Solarwirtschaft Nur Solarspeicher sorgen für Lichtblicke

Solaranlagen auf dem freien Feld. Die Kosten sind radikal gesunken. Foto: dpa
Solaranlagen auf dem freien Feld. Die Kosten sind radikal gesunken. Foto: dpa

Der Ausbau der erneuerbaren Energien stockt deutschland- und europaweit. Global boomt die Branche aber. Bei Neuinstallationen liegt nun sogar Indien vor Deutschland.

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München - Die Nachfrage nach Solarstromspeichern ist hier zu Lande 2015 um 70 Prozent auf knapp 20 000 neu installierten Batteriesysteme gestiegen.

„Wir rechnen nun alle zwei Jahre mit einer Marktverdoppelung“, schätzt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW). Denn die Preise für stationäre Batterien sei binnen zwei Jahren um rund ein Drittel gefallen und anhaltende Verbilligung von zehn bis 20 Prozent pro Jahr werde die Nachfrage weiter anheizen, sagte er zum Auftakt der weltgrößten Branchenschau Intersolar in München voraus.

Für 2020 erwartet er damit in heimischen Haushalten rund 200 000 Speicherbatterien, deren Technologie anders als bei Batterien für Elektroautos von deutschen Herstellern dominiert werde. Nach 2020 soll es dann bei den Speichern erst richtig losgehen. Dann laufen bei den aktuell 1,5 Millionen in Deutschland privat installierten Photovoltaikanlagen die garantierten Einspeisevergütungen nach und nach aus. Damit steigt auch für diese Altanlagen der Anreiz zum Eigenverbrauch und damit zum Speichern, erklärt Körnig.

Deutschland gerät bei Solartechnik ins Hintertreffen

Aber damit ist man auch schon bei der Schattenseite der Branche, zumindest aus deutsch-europäischer Perspektive. Denn während die Sonne global für die Solarbranche scheint wie nie, steht der einstige Technikpionier Deutschland mit der geplanten Deckelung des Ökostromausbaus mittels Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) auf der Bremse. Ähnliches gilt mit Großbritannien für einen zweiten großen EU-Markt. Für 2016 rechnet der BSW deshalb europaweit nur mit einem stagnierenden Neubau für Solarstromanlagen von acht Gigawatt (GW). „Es könnten auch weniger werden“, unkt Körnig. 2013 waren es noch gut zehn GW. 2015 ist Deutschland bei neuinstalliertem Solarstrom global sogar auf Rang sechs zurückgefallen, unter anderem hinter Indien. Der aktuelle Solarweltmeister China installiert dagegen mittlerweile im Vergleich zu Deutschland die zehnfache Menge.

Dabei war es vor allem deutsche Technologieförderung, die die Solarbranche dorthin gebracht hat, wo sie heute ist – zur vollen Wettbewerbsfähigkeit. Solarstrom kann in Deutschland heute zu Preisen ab sieben Cent je Kilowattstunde (kWh) hergestellt werden, rechnet Körnig vor. Das entspricht dem Preisniveau von Windkraft oder neuer konventioneller Kraftwerkstechnik. Das Fraunhofer-Institut prognostiziert für 2025 sogar Kosten für Solarstrom von unter fünf Cent je kWh. 2050 sollen es weniger als drei Cent sein. Aber die deutsche Politik habe sich nun die Sichtweise großer Stromkonzerne zu eigen gemacht, fürchter Körnig. „Die Politik darf sich aber nicht an den Langsamsten orientieren“, kritisiert der Solar-Lobbyist. Hoffnungen, dass sich das vor den nächsten Bundestagswahlen 2017 noch ändert, hat er nicht. Dabei müsse das Tempo der Energiewende rechnerisch um den Faktor vier bis fünf beschleunigt werden, um die beim jüngsten Pariser Klimagipfels festgelegten Ziele zu erreichen. An einer neuerlichen EEG-Novelle werde Deutschland nicht herumkommen. „Nach der Novelle ist vor der Novelle“, schätzt Körnig. Andere Staaten – allen voran China, Japan und die USA – haben die Zeichen dagegen erkannt. Vor allem diesen drei Nationen ist es zu verdanken, dass die Fotovoltaik voriges Jahr global um ein Viertel auf 50 GW an Neuinstallationen gewachsen ist. Für dieses Jahr erwartet Körnig weiteren Zubau auf 60 bis 65 GW. Eine globale Spitzenstellung habe Deutschland nur noch bei der installierten Gesamtleistung an Solarstrom pro Kopf. Absolut gesehen aber hat China nun auch bei der Gesamtinstallation Deutschland auf Rang zwei verdrängt.

Großes Potenzial in Solarthermie – Warmwasser von der Sonne

Großes Potenzial liegt für den BSW hier zu Lande zudem bei der Solarthermie brach, also der Nutzung von Sonnenenergie für Heizung, Warmwasser sowie großindustriell als solare Fernwärme. Bei letzterem mache Dänemark mit Erzeugungskosten von unter fünf Cent je kWh vor, wie es gehe. Zumindest hätten nun in Deutschland erste Stadtwerke entsprechende Projekte angeleiert. Klar ist aber, dass der Solarenergie-Pionier Deutschland gerade links und rechts zügig überholt wird.

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