Solidaritätswelle für Hengst Hilfe für Capi sogar aus New York

Capi gilt als lernwilliges Pferd. Foto: privat
Capi gilt als lernwilliges Pferd. Foto: privat

Die Geschichte von Capi, dem geistig behinderten Pferd einer Plieningerin, hat in der Internetgemeinde hohe Wellen geschlagen. Mehr als 100 Unterstützer meldeten sich – auch von anderen Erdteilen. Es gab aber auch Kritik.

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Plieningen - Mit einer solchen Resonanz auf den Artikel „Paten für geistig behindertes Pferd gesucht“ hat Tina Recknagel aus Plieningen nicht gerechnet. Seit Mittwoch vergangener Woche hat sie mehr als 100 Unterstützer gefunden, selbst aus New York, China und Bulgarien meldeten sich Tierliebhaber, um ihr und ihrem behinderten Pferd Capi ehrenamtlich, finanziell und mit Sachspenden zu helfen. Wie berichtet, ist die Therapie teuer.

Positive und negative Reaktionen

In den sozialen Medien haben Nutzer den Artikel vielfach geteilt. Vor allem in einer Facebook-Gruppe von Reitern aus der Region hat der Hilferuf jedoch nicht nur positive Reaktionen hervorgerufen. „Zwei Damen hetzen und wollen das Projekt zerstören“, sagt Tina Recknagel. Diese Mitglieder der Gruppe werfen der Pferdebesitzerin vor, Capis Geschichte sei ein Betrugsfall. Sie haben ein erfolgreiches Sprungpferd mit gleichem Namen im Internet entdeckt. Eine Frau hat sogar dazu aufgefordert, alle Spenden zurückzuziehen. „Das ist charakterlos“, sagt Recknagel.

Wütend zeigte sich auch eine Freundin der Vorbesitzerin. Letztere will sich aufgrund einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit Tina Recknagel nicht gegenüber unserer Zeitung äußern. Nach Angaben der Freundin haben die beiden Capi im Internet entdeckt und einem Paar zum Schlachtpreis abgekauft. „Wir haben immer daran geglaubt, dass Capi gesund wird“, betont sie. Recknagel wiederum wirft der Vorbesitzerin vor, diese habe gewusst, dass das Pferd niemals reitbar sein würde.

Die Gerüchte, Capi sei gesund und bei Turnieren erfolgreich, streitet die Freundin der Vorbesitzerin ebenfalls ab. Im Gegenteil: Sie kenne das Pferd und könne verstehen, dass Recknagel die Kosten über den Kopf wachsen. „Ich hoffe, dass es für Capi gut ausgeht“, sagt sie, „schließlich geht es um ihn, und er braucht Hilfe“.

Ein Fachtierarzt widerspricht den Kritikern

Einige Vorwürfe in den sozialen Medien betreffen auch die Diagnose. Die Kritiker glauben nicht, dass Pferde überhaupt geistig behindert sein können. Peter Witzmann aus Leinfelden-Echterdingen, Fachtierarzt für Pferde, widerspricht: „Es gibt bei Pferden so gut wie alle Erkrankungen, die es auch bei uns Menschen gibt“, sagt er. Capi weist laut ärztlichen Untersuchungen eine Behinderung im Kleinhirn auf, welche zu gestörten Bewegungsabläufen führt. Die Symptome werden unter dem Begriff Ataxie zusammengefasst. Laut Witzmann können die Ursachen sehr vielfältig sein. „Wenn das Rückenmark in irgendeiner Weise gequetscht wird, kommt es bei Pferden zu ataktischem Verhalten“, sagt Witzmann. Zum einen könnte, wie bei Capi festgestellt, eine Kleinhirnerkrankung die Ursache sein. Allerdings komme auch eine Innenohrerkrankung oder eine Hirnhautentzündung in Frage. Ataxie kann auch aus einer Veränderung im Erbgut entstehen und an Nachkommen weitergegeben werden. Dies sei jedoch sehr selten. „Pferde mit einem solchen Genfehler werden nicht zur Zucht eingesetzt“, sagt Witzmann.

Im Fall von Capi leidet auch die Mutter an Ataxie. Doch da bei ihm das ataktische Verhalten erst nach ein einhalb Jahren eingetreten ist, kann eine vererbte Ataxie wahrscheinlich ausgeschlossen werden. Durch eine Magnetresonanztomographie (MRT) könnten die Ärzte klären, woher Capis Behinderung im Kleinhirn kommt.

Im E-Mail-Verteiler sind 119 Personen

Bisher hatte Tina Recknagel nicht genug Geld für die aufwendige Untersuchung. Die Ursache zu kennen, würde Capi aber nicht helfen, schreibt sie in ihrem E-Mail-Verteiler, der 119 Personen erreicht. „Ich will ihn nicht mit der Untersuchung quälen“, sagt seine Besitzerin.

Auch die Trainerin des Pferdes, Denise Kappler, ist um Capis Wohl bemüht. Ihr wurde in der Facebook-Gruppe vorgeworfen, sie tue mit der Therapie dem Pferd nichts Gutes. „Er möchte leben und ist so dankbar“, entgegnet Kappler, die seit 20 Jahren reitet. Sie übt mit ihm immer wieder normale Bewegungsabläufe, sodass sich diese in seinem Hirn verfestigen. Mit dem Fortschritt ist sie durchaus zufrieden: „Ich bin nicht davon ausgegangen, dass es so schnell geht.“ Sie habe noch nie ein Pferd trainiert, das sich so sehr bemühe wie Capi.

Auch Tina Recknagel wird weiterhin für Capi kämpfen. „Die lieben, ernst gemeinten Worte der Unterstützer tun sehr gut und bestärken mich weiterhin“, sagt die Frau aus Plieningen.




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