Nach der Fußball-Europameisterschaft ist vor den Festivals – wobei die Stuttgarter Fanzonen in diesem Jahr auch den Ablauf der 21. Ausgabe des Sommerfestivals der Kulturen beeinflussen. Das Weltmusik-Festival bei freiem Eintritt fand in den vergangenen Jahren immer von Dienstag bis Sonntag auf einer großen Bühne auf dem Stuttgarter Marktplatz statt. In diesem Jahr allerdings wird dort bis Mittwoch, 17. Juli, eine der vier Fußball-Fanzonen abgebaut. Erst am Mittwochabend kann deshalb das Forum der Kulturen damit beginnen, sein Festival aufzubauen – das in diesem Jahr am Freitag, 19. Juli, beginnt und bis Mittwoch, 24. Juli, dauert. „Unser Aufbau wird mit heißer Nadel gestrickt“, sagt Rolf Graser, der Geschäftsführer des veranstaltenden Forums der Kulturen. Deshalb habe man in Erwägung gezogen, das Sommerfestival nach hinten zu verschieben. Aber das ging wegen des Christopher Street Days am 27. Juli nicht – und danach beginnen die Sommerferien.
Bei den „BW-Sessions“ treten sechs hiesige Weltmusik-Bands auf
Andererseits hat die EM auch Vorteile für das Sommerfestival: Weil der Wochenmarkt ohnehin für vier Wochen vom Marktplatz auf die Königstraße verbannt gewesen ist, bleibt er dort noch eine weitere Woche lang. Die Folge: Zum ersten Mal müssen die Essens- und Infostände während des Festivals nicht ab- und dann wieder aufgebaut werden. Ohnehin lässt sich Rolf Graser von organisatorischem Unbill nicht aus der Ruhe bringen. Zwar betrachtet er jede einzelne internationale Festivalband als Höhepunkt, besonders freut sich der Festivalmacher jedoch auf die „kleine Leistungsschau aus Baden-Württemberg“ am Festivalsamstag: Bei den „BW-Sessions“ treten im Zeichen von Global Beats sechs hiesige Weltmusik-Bands auf, die eine Bürgerjury ausgewählt hat. Nach dem Konzert von El Flecha Negra im peruanischen Chicha-Sound bittet DJ AfroPunk noch per Kopfhörer zur Silent Disco. Bereits am Eröffnungstag am 19. Juli vereinen in Frankreich lebende Musiker mit nordafrikanischen Wurzeln arabische Klänge mit Psychedelic-Rock: Al-Qasar heißt die Band, die laut Programm „eine subversive Reise durch urbane Landschaften“ unternehmen will.
Interkulturelle Begegnung mit anderer geografischer Verortung präsentieren dann am Sonntag die Congo Cowboys, die der kongolesische Sänger Chris Bakalanga vor ein paar Jahren in Südafrika gegründet hat: Die Erzählweise von Americana, Bluegrass und Country trifft auf westafrikanische Rhythmik. Und am Montag, 22. Juli, konzertiert die Band Saigon Soul Revival auf dem Stuttgarter Marktplatz: Die Musiker aus Ho Chi Minh City spielen – auch auf traditionellen vietnamesischen Instrumenten – amerikanische Musik, die in den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Vietnam populär war, und transferieren sie selbstbewusst ins Hier und Jetzt. Als letzte der 16 Festivalbands spielt am Mittwoch, 24. Juli, das Boban Marković Orkestar energiegeladenen Balkan-Brass. Der namensgebende Trompeter aus Serbien stammt aus einer Roma-Musikerfamilie und hat als Weltmusik-Star mehrfach beim weltgrößten Trompetenfestival in Guca gewonnen.
Bands aus Vietnam und aus Südafrika
Daneben präsentiert das Sommerfestival der Kulturen auch in diesem Jahr sonntags traditionelle Tänze aus aller Welt – dargeboten von Stuttgarter Migrantenvereinen, die im Dachverband Forum der Kulturen versammelt sind, der im vorigen Jahr sein 25-jähriges Bestehen gefeiert hat. An zahlreichen internationalen Essensständen soll interkulturelle Begegnung kulinarisch erlebbar werden, und im Rathaus wird während des Sommerfestivals die Fotoausstellung „Migrantisches Engagement in Stuttgart heute“ gezeigt. Das Kinderprogramm wurde ausgeweitet – unter anderem erstmals mit einem kleinen Kinderkarussell auf dem Schillerplatz. Dass die Stuttgarter und ihre Gäste nach vier Wochen Europameisterschaft eine Fest- und Festivalpause benötigen würden, glaubt Rolf Graser nicht: „Im Gegenteil – das Sommerfestival bietet das Kontrastprogramm zu dem, was hier vier Wochen lang stattgefunden hat.“
Weitere Informationen unter: https://sommerfestival-der-kulturen.de/