Sommerausstellung der Galerie Sonnenberg Lyrische Sternschnuppen im Abstrakten

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Die Stuttgarter Künstlerin Heidi Kucher ist die Protagonistin einer Ausstellung in der Galerie Sonnenberg in den Baumschulen M. Hörmann in Stuttgart-Sonnenberg. Wir haben uns vorab in den Kettenhäusern des Architekten Chen Kuen Lee umgeschaut.

Diese Paravents hat Heidi Kucher aus den Abschälungen einer Litfaßsäule geschaffen. Mehrschichtig und leuchtend wie die kompakten Platten sind auch ihre Gemälde. Foto: Privat
Diese Paravents hat Heidi Kucher aus den Abschälungen einer Litfaßsäule geschaffen. Mehrschichtig und leuchtend wie die kompakten Platten sind auch ihre Gemälde. Foto: Privat

Sonnenberg - Es geht vor allem um Schönheit, um eine reine Ästhektik. Und doch erzählen die Arbeiten von Heidi Kucher kleine Geschichten – in abstrakter Form und zugleich leicht zugänglich, offen für vielerlei Assoziationen. Von Samstag, 9. Juni, an zeigt die Galerie Sonnenberg in den Baumschulen M. Hörmann am Korinnaweg Ölbilder und Objekte der Stuttgarter Künstlerin. Der ungewöhnliche Ausstellungstitel „. . . und aus den Himmeln formen sich Lyriden zu Geschichten“ verweist auf den poetischen Aspekt der Arbeiten, die sich wie der gleichnamige Sternschnuppenstrom über die Räume in den Kettenhäusern des Architekten Chen Kuen Lee ergießen.

Sensibles Gespür für die Architektur

In Heidi Kucher, einer langjährigen Freundin der Galerie, hat Kurator Hans-Joachim Kraft eine ideale Partnerin für die diesjährige Sommerausstellung gefunden. „Sie hat ein sensibles Gespür für dieses Haus und dessen Architektur, das ja eine große Dominanz hat“, lobt er. Und wirklich scheinen die Gemälde und die Räume eine perfekte Einheit zu bilden.

Poetische Spurensuche

Die April-Lyriden, ein aus dem Sternbild Leier kommender Meteoritenstrom, dienten schon dem Lyriker Peter Rühm-korf als Anregung, der einen Zettelkasten mit Notizen so nannte. Kucher ist von Haus aus eine Malerin und keine Dichterin. Und doch sind bei ihr Texte und Buchstaben ebenso von Bedeutung wie die Farbgebung, obgleich sie auf Titel verzichtet. Ein großformatiges Gemälde im Hauptraum der Galerie zum Beispiel spielt mit dem Klang der französischen Sprache. Für die Freunde des Wortes bietet die gesamte Ausstellung viele Gelegenheiten, sich auf Spurensuche zu begeben: Gedichte von Sarah Kirsch und Rose Ausländer, Zitate aus Saint-Exupérys „Kleiner Prinz“ oder das zufällig entdeckte, eindrucksvolle Poem eines Unbekannten, das einst die Baustelle der Calwer Passage schmückte, lohnen einen genaueren Blick.

Die gebürtige Wienerin hat ihre Ausbildung bei K.R.H. Sonderborg und Georg-Karl Pfahler an der Stuttgarter Akademie absolviert. Sie begab sich früh auf die Suche nach der „absoluten Ästhetik in der reinen Malerei“, wie Kurator Kraft es nennt. Daneben bilden Abzüge von Polaroid-Fotos die Grundlage für stark reduzierte, abstrakte Arbeiten, die zusammen wie eine Mauer aus Bild und Text wirken.

Risse im Asphalt

Heidi Kucher geht mit offenen Augen durch das Land. Risse im Asphalt zum Beispiel haben sie zu einer Serie von Teerspuren angeregt, die schlichtweg schön sind. Linien kreisen um einen Kanaldeckel, ein Herbstblatt leuchtet inmitten von Schwarz-Weiß. Im Übrigen sind kräftige Farben ihr Markenzeichen. Hier dominiert das Blau, dort leuchtet ein warmes Gelb, das Wort „Rot“ erscheint in einem hellen, klaren Rot. „Es sind viele, viele Farbschichten, und durch die Aufbrüche bekommt alles seine Lebendigkeit“, begeistert sich Kraft.

Im Untergeschoss erwartet die Besucher ein langgestrecktes Tier in Blau. Es erinnert an archaische Höhlenmalereien. Oder handelt es sich um eine Maschine, ein Fahrzeug mit Rädern? Kuchers Kunst ist vieldeutig, man kann vor den Arbeiten lange verweilen. Dann wieder locken blasse, zugleich plastische Papierarbeiten in die selten genutzten Kellergänge, eine Höhle für sich.

Eine Litfaßsäule zeigt ihre Jahresringe

Ein Film dokumentiert die Entstehung einer Arbeit, die draußen vor der Galerie gezeigt wird. Es sind Paravents aus den Abschälungen einer Litfaßsäule. Sieben Jahre lang wurde Schicht auf Schicht Werbematerial aufgetragen. Die so entstandenen dicken, schweren Platten wurden mit der Motorsäge herausgesägt, von der Künstlerin bearbeitet und zu einer ansprechenden Gruppe zusammengefügt. „Wie die Jahresringe eines Baumes“, findet Kurator Kraft.

Jazzmusik Die Ausstellung „. . . und aus den Himmeln formen sich Lyriden zu Geschichten“ wird am Samstag, 9. Juni, um 19 Uhr eröffnet. Es spielt das Duo Art Of Ease, bestehend aus Christoph Beck, Saxofon, und Andreas Feith, Klavier. Die Schau in der Galerie Sonnenberg in den Baumschulen M. Hörmann, Korinnaweg 50A, ist bis zum 22. Juli samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

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