Songs aus dem eigenen Tonstudio Sindelfinger Rapper versüßen den Montag

Von Carolin Klinger 

Sieben junge Künstler haben in der Sindelfinger Innenstadt mit den Nin-Studios ein eigenes Tonstudio gegründet und wollen anderen Musikern einen Raum für kreative Ideen bieten. Mit ihrem Song #Montag bringen sie Farbe in graue Tage.

Norman und Cheyenne Scarinci,, Joel und Leon Bhatti, Yasin Mutlu, Charleen Hurdle und Chris Scarinci arbeiten gemeinsam in den Nin-Studios. Foto: factum/Weise
Norman und Cheyenne Scarinci,, Joel und Leon Bhatti, Yasin Mutlu, Charleen Hurdle und Chris Scarinci arbeiten gemeinsam in den Nin-Studios. Foto: factum/Weise

Sindelfingen - Die Botschaft ist klar: „Es ist Montag, keine Panik, auch dieser Tag ist einzigartig“, rappt Yasin Mutlu. Er und seine sechs Kollegen haben es sich mit ihrem neuen Song #Montag zur Aufgabe gemacht, das Image des ersten Wochentages aufzupolieren. „Wir sind keine Rapper, die Leute beleidigen – wir wollen gute Laune verbreiten“, bringt es der 31-jährige Norman Scarinci auf den Punkt.

Passend zum Gute-Laune-Sound sind die Musiker extra für 24 Stunden nach Mallorca geflogen, um dort das Video zu drehen – „natürlich an einem Montag“, erzählt Cheyenne Scarinci, die jüngere Schwester von Norman. Die 22-jährige Sängerin rundet mit dem eingängigen Refrain den fröhlichen Song ab. Doch egal, ob man an einem Montag dem Alltag entflieht, oder sich mit den Menschen umgibt, die man schätzt – die Musiker wollen zeigen, dass es darauf ankommt, was man aus jedem einzelnen Tag macht. Dabei gehen sie selbst mit gutem Beispiel voran – indem sie das machen, was ihnen Spaß macht, gemeinsam mit ihren Freunden.

Aus diesem Grund hat der 27-jährige Yasin Mutlu vor sechs Jahren die Nin-Studios gegründet. Das japanische Wort Nin steht für Mensch und damit will Mutlu, der türkische Wurzeln hat, eine Botschaft vermitteln: „Wir sind alle Menschen – das ist wichtiger, als die Nationalität. Die Welt wurde nicht mit Grenzen erschaffen.“

Mitten in der Sindelfinger Innenstadt gelegen, ist das Tonstudio schwer zu finden, denn kein Schild weist darauf hin. Hat man es gefunden, erblickt man in dem 20 Quadratmeter großen Raum mit den schwarz gestrichenen Wänden zwei Schreibtische, ein Sofa und den Aufnahmeraum, den der gelernte Modellbauer Mutlu mühevoll selbst gebaut hat.

Neuanfang – mit professioneller Musik aus dem eigenen Studio

Dort versuchte er zunächst, mit einer anderen Hip-Hop-Gruppe in der Szene Fuß zu fassen. Doch nach einer Weile trennte sich die Gruppe. Vor zwei Jahren dann wagte Mutlu den Neuanfang. „Bisher hatte ich hobbymäßig Musik gemacht, doch jetzt wollte ich es professionell angehen“, erklärt er. Sein erster Partner in den Nin-Studios wurde Norman Scarinci, mit dem er unter den Künstlernamen Sin und Scan auftritt. Zu ihrem ersten Auftritt kamen auch Normans Geschwister Cheyenne und Chris Scarinci, die Brüder Leon und Joel Bhatti und Charleen Hurdle.

Sie alle kennen sich von Kindesbeinen an, haben in der Vergangenheit bereits in unterschiedlichen Konstellationen gemeinsam Musik gemacht – und bei dem Auftritt sprang der Funke wieder über. „Wir wollten wieder zusammen Musik machen – aber dieses Mal richtig“, erinnert sich Cheyenne Scarinci. Seitdem arbeiten die sieben Künstler mal gemeinsam, mal solo – oder mit anderen Künstlern zusammen. Wichtig sei, dass man sich gegenseitig Freiheiten lasse und auf einer Wellenlänge schwimme, sagt Mutlu. Jeder von ihnen schreibe seine Lieder selbst, doch oft entstehen die Texte zu einem Beat gemeinsam. „Wir hören uns den Beat an und haben dazu Bilder im Kopf“, sagt Cheyenne Scarinci. „Oft sind die verrücktesten Ideen die besten.“ Wenn die sieben Musiker, die sich als große Familie verstehen, gemeinsam auftreten, rufen die Fans inzwischen nach der „Fam Gang“. „Das ist ein Spitzname, den wir gerne annehmen“, sagt Norman Scarinci.

Wunsch nach mehr Unterstützung für Musiker in Sindelfingen

Ihrer Heimatstadt Sindelfingen wollen die Rapper treu bleiben. „Viele haben uns gesagt, dass wir nach Berlin müssen, wenn wir professionell Musik machen wollen“, erzählt Mutlu, der zu 50 Prozent als Stadttechniker beim Amt für Kultur arbeitet. Doch auch wenn sich die Musiker mehr Unterstützung von der Stadt wünschen würden, fühlen sie sich hier wohl. „Wir wollen nicht von Sindelfingen in die Welt, sondern die Welt nach Sindelfingen bringen“, sagt Mutlu. Er wolle seinen Teil dazu beitragen, dass junge Musiker künftig ihren Raum finden, um sich kreativ ausleben zu können. Denn wie es schon in dem Song #Montag heißt: „Es kommt nur darauf an, was du daraus machst.“