In fast allen Ländern gilt heute der gregorianische Kalender. Religiöse Kalendarien haben vor allem im Islam oder Judentum weiterhin großen Einfluss.

Wochenend-Magazin: Markus Brauer (mb)

Stuttgart - Der rechte Umgang mit der Zeit gehört zur Kunst des Lebens. Doch wäre dieses Leben ohne Uhr und Kalender. Ob als gedrucktes, bebildertes oder elektronisches Kalendarium – ohne Falt-, Wand-, Tisch-, Schmuck-, Foto-, Aufstell- und digitalen Kalender geht nichts in der modernen Zeit der Beschleunigung, in der jede Minute kostbar ist wie Bares.

Wir stellen einige der wichtigsten Kalendersystem vor, die sich an den Mondphasen (Lunarkalender), am Sonnenjahr (Lunarkalender oder an beiden (Lunisolarkalender) orientieren:

Julianischer Kalender

Dieser Solarkalender wurde 45 v. Chr. von dem Staatsmann und Feldherrn Gaius Julius Caesar im gesamten Römischen Reich eingeführt. Er bestand aus zwölf Monaten mit je 30 oder 31 Tagen sowie einem Monat mit 28 Tagen – durchschnittlich 365,25 Tagen. Zum ersten Mal wurde eine periodische Schaltjahresregel eingeführt. Jedes vierte Schaltjahr war damit ein Schaltjahr. Seit dem 16. Jahrhundert ist er schrittweise durch den gregorianischen Kalender abgelöst worden.

Gregorianischer Kalender

Dieser nach Papst Gregor XIII. benannte gregorianischen Kalender wurde 1582 mit der päpstlichen Bulle „Inter gravissimas“ in der gesamten katholischen Kirche verordnet. Ihm liegt eine durchschnittliche Jahreslänge von 365,2425 Tagen zugrunde.

Da der julianische Kalender aufgrund des Schaltjahres auf lange Sicht nicht exakt dem Sonnenjahr entsprach, entfernte sich die Zeitrechnung immer weiter von der Realität. Ende des 16. Jahrhunderts hinkte der julianische Kalender im Verhältnis zum 4. Jahrhundert bereits dem Jahreslauf der Sonne hinterher. Um dieses Dilemma zu lösen wurden einfach zehn Kalendertage ersatzlos gestrichen. In den folgenden Jahrhunderten löste gregorianische Kalender sowohl den julianischen wie auch viele andere Systeme ab. Als letztes Land der Welt führte ihn China 1949 ein.

Jüdischer Kalender

Auch wenn sich die Juden im Alltag nach dem gregorianischen Kalender richten, ist vor allem für Gläubige der jüdische Kalender maßgeblich. Er ist ein Lunisolarkalender, der im Jahr 3761 v. Chr. mit der Zählung beginnt – dem nach der hebräischen Bibel berechneten Zeitpunkt der Schöpfung der Welt – und sich in Jahre, Monate und Tage gliedert.

Wie bei jedem Mondkalender orientiert er sich an den zwölf Mond-Monaten (354 Tage). Neben dem Normaljahr gibt es Schaltjahre mit 13 Mondmonaten (384 Tage lang), um die Zeitberechnungen an das Sonnenjahr anzugleichen. Er beruht auf den wichtigsten Heilsereignissen in der Geschichte des jüdischen Volkes und wird heute vornehmlich für religiöse zwecke genutzt. Das jüdische Neujahr beginnt im Herbst mit ersten Tag des siebten Monats (Tischri), in dem nach jüdischem Glauben Gott die Menschheit erschaffen hat. wurde.

Der Nisan (Beginn Mitte März/April) ist der erste Monat des Kalenders, der Monat der Erlösung, in dem das Volk Israel unter Moses aus Ägypten auszog. Der Unabhängigkeitstag, an dem die Gründung des Staates Israel am 14. Mai 1948 gefeiert wird, fiel 2017 auf den 5. Tag des 8. Monats (Ijjar) im Jahr 5708 des jüdischen Kalenders.

Islam, China, Maya

Islamischer Kalender

Auch in den islamischen Ländern wird das Jahr nach dem gregorianischen, dem weltweit meistgenutzten Kalender berechnet. Der islamische Kalender, der ein reiner Mondkalender ist, wird nur noch für religiöse Zwecke benutzt. Mit seiner Hilfe bestimmen Muslime die Daten religiöser Festzeiten wie Ramadan. Die Kalenderjahre bestehen aus zwölf Mondmonaten zu 29 oder 30 Tagen. Sie sind durchschnittlich 354,3 Tage lang – also circa elf Tage kürzer als die etwa 365,25 Tage umfassenden Sonnenjahre der christlichen Zeitrechnung.

Die islamische Zeitrechnung beginnt mit der Flucht des Propheten Mohammed von Mekka nach Medina (Hidschra) – 622 nach dem gregorianischen Kalender. Der muslimische Fastenmonat Ramadan und die übrigen elf Mondmonate in vielen islamischen Ländern an dem Tag, an dessen Abend erstmals nach Neumond die Mondsichel von einer religiösen Autoritätsperson beobachtet wird.

Chinesischer Kalender

Der chinesische Kalender war der offizielle Kalender des Kaiserreichs China, das nach 2132 Jahren am 1. Januar 1912 mit der Ausrufung der Republik endete. Er vereint Lunisolarkalender und Sonnenkalender miteinander und wird von Chinesen in aller Welt aber nur noch für die Berechnung traditioneller chinesischer Feiertage, wie des Neujahrsfestes Chunjie (2017 am 28. Januar gefeiert), des Frühlings-, Drachenboot- oder Mondfestes verwendet.

Anhängern der chinesischen Astrologie dient er als Berechnungsgrundlage für die Festlegung günstiger und ungünstiger Tage. Jedem Jahr wird eines von zwölf Tierzeichen sowie ein Element aus der Fünf-Elemente-Lehre (Holz, Feuer, Erde, Metall, Wasser) zugeordnet, so dass sich ein Zeitkreis insgesamt 60 Jahre dauert. 2017 ist demnach das Jahr des Feuerhahns.

Maya Kalender

Andere, historische Kalender beruhen auf astronomischen Berechnungen. So orientierte sich der Kalender der alten Ägypter am Stern Sirius, dem südlichsten sichtbaren Himmelsobjekt am Winterhimmel.

Auch das Kalendersystem der mesoamerikanischen Maya, basiert auf der Beobachtung der Sterne. Die Maya hatten gleich drei verschiedene Kalender, die sie für rituelle, alltägliche und historiografische Zwecke parallel nutzten und die auf einem Zwanzigerstem basierten.

Der Tzolkin-Kalender wurde für religiöse Zeremonien und Wahrsagerei genutzt und umfasste 260 Tage. Der zivile Haab-Kalender teilte das Sonnenjahr in 18 Monate mit je 20 Tagen. Hinzu kamen fünf namenlose Tage, so dass Haab 365 Tage umfasste.

Der dritte Kalender bestand aus einer sogenannten Langen Zählung. Er diente für astronomische Berechnungen und die Aufzeichnung geschichtlicher Epochen. Die Lange Zählung begann mit einem Tag, der nach dem gregorianischen Kalender dem 13. August 3114 v. Chr. entspricht.

Andere Kalender

Neben diesen Kalendern gibt es hunderte weitere an Sonne, Mond oder beiden orientierten Systeme zur Berechnung der Zeit wie dem sowjetischen Revolutionskalender (von 1929 bis 1940 in der Sowjetunion in Gebrauch), dem Französischen Revolutionskalender (der offiziell von 1792 bis 1805 galt und mit dem 15. Juli 1789, der Erstürmung der Bastille, begann), dem zoroastrischen Kalender (ein Sonnenkalender, der von den Parsen, einer aus Persien stammende ethnisch-religiöse Gruppe, verwendet wird) oder dem koptischen Kalender (der bis heute von der koptisch-orthodoxen Kirche verwendet wird und auf dem altägyptischen Sternenkalender beruht).