Auf der traditionsreichen Strecke rund um das Glemseck sollen alte Rennwagen fahren. Noch aber sind viele Fragen offen.

Leonberg - Der Mythos Solitude strahlt weit. Selbst aus Südafrika und den USA haben sich Besucher und Filmteams angekündigt, um am 23. und 24. Juli dabei zu sein, wenn nach einem fast halben Jahrhundert Pause wieder historische Rennwagen über den legendären Rundkurs im Glemswald zwischen Stuttgart und Leonberg (Kreis Böblingen) röhren - einen der Höhepunkte der Veranstaltungen zum 125-Jahr-Jubiläum des Automobils.

 

Doch an den Ruhm der vergangenen Tage, als die Besucher zu Hunderttausenden ans Glemseck und ins Mahdental gezogen sind, wird die Wiederauflage voraussichtlich nicht anknüpfen können. Noch gibt es viele ungelöste Probleme: Die Ordnungsämter der Städte Stuttgart und Leonberg haben ihr offizielles Plazet noch nicht gegeben. Die bei der gestrigen Pressekonferenz auf Schloss Solitude anwesende Stuttgarter Sozialbürgermeisterin Isabel Fezer kommentierte dies nicht. Doch dem Vernehmen nach liegt unter anderem die baurechtliche Prüfung einer Zuschauerzone unterhalb des Waldhotels Schatten noch zur Genehmigung im Stuttgarter Rathaus.

Aus Sicherheitsgründen wird der Zutritt limitiert

Doch selbst wenn das Plazet erteilt wird-auf einen Klassiker müssen die Motorsportfreunde auf jeden Fall verzichten: Das Daimler-Tochterunternehmen Mercedes-Benz-Klassik hat gestern auf Anfrage bestätigt, dass die legendären Silberpfeile "definitiv nicht" an dem Revival teilnehmen werden. Vor drei Jahren-bei einer Art Mini-Revival-rasten die Rennlegenden Stirling Moss und Hans Hermann mit den Silberpfeilen über den Kurs und haben damit Begeisterungsstürme am Streckenrand ausgelöst. Nun, für das richtige Revival, wird mit diesem Foto geworben. Doch warum die Silberpfeile an dem Rennen gar nicht teilnehmen, ist unklar. Das Unternehmen nannte gestern keine Gründe.

Unklar ist auch, wie viele Zuschauer bei der vielleicht einmaligen Streckenreanimation jubeln dürfen. Klar ist nur: aus Sicherheitsgründen wird der Zutritt in die Besucherzonen auf jeden Fall limitiert. In großer Dimension darf man ohnehin nur noch am Glemseck sowie unweit des Waldhotel Schatten an die Strecke. Der Veranstalter Karl-Ulrich Herrmann rechnet deshalb mit 20.000 Besuchern pro Tag.

Retro-Sportfans müssen gut zu Fuß sein

Auch der Glemswald wird an diesem Wochenende gesperrt. Die Genehmigungsbehörden sprechen ein generelles "Betretungsverbot" des Waldes aus, nur der Katzenbacher Hof und das Kulinarium dürfen ihre Gäste an die Strecke lassen.

Gut zu Fuß sein müssen die Retro-Motorsportfans ohnehin. Die einst geplanten Shuttlebusse gibt es nur noch vom Leonberger Bahnhof aus zum Glemseck. Die Besucherzone am Dreispitz war nicht genehmigungsfähig. Um an die große Wiese unterhalb des Waldhotels Schattens zu kommen, gibt es entlang der Magstadter Straße in Höhe der Parkseen einige Parkplätze - besser ist es aber vermutlich, ganz auf das Auto zu verzichten und von der S-Bahn-Haltestelle Universität zur Rennstrecke zu gehen.

Das Revival soll zur Legende werden

Nicht zuletzt der Streit mit dem ADAC ist ein Grund dafür, dass sich die rund 600 Oldtimer auf der Landesstraße zwischen dem Autobahnanschluss und dem Glemseck aufreihen müssen. Der ADAC will seine Verkehrsübungsanlage an der einstigen Zielgeraden nicht für das Fahrerlager hergeben. Deshalb müssten Hotel- und Gaststättenparkplätze an der Strecke ihre Parkplätze abgeben, sagen Bernd Schüppel und Horst Belling, die ehrenamtlichen Organisatoren des Vereins Solitude Revival.

Der Hauptverantwortliche Karl-Ulrich Herrmann, der mit seiner Oldtimer-PR-Agentur auch die Retro-Classics auf der Landesmesse und Edelveranstaltungen wie "Classic meets Barock" im Ludwigsburger Schloss organisiert, versichert, dass man sich um ein gutes Einvernehmen mit dem ADAC bemühe. Denn eines ist ihm besonders wichtig: das Revival soll zur Legende werden, nicht dessen Scheitern.

Ein kultiges Wochenende

Erinnerung: Bis zum Jahr 1965 war die Rennstrecke an der Solitude eine wahre Kultstätte für Motorsportliebhaber. Die Faszination alter Zeiten wollen die Veranstalter nun im Rahmen des Automobilsommers in Baden-Württemberg, der dem 125. Geburtstag des Automobils gewidmet ist, wieder aufleben lassen.

Eindruck: Vom 22. bis 24. Juli werden auf der Rennstrecke sowie den historischen Stätten wie etwa dem Glemseck mehr als 600 Fahrzeuge unterschiedlichster Bauart und Alters erwartet. Das Programm soll etwas vom Zauber der alten Rennen vermitteln–und den Blick auf die Autoantriebe der Zukunft ermöglichen.

Aktion: Offiziell wiedereröffnet wird der Solitudering am 23. Juli um 14 Uhr mit der großen Parade „125 Jahre Automobil“.

Das Programm und mehr Infos unter: www.solitude-revival.org