelt.