Sommerserie: Ungewöhnliche Urlaube Ohne die Hunde würde etwas fehlen

Von Kathrin Klette 

Viele junge Menschen unternehmen nach dem Abitur eine Weltreise. Die wenigsten aber gehen diesen Traum so an, wie Ferry Weikert aus Vaihingen an der Enz: Er radelt seit über einem Jahr um die Welt und übernachtet im Zelt.

Was für ein Ausblick: Lofthus am Hardangerfjord, der „Obstgarten Norwegens“. Mittendrin: Tschoona und Indi-Jana. Foto: privat 4 Bilder
Was für ein Ausblick: Lofthus am Hardangerfjord, der „Obstgarten Norwegens“. Mittendrin: Tschoona und Indi-Jana. Foto: privat

Sommerserie - Eine Reise durch Norwegen bis hinauf zu den Lofoten: Das bedeutet malerische Landschaften, Wiesen und Wälder, tosende Wasserfälle, mächtige Fjorde und Gletscher. „Es war schon immer mein Traum, zu den Lofoten zu fahren, um Wale zu beobachten“, verrät Brigitte Schmid. Vor zwei Jahren hat sie sich diesen Traum erfüllt und sich mit ihrem Mann auf eine zehnwöchige Reise mit dem Wohnwagen durch Skandinavien gemacht. Doch die beiden waren nicht allein: Mit ihnen auf Tour waren die beiden Samojeden (nordische Schlittenhunde) Tschoona und Indi-Jana. Das schränkt die Beinfreiheit in so einem Wohnwagen natürlich noch ein bisschen mehr ein. Trotzdem würde sie nie ohne Hund in den Urlaub fahren, erzählt Brigitte Schmid.

Die 64-jährige Stuttgarterin ist im Hundesportverein Höfingen Trainerin für Junghunde und für Obediance, also erweiterten Gehorsam, wie er für Turniere erforderlich ist. Solche Fachkenntnis ist sicherlich eine gute Voraussetzung für eine stressfreie Reise mit den Vierbeinern. Doch auch wer keine Hundetrainer-Ausbildung hat, kann mit seinen Lieblingen trotzdem viel Spaß auf Reisen haben, ist Brigitte Schmid überzeugt. Man sollte sich nur im Vorfeld ausreichend über alle wichtigen Dinge informieren.

Mitte April geht es los

In Skandinavien ist Brigitte Schmid schon häufiger gewesen und kannte sich schon aus. „So viel vorbereitet haben wir daher nicht, wir wollten einfach losfahren. Wir wussten aber auch nicht, wie gut wir vorankommen, deshalb konnten wir nichts im Voraus buchen.“ Mitte April ging es dann los. „Da hat man die Gewissheit, dass der Schnee größtenteils schon weg ist – auch wenn es uns am Ende doch noch erwischt hat. Aber es ist noch vor der großen Mückenplage.“

Vor den Schmids und ihren Hunden lagen also 13 000 Kilometer und viele Stunden Fahrt. „Etwa alle zwei bis drei Stunden muss man normalerweise anhalten, wenn man mit Hunden unterwegs ist. Aber das ist nicht schlimm, das tut den Menschen ja auch gut.“ Schwierig war da vielmehr der Leinenzwang in Norwegen. „Gerade in Nord-Norwegen lag noch viel Schnee, da konnten wir auf den Wanderrouten zum Teil gar nicht richtig gehen“, erinnert sich die Hundetrainerin. „So waren Tschoona und Indi-Jana oft nicht ganz ausgelastet.“ Immerhin ein Vorteil der ungewöhnlichen Reisezeit: „Auf den Campingplätzen waren wir oft die einzigen. Da konnten wir die Hunde dann doch mal laufen lassen.“ In Schweden sei das zum Glück weniger kompliziert – auch wenn man selbst hier immer gut auf seine Schätze aufpassen muss. „In den Wäldern sind noch Bären und Wölfe unterwegs.“

Und wie war es dann so, endlich auf den Lofoten anzukommen und die Wale zu beobachten? Da muss Brigitte Schmid ein bisschen mit den Augen rollen: „Es gab zwar Wale, aber davon habe ich leider nicht allzu viel mitbekommen, weil ich so seekrank war. Und dann war auch noch der Akku meiner Kamera alle“, erzählt sie, enttäuscht zwar, aber nicht ohne ein Augenzwinkern. Manchmal geht eben schief, was nur schiefgehen kann. „Zum Glück war auch ein niederländisches Paar mit dabei, die uns ihre Bilder hinterher zugeschickt haben.“ Und bekanntlich ist ja immer der Weg das Ziel. Und den möchte die 64-Jährige nicht missen. Wenn sie durch ihre vielen Urlaubsfotos blättert, kann sie von vielen schönen Erlebnissen berichten – von weiten Landschaften, wilder Natur und frischer, klarer Luft.

Viele schöne Erinnerungen

„Das waren natürlich 100 000 neue Eindrücke, die man gar nicht alle aufzählen kann“, schwärmt Brigitte Schmid. „Zum Beispiel waren wir mal an einem wunderschönen Campingplatz am Hardangerfjord, da sind gerade die Kirschblüten aufgegangen. Die Gegend ist auch als der ,Obstgarten Norwegens‘ bekannt.“ Dann denkt sie noch an den malerischen Blick auf die Häuser von Trondheim, wie sie sich im Wasser spiegeln. Was der Stuttgarterin auch besonders in Erinnerung geblieben ist, das sind die Brücken des Landes. „Das ist schon unglaublich, was die da bauen.“ Ihre beiden Hunde ließen sich von diesen ganzen Dingen eher weniger beeindrucken. „Dafür hatten wir einen Campingplatz etwa 100 Kilometer südlich vom Nordkap. Der ganze Strand dort war voller riesiger Königskrabben, das fanden die beiden natürlich ganz spannend.“

Zweifellos ist ein Urlaub mit Hunden immer mit gewissen Einschränkungen verbunden. „Aber ich weiß, worauf ich achten muss, so gibt es kein Problem. Es war für mich auch nie eine Option, zu sagen, ich möchte keine Hunde mehr“, sagt Brigitte Schmid bestimmt. „Wir haben es mal ein halbes Jahr ohne ausgehalten, aber dann hat uns doch etwas gefehlt. Im Urlaub ist das genau so. Ich bin es so gewohnt, sie zu streicheln, mit ihnen zu spielen, mit ihnen zu leben. Außerdem“, gibt sie dann noch zu, „bin ich eine faule Socke. Ohne die Hunde würde ich wohl gar nichts Richtiges unternehmen.“