Lue Bason, Popsänger aus der Ukraine, ist durch Zufall in Stuttgart gelandet – und hat hier ein neues Zuhause gefunden. Bei der „Stunde der Vielfalt“ des Weindorfs stellt der 28-Jährige am Rathaus seine neuen Songs vor – erstmals nach seiner Flucht.

Lokales: Uwe Bogen (ubo)

Der Krieg in seiner Heimat Ukraine hat dafür gesorgt, dass der Popsänger Lue Bason, einst beim Vorentscheid für den Eurovision Song Contest dabei, Mitte Juli in Stuttgart gestrandet ist. „Eigentlich wollte ich schnell nach London weiterziehen“, sagt der 28-Jährige, der mit seiner Band Cloudless auf einer Benefiztour für die Ukraine in Europa unterwegs war. Mit seinen Musikerkollegen hat er sich dann aber verkracht und sich von ihnen getrennt. Durch einen Zufall besuchte er einen Bekannten in Stuttgart – und blieb.

„So viel Unterstützung“ habe er hier erfahren, dass Stuttgart sein „neues Zuhause“ ist. Am kommenden Montag, 18 Uhr, gibt der Sänger, der zur Jury des CSD gehörte, sein erstes Live-Konzert nach seiner Flucht. Bei der „Stunde der Vielfalt“ des Weindorfs präsentiert er auf der Rathaustreppe auch einen Song, der in Stuttgart entstanden ist – den Titel „Star“, den der 28-Jährige am Donnerstag bei dem Pianisten und Musikproduzenten Hannes Opferkuch im Stuttgarter Osten eingespielt hat. Ihn hat er über Jens Zimmermann, Vorstandsmitglied des Weindorf-Vereins Pro Stuttgart, kennengelernt.

„Wir alle sind Stars auf unsere eine Art“

In „Star“ geht es um Selbstzweifel und die Suche nach dem Sinn des Lebens. „Wir alle haben ein Ziel, und wir sind alle Stars auf unsere eine Art, aber manchmal brauchen wir jemanden, der uns daran erinnert“, beschreibt Lue seinen Song. Sein Lied handelt davon, verloren zu sein und nicht zu wissen, wohin es als nächstes gehen soll, nicht zu wissen, was vor einem liegt. „Manchmal gibt es Momente, in denen wir aufgeben wollen, weil das Leben schwierig wird, aber Aufgeben ist keine Option“, findet er. Im russischen Angriffskrieg ist für die Ukraine das Aufgeben auch keine Option. Manchmal sei es gut, fährt Lue Bason fort, auf den richtigen Moment zu warten, „um zu handeln und Entscheidungen zu treffen“.

Auch VfB-Vorstandschef Alexander Wehrle kommt

Ein Weg zurück in die Ukraine war kein Thema für ihn. Er wäre in seinem Alter sofort in die Armee eingezogen und in den Krieg geschickt worden. In Stuttgart fand er im Weindorf-Mann Jens Zimmermann einen Förderer. Bei der „Stunde der Vielfalt“, mittlerweile eine Tradition beim Stuttgarter Weindorf, feiert „Star“ seine Songpremiere. Mit Bason treten vor dem Rathaus der Sänger Damiano Maiolini sowie die Artisten Andalousi und Katrin Padovani bei freiem Eintritt auf. Moderator Zimmermann freut sich außerdem über die Zusage des VfB-Vorstandsvorsitzenden Alexander Wehrle. Der Schirmherr des „Lebenslaufs“ zugunsten von Geflüchteten aus der Regenbogen-Community am 18. September (organisiert vom queeren Sportverein Abseitz), wird zum Thema Vielfalt und Akzeptanz im Fußball sprechen und beleuchten, wie weit hier der VfB im Besonderen und der Fußball im Allgemeinen ist.