Sommerserie „Auf die Plätze“: der Verkehrsübungsplatz in Asperg „Hier wird nicht gerast, sondern geübt“

Von Claudia Bell 

Es ist ein ganz spezieller Ort, der Verkehrsübungsplatz in Asperg. Selbst wenn viele Autos umherfahren, herrscht eine unglaubliche Ruhe.

Walter Armbruster sorgt dafür, dass sich auf dem Verkehrsübungsplatz des MSC alle an die Regeln halten. Foto: factum/Granville
Walter Armbruster sorgt dafür, dass sich auf dem Verkehrsübungsplatz des MSC alle an die Regeln halten. Foto: factum/Granville

Asperg - An der Einfahrt zum Verkehrsübungsplatz in Asperg steht ein kleines Häuschen. „Metallbau Frieß Obersulm Sülzbach“ steht in altertümlicher, gelber Schrift auf schwarzem Grund. Darunter hängen der Hinweis „Anmeldung in der Gaststätte“ sowie ein warnendes Schild: „Bei Nichtbeachtung kein Versicherungsschutz. Der Vorstand.“ Wer sich hier nicht ordentlich benimmt, der bekommt schon mal eine Verwarnung, und wer sich an gar nichts hält, der wird kurzerhand des Platzes verwiesen.

Gestrenger, aber gutmütiger Herrscher über diesen Ort ist Walter Armbruster. Seit sieben Jahren stemmt der 64-Jährige die Mammutaufgabe ehrenamtlich; jeden Tag außer montags kommt er hierher, um den übenden Fahrern die zehn Euro pro Stunde abzunehmen, weiße Fahrerlaubnisscheine auszustellen, die Fahrzeit von maximal zwei Stunden im Blick zu haben und darauf zu achten, dass auf dem Areal alles mit rechten Dingen zugeht.

„Wenn ich aus der Küche einen Pfiff höre, dann weiß ich, dass wieder einer zu schnell unterwegs war“, sagt Walter Armbrusters Frau Ursula. Sie kümmert sich seit 1996 um die Vereinsgaststätte des Motorsportclubs (MSC) Hohenasperg und ist ebenso wie ihr Mann ein echter Fuchs, wenn es um die Nutzer des Platzes geht. Nicht ein Fahrer entgeht ihren wachsamen Blicken, keine Temposünde oder kein Falschfahren bleiben unbemerkt. Wenn ihr Mann es nicht sieht, hat sie den Platz vom Küchenfenster der Wirtschaft aus im Blick. „Wenn keiner vorne im Häuschen sitzt, meinen manche, sie könnten hier umsonst umherfahren, aber da greifen wir ein“, erzählt die 68-Jährige.

Viele 16-Jährige kommen zum Üben

Auf den Übungsplatz des MSC dürfen alle ab 16 Jahren kommen, die einen betreuenden Mitfahrer neben sich sitzen haben. Dieser muss den Führerschein seit mindestens fünf Jahren besitzen, und er darf nicht mehr als einen Punkt auf dem Konto der Flensburger Verkehrssünderkartei haben. „Zu uns kommen hauptsächlich 16-Jährige, die schon mal für ihre Fahrstunden üben“, erzählt Walter Armbruster.

Aber auch ältere Damen, die das Fahren regelrecht wieder lernen müssten, nachdem ihre Männer jahrzehntelang das Steuer in der Hand hielten, gehörten zu den Besuchern. Fahrer, die mit einem neuen Auto von einer Getriebeart in die andere wechseln, nutzen den Platz ebenfalls. „Känguru-Benzin“ hätten fast alle, die hierher kämen, erzählt die Chefin, lacht und beschreibt die hüpfenden Fahrversuche der Gäste.

Ampeln und Spezialeffekte gibt es keine

Auf den knapp zwei Kilometer Fahrtstrecke gibt es keinen Gegenverkehr, zudem dürfen maximal 20 Autos gleichzeitig unterwegs sein. Stopp- und Vorfahrtsschilder wechseln sich ab mit weißen Pfeilen auf blauem Grund, in abgesteckten Buchten kann man das Einparken üben, und es gibt sogar eine Senke, in der man das Anfahren am Berg testen kann. Nur Ampeln gibt es auf dem Gelände keine, auch keine Sprühanlage oder ähnliche Effekte wie auf anderen Übungsplätzen der Region. Und bei Eis darf sowieso keiner fahren, dafür sorgt der Chef. „Da fahre ich erst mal mit dem Schlepper los, mache die Fahrbahn sauber und streue entsprechend, damit nichts passiert.“

Im Sommer braucht er den Schlepper, um die riesigen Rasenflächen zu mähen – aber auch schon mal, um kleinere Unregelmäßigkeiten auszubügeln. Einmal sei eine Frau mit ihrem BMW ins Kassiererhäuschen gerauscht. „Das war mindestens zehn Zentimeter verschoben, das musste ich erst mal wieder geraderücken“, erzählt Armbruster. Das sei aber auch der größte Vorfall gewesen, ansonsten ist es diesbezüglich eher ruhig auf dem Platz. Was nicht wundert, denn hier herrscht die Höchstgeschwindigkeitsgrenze von 30 Kilometern je Stunde. „Hier wird schließlich nicht gerast, sondern geübt“, sagen die Armbrusters.