Solarboot-Touren auf dem Neckar bei Esslingen Mit Sonnenkraftins Paradies

So malerisch präsentiert sich der Neckar auf einem kleinen Seitenarm bei Esslingen. Foto: Roberto Bulgrin

Ralf Weinberger bietet seit vielen Jahren Kanutouren auf dem Neckar und seinen Kanälen an. Eine seiner liebsten Touren führt zu einem Seitenarm, den er den „Inselneckar“ nennt. Dort ist er auch mit einem Solarboot unterwegs. In Corona-Zeiten sind diese Touren nur für geschlossene Gruppen wie Familien möglich.

Reporter: Alexander Maier (adi)

Esslingen - Für viele ist der Neckar bei Esslingen vor allem eine Wasserstraße, auf der der Fluss der besseren Schiffbarkeit wegen in ein Betonkorsett gezwängt wurde. Doch er hat auch ganz andere Seiten, die mancher erst beim zweiten Blick erkennt. Oberhalb des Neckarfreibads zweigt ein Seitenarm ab, den Ralf Weinberger wie seine Westentasche kennt. Der passionierte Kanu-Kapitän bietet seit vielen Jahren Kanutouren auf dem Neckar und seinen Kanälen an, und er hat schon vielen die Stadt von überraschend neuen Seiten gezeigt. Eine seiner liebsten Touren führt zu jenem Seitenarm, den er den „Inselneckar“ nennt – und der ihn schwärmen lässt: „Für mich ist jede Fahrt dorthin wie eine Reise in eine andere Welt. Fernab von jedem Trubel findet man dort eine Ruhe, wie es sie heute nur noch selten gibt. Die Zeit scheint stillzustehen, und die Pflanzen- und Tierwelt dort vermittelt manchen meiner Fahrgäste ein Gefühl von Amazonas.“ In Corona-Zeiten gelten allerdings klare Regeln.

 

Man kann den „Inselneckar“ auf eigene Faust mit einem der Einer- oder Zweier-Kanus oder einem Stand-up-Paddelbrett erkunden, die Weinberger vermietet. Man kann aber auch mit ihm als Käpt’n auf eine Kanutour gehen. Der Clou an der Sache: Er sticht mit einem durch Solarenergie betriebenen Kanu in See. So müssen die Passagiere nicht mehr selber paddeln, sondern können sich ganz den paradiesischen Schönheiten dieses Flussabschnitts hingeben. Die Idee, ein Solarboot vom Stapel zu lassen, hat Ralf Weinberger vor einigen Jahren aus dem Westfälischen mitgebracht: „Ich war damals an einem See bei Münster, wo Rundfahrten mit einem durch Sonnenenergie betriebenen Boot angeboten wurden“, erzählt er. „Das wollte ich unbedingt erleben. Doch als ich mein Ticket gekauft hatte, kam ein Boot mit einem Dieselmotor angetuckert, weil es an diesem Tag zu wenig Sonne gab. Da habe ich mir vorgenommen, so etwas auch zu machen – aber richtig.“

Mittlerweile ist Ralf Weinbergers Solarboot in Betrieb, und er hat sein Angebot immer weiter perfektioniert: Seit dieser Saison werden drei Kanus miteinander vertäut – im rechten und im linken ist jeweils Platz für acht Passagiere, das mittlere Kanu fungiert als Versorgungsboot mit vier Sitzplätzen. Und auch die sind luxuriöser als bisher: Wo die Fahrgäste bislang auf harten Planken Platz nehmen durften, gibt es nun bequeme Sitzbänke mit Rückenlehne – und dem nötigen Abstand zu Vorder- und Hintermann. Weinberger steht im mittleren Kanu am Steuer und bedient die Elektromotoren. Angetrieben werden die Schiffsmotoren über Batterien, die Weinberger an Land über Solarzellen auflädt. „Und wenn mal über einen langen Zeitraum die Sonne gar nicht scheinen sollte, könnte ich die Batterien notfalls mit Ökostrom aufladen. Aber das war bisher kein Thema. Im vergangenen Jahr war ich komplett autark, und ich habe die Kapazität inzwischen sogar noch weiter erhöht.“

Dass der Kanu-Käpt’n nur zwei ganz kleine Elektromotoren im Einsatz hat, ist Teil seines Konzepts: „Wir wollen ja nicht möglichst rasch an ein Ziel kommen. Wenn man auf dem ‚Inselneckar’ unterwegs ist, dann ist der Weg das Ziel. Meine Fahrgäste sollen die Fahrt entschleunigt erleben und sich alle Zeit nehmen, um die Schönheiten, dieser kleinen Oase der Ruhe zu entdecken und zu genießen.“ Und weil die Boote mit Solarstrom unterwegs sind und weil Weinberger achtgibt, dass das sensible Ökosystem auf diesem Flussabschnitt, der noch immer sein natürliches Gesicht zeigt, nicht gestört wird, finden seine Touren großen Anklang: „Kanusport ist aktiver Umwelt- und Naturschutz – wenn man ihn richtig betreibt.“

Die Nachfrage wäre noch weitaus größer, wenn ihm nicht Corona ins Handwerk gepfuscht hätte: „Als meine Boote im Frühjahr startklar waren, kamen die Einschränkungen, und das Geschäft ist erst mal zusammengebrochen. Touren, die schon gebucht waren, mussten abgesagt werden, und lange Zeit wusste niemand, ob und wann es weitergehen konnte.“ Mittlerweile ist ein eingeschränkter Betrieb möglich – allerdings nach strengen Hygieneregeln. Die hält der Kanu-Käpt’n nicht nur aus rechtlichen Gründen ein – als ausgebildeter Heilpraktiker weiß er, worauf es ankommt: „Sicherheit geht vor, das bin ich meinen Fahrgästen schuldig.“ Die wichtigste Regel: Momentan sind Kanutouren im größeren Solarboot nur mit geschlossenen Gruppen wie etwa Familien möglich. Wer individuell in See stechen will, muss ein Einer- oder Zweier-Kanu mieten, selbst paddeln – und kann ob der Schönheit des „Inselneckars“ den Alltag für ein, zwei Stunden hinter sich lassen.

http://www.esslingen-erleben.de

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