Sommerserie: Chor Tonart in Ludwigsburg Höhen und Tiefen im Chor

Von Von Claudia Bell 

Derzeit proben die Sänger des Ludwigsburger Chors Tonart für ein großes Musicalprojekt. Dafür treffen sie sich einmal im Monat und studieren die Stücke ein. Allzu oft sollte dabei keiner fehlen.

Kai Müller gibt den Ton an – auch im Internet, wo die Chormitglieder die Stücke probehören können. Foto: factum/Granville
Kai Müller gibt den Ton an – auch im Internet, wo die Chormitglieder die Stücke probehören können. Foto: factum/Granville

Ludwigsburg - Der kleine, weiß gelockte Hund jault erbärmlich. Dabei hat es seine Besitzerin doch gut mit ihm gemeint, als sie ihn an diesem Nachmittag mit in die Chorprobe in der Karlskaserne in Ludwigsburg bringt. „Ich habe ihn noch nicht so lange, da dachte ich, ich bringe ihn mit, damit er nicht so alleine ist“, sagt die Chorsängerin – gönnt den Hundeöhrchen aber doch eine kleine Verschnaufpause und verlässt mit dem Tier den Probenraum.

Dabei ist es gar nicht die Lautstärke der etwa 40 Sänger, die den kleinen Hund in diesem Moment gestört hat. Eher waren es wohl die hohen Frequenzen und Tonlagen, die der Chorleiter Kai Müller beim Einsingen hauptsächlich von seinen Tenören und Sopranen einfordert. „Gutes Einsingen ist wichtig, damit die Stimmbänder warm werden und sich nachher niemand heiser singt“, sagt der erfahrene Chorleiter aus Fellbach im Rems-Murr-Kreis. Müller weiß, was er tut. Immerhin leitet der 46-Jährige seit vielen Jahren die Chorgemeinschaft Kai Müller mit sieben Chören etwa aus Ditzingen, Weil der Stadt, Untertürkheim und Fellbach. Tonart ist einer dieser Chöre und gewissermaßen ein Zusammenschluss von Menschen aus Müllers verschiedenen Gruppen.

Im Oktober gibt es ein Konzert in der Liederhalle

Zurzeit proben alle seine Ensembles für ein Musicalprojekt, das im Oktober in der Liederhalle Stuttgart aufgeführt werden soll. Dafür treffen sich die Tonart-Sänger ein Mal im Monat zu einer zweieinhalbstündigen Probe. „Vielen Leuten war die wöchentliche Probe zu viel, auch bei uns macht sich die Tendenz bemerkbar, dass die Menschen einfach zu viel Freizeitstress haben und diese vielen Termine nicht schaffen“, sagt Müller. Das Gute am Zusammenschluss der Chöre: Sobald bei einem Projekt ein Sängermangel herrscht, helfen immer andere Mitglieder aus anderen Ensembles aus.

Gleichwohl gibt auch die Vorsitzende Karin Willet-Darcis zu, dass die Mitgliederwerbung inzwischen zum täglichen Brot gehöre. „Wir machen schon sehr viel, um neue Sänger zu werben. Über das Internet geht bei uns sehr viel, auch die Mund-zu-Mund-Werbung bringt uns immer wieder neue Leute. Aber man muss eben auch immer dranbleiben.“ Mitmachen könne jeder, der gerne singe und sich für Musik begeistere. „Vorsingen muss hier keiner, aber wenn jemand dauerhaft mitmachen möchte, der darf sich mal unserem Stimmbildner sozusagen unter vier Ohren vorstellen, und dann sieht man schon einiges“, sagt der Chef.

Wer zu oft fehlt, darf nicht mit auftreten

Wer wie oft und wie regelmäßig zu den Terminen kommt, wird allerdings akribisch dokumentiert. Auf einzelnen Listen wird genau aufgeführt, wie oft ein Sänger bei den Proben gefehlt hat. „Bei maximal sechs Proben darf man fehlen. Wer häufiger nicht da war, darf beim Konzert auch nicht mitsingen“, erklärt Karin Willet-Darcis. Sie singt von Anfang an bei Tonart mit und schätzt vor allem das abwechslungsreiche Repertoire. „Wir singen geistliche Werke ebenso wie die 9. Sinfonie von Beethoven, Oratorien, Schlager, Musicals oder auch mal Werke für reinen Frauenchor“, sagt sie.

An dem Konzert im Oktober werden etwa 300 Menschen aktiv beteiligt sein, dazu gehören neben den Choristen auch das Orchester und die 13 Solisten, darunter vier Profis. „Wir singen keine Arrangements, sondern nur die Originalbesetzungen“, betont Müller. Zur besseren Einstudierung singen der Chorleiter und eine befreundete Sopranistin die einzelnen Stimmen auf Band und stellen diese für die Mitglieder im Internet bereit. Dort werden auch Termine angekündigt, beispielsweise Proben, Konzerte und die Reisen, die die Ensembles regelmäßig miteinander unternehmen. „Vor Kurzem waren wir in Rumänien, das war unglaublich toll“, schwärmt Müller. Bei den Reisen etwa nach Skandinavien, Frankreich, Albanien oder Italien würde der Zusammenhalt in den Chören wunderbar gefestigt. „Außerdem schauen wir immer auch, dass wir während der Reisen mindestens ein Konzert singen können“, sagt der Chorleiter. Im November geht es nach Moldawien, im kommenden Februar machen sich die Chöre auf nach Ostfriesland. Viel näher ist ein Auftritt von Tonart noch diesen Monat: Im Ludwigsburger Blühenden Barock.

Kostprobe im Blühenden Barock

Proben
Tonart Ludwigsburg besteht seit dem Jahr 1994. Geprobt wird jeweils an einem Samstagnachmittag im Monat. Jeder, der Interesse hat und musikalisch ist, kann mitsingen.

Auftritte
Tonart tritt am Sonntag, 17. September, um 14 Uhr auf der Bühne im Hahnschen Garten im Blühenden Barock Ludwigsburg auf. Das nächste große Konzert „Faszination Musical“ ist am Sonntag, 29. Oktober, um 18.00 Uhr im Beethovensaal der Liederhalle Stuttgart.

Kontakt
Mehr Informationen gibt es unter www.kai-mueller-choere.de