Endlich Sol Gabetta pur. In der Zugabe „Nana“ aus den „Canciones populares Españolas“ von Manuel de Falla kann er sich frei entfalten: ihr kraftvoller, suggestiv-intensiver Celloton. Ein berührender, inniger Gesang, geerdet vom Pianisten durch behutsame, zarte Farbtropfen-Begleitung. Aber vor allem in der ersten Hälfte des Konzerts der argentinisch-schweizerischen Star-Cellistin im Beethovensaal war die Klangbalance zwischen ihr und dem französischen Pianisten Bertrand Chamayou fast komplett aus dem Lot.
Schon in Mendelssohn Bartholdys Konzertanten Variationen op. 17 sah man die zierlich-sportlich-drahtige Gabetta die Cellosaiten zwar mit großem Körpereinsatz und vor Energie nur so strotzend bearbeiten. Bloß: Man hörte sie kaum. Besonders problematisch wurde dieses merkwürdige Phänomen in Brahms’ dicht und komplex komponierter Sonate für Cello und Klavier op. 99, in der ihr Part besonders in der tiefen Lage unter der Klangdecke des Steinways verschwand, während Chamayous Spiel sich nunmehr zum virtuos-brillant funkelnden Schneegestöber aufbäumte.
Vielleicht lag’s an der Raumakustik
Diskussionen also in der Pause: Die einen vermuten, Gabettas Cello sei einfach zu leise, andere schieben es auf den zu sehr auftrumpfenden Pianisten – der freilich nicht gerade der ätherische Spektralfarbenlyriker ist. Beides möglich. Eine Dame bringt ins Spiel, dass die beiden vielleicht zu weit auseinander säßen. Tatsache ist, dass Gabetta und Chamayou schon seit Langem als viel gelobtes Duo durch Europa reisen und ihr Programm, mit dem sie gerade tournieren, demnächst als CD veröffentlichen. Zudem kennt Gabetta den Beethovensaal aus dem Effeff, und in der Regel kann sie sich problemlos gegen Riesenorchester durchsetzen. Wie kann dann so was passieren?
Vielleicht ging das Problem ja aufs Konto der Raumakustik und betraf nicht alle Teile des Saals, der für Kammermusik und kleine Besetzungen bekanntermaßen denkbar ungeeignet ist. Im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie, wo Gabetta und Chamayou ihr Programm in der vergangenen Woche aufgeführt haben, scheint das Problem jedenfalls nicht bestanden zu haben. Zumindest ist davon nichts in den entsprechenden Rezensionen zu lesen. Wobei wiederum in Stuttgart die Klangbalance der final gespielten Mendelssohn-Duosonate op. 58 einigermaßen in Ordnung war. Es ging also dann doch irgendwie. Es bleiben Fragen.