Solidaritätsaktion für die WMF-Beschäftigten Kette gegen Kahlschlag

Rund 2500 Menschen umzingeln das Werksgelände der WMF, Foto: Horst Rudel
Rund 2500 Menschen umzingeln das Werksgelände der WMF, Foto: Horst Rudel

Bei der WMF drohen Entlassungen. Am Stammsitz in Geislingen hat die Bevölkerung jetzt bei einem Aktionstag gezeigt, dass sie zu dem Traditionsunternehmen steht. Eine Menschenkette umzingelte das Unternehmen.

Region: Corinna Meinke (com)
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Geislingen - Bei einer der größten Protestaktionen in der Geislinger Geschichte sind 2500 Menschen gegen den geplanten Stellenabbau bei der WMF auf die Straße gegangen. Mit einer Menschenkette rund um das Areal des Traditionsunternehmens haben die Teilnehmer ihre Solidarität mit den Beschäftigten zum Ausdruck gebracht. Der WMF-Hauptaktionär, der US-Finanzinvestor Kohlberg Kravis Robert (KKR), hatte angekündigt, bei der WMF rund 700 Arbeitsplätze, davon allein rund 500 in Geislingen, zu streichen, um das wirtschaftlich gesunde Unternehmen mit einem 30-Millionen-Euro-Sparprogramm angeblich fit für den Weltmarkt zu machen.

Ein breites gesellschaftliches Bündnis aus WMF-Beschäftigten, der IG Metall, Politikern, Vertretern des Gemeinderats, der Verwaltung, der Kirchen, des türkischen Arbeitnehmervereins und vieler anderer Gruppierungen fordert vom WMF-Management eine Bestandsgarantie für das Geislinger Werk und ein Unternehmenskonzept, das nicht in erster Linie der Profitmaximierung, sondern einer nachhaltigen Beschäftigung dient. Weil mehrere Standorte der WMF-Töchter Silit und Kaiser von den Stellenstreichungen betroffen sind, waren große Abordnungen der dortigen Beschäftigten an den Stammsitz gekommen. Bereits am Vortag waren 600 Menschen in Riedlingen (Kreis Biberach) auf die Straße gegangen, um gegen die dort drohende Streichung von 100 Arbeitsplätzen zu demonstrieren.

Ein Viertel der Stellen in Geislingen ist in Gefahr

„Generationen von Mitarbeitern haben mit ihrer Arbeit den Kapitalstock geschaffen, der heute zum Spielball der Finanzinvestoren wird.“ Mit diesen Worten geißelte der IG Metall-Bevollmächtigte Bernd Rattay „den Turbokapitalismus KKR’scher Prägung“, der ein Viertel der 2000 Geislinger WMF-Stellen streichen und ganze Unternehmensteile wie das WMF-Herzstück Galvanik schließen wolle.

Bereits zur Kundgebung vor dem Haupttor der WMF hatten sich am Samstag rund 2000 Menschen versammelt. Rattay warnte vor den gesellschaftlichen Folgen des drohenden Stellenkahlschlags, der dem Geislinger Einzelhandel und der Steuerkraft im Kreis Göppingen schaden werde. Mit der geplanten Zerschlagung der Geislinger WMF-Logistiktochter Prolog und ihrer Verlagerung nach Dornstadt bei Ulm betreibe das neue WMF-Management unter dem Vorstandsvorsitzenden Peter Feld eine Umgehung der bisher geltenden Tarifverträge mit dem Ziel, künftig dort nur noch Billiglöhne zahlen zu müssen. „Wir brauchen aber gute Löhne, damit sich die Geislinger die hochwertigen WMF-Waren leisten können“, hielt Rattay dagegen.

Politiker sagen ihre Unterstützung zu

Der Betriebsrat Jürgen Peters forderte die WMF-Kleinaktionäre auf, zu denen viele aktive und ehemalige Mitarbeiter gehören, trotz des möglicherweise verlockenden Angebots der Finedining Capital, einer Fondsgesellschaft des US-Finanzivestors KKR, von 53 Euro pro Vorzugsaktie, jetzt keine Aktien zu verkaufen. Käme KKR in den Besitz von mehr als 75 Prozent der Vorzugsaktien, könnte sie die WMF von der Börse nehmen und sich damit der öffentlichen Kontrolle weiter entziehen.

Unterstützung erfuhren die Versammelten nicht zuletzt von den politischen Vertretern. „Wir lassen uns nicht gefallen, dass KKR unsere WMF als Spielzeug benutzt“, schimpfte der Geislinger SPD-Landtagsabgeordnete Sascha Binder und bezeichnete den geplanten Ausverkauf der WMF als „Operation am kerngesunden offenen Herzen“. Sein Kollege Matthias Fritz (Grüne) brachte das KKR-Geschäftsmodell auf den Nenner: „Filetieren, ausbeinen, verkaufen, wegwerfen“.




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