Auch an den sonderpädagogischen Schulen im Kreis Ludwigsburg soll eine Ganztagsbetreuung angeboten werden. Foto: picture alliance / dpa
An den sonderpädagogischen Schulen im Landkreis Ludwigsburg soll ein Ganztagsangebot eingeführt werden. Nicht nur die Höhe der Gebühr ist für viele Betroffene nicht nachvollziehbar.
Zum zweiten Mal in kurzer Zeit fühlen sich Eltern von Kindern mit Behinderungen vom Landkreis Ludwigsburg im Stich gelassen. Gerade erst hatte sich der Frust über die Kosten für den Schülertransport etwas gelegt, da steht der nächste Gebührenschock bevor. Diesmal geht es um die Ganztagsbetreuung an den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ). Die Umsetzung stößt auf massive Kritik – laut den Elternbeiräten werden sich viele Familien den Ganztag nicht leisten können.
Eigentlich will der Landkreis den Familien helfen und vom kommenden Schuljahr an erstmals ein Ganztagsangebot schaffen. Derzeit arbeitet das Kreishaus daran, den Rechtsanspruch auch für Grundschüler mit geistigen und körperlichen Behinderungen im Kreis Ludwigsburg umzusetzen. Der Landkreis, in dessen Trägerschaft sich die SBBZ befinden, plant ein Pilotprojekt in Ludwigsburg.
Pilotprojekt startet im September
In den Räumen der Schule am Favoritepark soll, in Zusammenarbeit mit der Fröbelschule, das Ganztagesangebot Mitte September eingeführt werden. Betreut werden sollen die Schüler von Fachkräften, die der Ludwigsburger Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes koordiniert. Sie übernehmen nach dem Unterricht bis 16 Uhr – aber nur an zwei Tagen in der Woche, was einem Umfang von 6,5 Stunden entspricht.
Abgedeckt werden auch die Ferien, in denen die Kinder an fünf Tagen von 8 bis 16 Uhr betreut werden. Ausgenommen seien 20 Schließtage pro Jahr, heißt es in einer Sitzungsvorlage. Für den Start plant die Verwaltung mit einer kleinen Gruppe von sechs Schülern.
Landkreis verweist auf angespannte Haushaltslage
Doch nicht nur der geringe Zeitumfang erzeugt bei vielen Unmut. Pro Monat sieht die Satzung eine Gebühr von 982 Euro pro Kind vor. Die Elternbeiträge sollen kostendeckend sein. Zur Begründung verweist die Verwaltung auf die „sehr angespannte Haushaltslage des Landkreises“.
Christian Dietz, Elternbeiratsvorsitzender der Schule am Favoritepark, ist dabei, sich einen Überblick über die Pläne zu schaffen. „Wohl wissend, dass die Betreuung unserer Kinder grundsätzlich kostenintensiver ist als in anderen Schulformen, erscheint mir die Gebühr unfassbar hoch“, sagt er. Die Höhe sei für viele Familien eine Katastrophe und vermutlich nur für einen sehr kleinen Teil der Elternschaft zu stemmen. „Leider liegen mir keine Details vor, wie sich die knapp 1000 Euro zusammensetzen – auf den ersten Blick klingt es nach einem Abwehrangebot“, sagt er.
Anna Scheper aus Ludwigsburg hatte sich darauf eingestellt, das Ganztagsangebot für ihren sechsjährigen Sohn in Anspruch zu nehmen. Ihr jüngstes Kind wird im September eingeschult. „Ich bräuchte eine Betreuung bis 15 Uhr“, sagt sie. Der allgemeine Bedarf an solcher Betreuung sei definitiv da, vor allem nachdem die Unterrichtszeit wegen Personalmangels gekürzt worden sei. Eigentlich war ein Unterricht bis 15 Uhr vorgesehen.
Das jetzt vorgestellte Konzept sei für sie nicht nachvollziehbar. Eine Betreuung an nur zwei Tagen die Woche reiche nicht aus. Und: „Im Verhältnis zu den Beiträgen an Regelschulen gesehen ist die Gebühr zu hoch“, meint sie.
Schade findet es die zweifache Mutter auch, dass es keine separat buchbare Ferienbetreuung gibt. „So etwas fehlt besonders, weil für Kinder mit Behinderungen sonst kaum solche Angebote verfügbar sind“, betont sie.
Auch Friederike Weiß, Mitglied im Elternbeiratsvorstand der August-Hermann-Werner-Schule in Markgröningen, zeigt sich schockiert über die Höhe der Gebühr. Die finanziellen Belastungen für Familien mit Kindern mit Behinderung seien ohnehin hoch. Sie geht ebenfalls davon aus, dass sich nicht viele Eltern das neue Angebot leisten können. Dabei sei eine Entlastung für solche Familien angebracht. „Besonders in den Ferien wäre eine Betreuungsmöglichkeit wichtig“, sagt Weiß.
Die Benutzungs- und Gebührensatzung wurde vom Schulausschuss in der vergangenen Woche mehrheitlich abgesegnet. Allerdings muss der Kreistag in seiner Sitzung am 24. April final darüber beschließen.
Angebot soll auf andere Standorte ausgeweitet werden
Das Angebot soll nach einiger Zeit ausgewertet und auf Basis der gesammelten Erfahrungen für alle SBBZ im Kreis weiterentwickelt werden. Mit dem Ende der Bauarbeiten an der Schule Gröninger Weg und Paul-Aldinger-Schule stünden dann auch in Bietigheim-Bissingen und Steinheim Räume zur Verfügung. Die Verwaltung kalkuliert, dass mittelfristig für rund 20 Prozent aller Schüler Bedarf besteht. Bei der Ausweitung soll die Höhe der Gebühren überprüft werden.
Für die Eltern ist es der zweite finanzielle Schlag innerhalb eines Jahres. Im vergangenen Jahr wurde beschlossen, dass sich Eltern von Kindern mit geistigen und körperlichen Behinderungen an den Kosten des Schülertransports beteiligen müssen. Zuvor waren sie von dem Kostenanteil befreit worden. Nun müssen auch sie pro Kind jährlich 473 Euro beisteuern.