Sommerkonzert auf der Esslinger Burg Revolverhelden treffen mitten ins Herz

Im stimmungsvollen Ambiente der Esslinger Burg waren die Fans der Pop-Rock-Band Revolverheld ihren Idolen ganz nah. Foto: Roberto Bulgrin

Die sommerliche Veranstaltungssaison auf der Esslinger Burg hat begonnen: Den Anfang machte am Freitagabend die Pop-Rock-Band Revolverheld, die folgenden Abende gehören dem Entertainer Helge Schneider und der Sängerin Katie Melua.

Ihre Texte sprechen vielen aus der Seele, ihre Songs werden im Radio rauf und runter gespielt. Die Pop-Rock-Formation Revolverheld zählt zum Besten, was die deutsche Musikszene zu bieten hat. Mehr als eine Million Alben hat die Hamburger Band verkauft, mit Gold und Platin wurden ihre Platten prämiert. Am stärksten wirken die Hits von Revolverheld jedoch, wenn Frontmann Johannes Strate und seine Jungs live auf der Bühne stehen. Dort spüren sie, dass sie mit ihrer Musik das Lebensgefühl ihrer Fans treffen, und das beflügelt die Künstler unverkennbar. Am Freitagabend hat die Band die sommerliche Konzertsaison auf der Esslinger Burg eröffnet. Im Gepäck hatten Revolverheld nicht nur das jüngste Album „Neu erzählen“, sondern auch viele jener Titel, mit denen die Band seit zwei Jahrzehnten den Nerv vieler Fans trifft.

 

Freundschaftlich verbunden

Ein lauschiger Sommerabend und gute Musik – so liebt das Publikum Konzerte auf der Esslinger Burg. Diesmal machte es das Wetter spannend: Tagsüber zeigte sich der Himmel meist trübe, die hochsommerlichen Temperaturen waren verflogen. Doch die Musiker ließen ihrem Publikum rasch warm ums Herz werden. Mit Jan Arne Büttner, dem Frontmann der Krefelder Band Fog Joggers, durfte ein Sänger das Publikum warmspielen, der Strate & Co. freundschaftlich verbunden ist. Ein halbes Stündchen lang gehörte ihm die Bühne, und viele hätten gerne mehr von seinen eingängigen Balladen gehört. „Aber man sieht sich ja immer zweimal im Leben“, versprach Büttner.

Dieser Abend gehörte jedoch den Revolverhelden. Wenn sie auf der Bühne stehen, fühlt es sich ein bisschen an wie ein Familienfest für Musiker und Fans: Man kennt sich, man schätzt sich, man wippt und schnippt im selben Takt und fühlt sich im Gleichklang der Gefühle aufs Angenehmste verbunden. Wenn etwa Johannes Strate in der zauberhaften Ballade „Wenn Du jetzt hier wärst“ von Sehnsucht und Liebe singt, wird das eine oder andere Tränchen im Augenwinkel verdrückt, weil die Musik das Herz berührt und weil man sich in jeder Zeile wiederfinden kann.

Vom Leben inspiriert

Wenn Johannes Strate, nur von Keyboarder Arne Bischoff begleitet, seinem Sohn Emil und damit allen Kindern dieser Welt eine Liebeserklärung macht, spürt man, dass Revolverheld ihre Musik und ihre Texte mit jeder Faser leben. Eigene Lebenserfahrungen fließen in die Songs ein und lassen sie authentisch wirken – ganz egal, ob die Band von großen Gefühlen erzählt, von unbeschwerten Studentenzeiten, oder ob sie sich in Titeln wie „Ich werd’ die Welt verändern“ von ihrer engagierten Seite zeigt. Das ist Balsam für die Seele und macht Mut, nicht nur im Mainstream mitzuschwimmen: Wie arm wäre die Welt ohne all die liebenswerten Spinner, die ihre eigenen Wege gehen?

Viele im Publikum haben die Songs von Revolverheld schon unzählige Male gehört – textsicher stimmen sie vor allem bei älteren Hits wie „Lass’ uns gehen“ ein. 22 Titel hatten Revolverheld diesmal im Gepäck, und ihr Fundus hätte noch viel mehr hergegeben. Johannes Strate, Niels Kristian Hansen, Kristoffer Hünecke und Jakob Sinn, der harte Kern von Revolverheld, kennen und schätzen einander seit einer halben Ewigkeit. Und man spürt, dass die Chemie nicht nur auf der Bühne stimmt, sondern auch in der Interaktion mit dem Publikum, das jeden Takt begeistert mitgeht.

Künstlergarderobe im Turm

Dazu passt, dass die Bühne zwischendurch in eine WG umgemodelt wird – ein paar Glückliche aus dem Publikum werden kurzerhand für einige Songs nach oben gebeten, schließlich wissen Strate und seine Jungs aus eigener Erfahrung, dass in einer guten WG immer was los ist. Und natürlich entfaltet auch die stimmungsvolle Kulisse der Esslinger Burg ihre Wirkung – wann darf eine Band schon mal den Turm einer mittelalterlichen Befestigungsanlage zur Künstlergarderobe machen? Johannes Strate plaudert zwischen den Songs über dies und jenes, sinniert über den Esslinger Wein und macht zwei Turmfalken zum Running Gag. Und wenn am Ende die Scheinwerfer ausgeknipst werden, klingt die Musik von Revolverheld bei vielen noch lange nach.

Drei Namen und sechs Alben

Der Weg
 2002 wurde die Band unter dem Namen Manga in Hamburg gegründet, kurzzeitig hieß sie Tsunamikiller, mit der Umbenennung in Revolverheld kam 2004 der Erfolg. Sechs Alben und zahlreiche Hits hat die Pop-Rock-Band inzwischen veröffentlicht.

Das Album
 Das jüngste Album der Band, das den Titel „Neu erzählen“ trägt, ist in Corona-Zeiten entstanden, soll jedoch ausdrücklich „kein Pandemie-Album“ sein, wie die Band versichert. „Und doch hat diese Zeit die Songs geprägt“, betonen Johannes Strate und seine Jungs. „Man hört ihnen an, dass sie das Ergebnis einer Zeit sind, in der alles anders war und sich wohl für immer verändert hat. In der wir alle mal einen oder vielleicht auch zwei Schritte zurückgetreten sind. Und in der wir raus aus dem Hamsterrad sind.“

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