Kaum einer weiß, dass Johanna Läpple vor 55 Jahren die Sonnenberg-Klinik in Stuttgart gegründet hat, noch dass diese in Deutschland die erste Klinik für seelisch kranke Menschen gewesen ist. Eine Ärztin hat recherchiert, und sie hat eine Idee.

Stadtleben und Stadtkultur : Alexandra Kratz (atz)

Johanna Läpple ist in Stuttgart kaum bekannt. Dabei hat sie Großes geleistet. Ihrem Engagement ist es zu verdanken, dass im Oktober 1967 – vor 55 Jahren – die Sonnenberg-Klinik eröffnet wurde. Es war die erste Privatklinik für seelisch kranke Menschen in Deutschland. Das Projekt war von Anfang an ein Erfolg. Die 104 Betten, die es zu Beginn gab, waren bereits nach sechs Wochen komplett belegt.

Gerlinde Reich ist seit 2018 Ärztin an der Sonnenberg-Klinik. „Von Beginn an habe ich mich gefragt, warum Johanna Läpple hier so wenig präsent ist“, sagt die Medizinerin. Sie hat sich auf Spurensuche begeben und wurde vor allem in Weissach-Flacht fündig. Dort leben einige Verwandte von Johanna Läpple, die für Gerlinde Reich alte Fotos und Geschichten herauskramten. Sie beschreiben die Gründerin der Sonnenberg-Klinik als warmherzig, selbstlos, zielstrebig, charismatisch und pragmatisch.

Johanna Läpple wurde am 21. Oktober 1904 in Würzburg geboren. Sie studierte Psychologie und promovierte. Im März 1940 heiratete sie Ernst Friedrich Läpple, Oberregierungsrat in München. Das Ehepaar zog nach Württemberg, und 1958 wurde in Stuttgart der Verein Haus für Neurosekrankegegründet, Johanna Läpple war die Vorsitzende. „Bereits damals hatte sie die Idee, in Stuttgart eine Klinik für Neurosekranke zu bauen. Ihre Motivation hierzu kam aus der Erfahrung, dass nicht alle mit Psychotherapie behandelbare Patienten auch ambulant behandelt werden können, und aus der Idee, dass Patienten in einer solchen Klinik ungestört von äußeren Einflüssen und Verpflichtungen Gelegenheit zur Innenschau erhalten würden“, sagt Gerlinde Reich.

Eine Staffel soll nach Johanna Läpple benannt werden

Johanna Läpple und ihre Mitstreiter besichtigen Bauplätze und stellen 1960 ihr Konzept für eine Neuroseklinik beim damaligen Innen- und Gesundheitsminister Hans Filbinger vor. Im Oktober 1966 wird auf einem ehemaligen Steinbruch-Gelände an der Christian-Belser-Straße zum Richtfest geladen, und ein Jahr später wird die für knapp sieben Millionen D-Mark gebaute Klinik eröffnet. Noch im gleichen Jahr erhält Johanna Läpple das Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik, zwei Jahre später zudem das Ehrenzeichen der deutschen Ärzteschaft. Johanna Läpple gründete noch weitere Institute. Sie stirbt im Alter von nur 71 Jahren im Mai 1976.

Gerlinde Reich möchte gern an Johanna Läpple erinnern, ihr Engagement würdigen. Darum hat sie der Stadtverwaltung vorgeschlagen, eine bisher namenlose Staffel am westlichen Ende der Anna-Peters-Straße nach der Gründerin der Sonnenberg-Klinik zu benennen. Mehrere Stellen hat sie mit ihrem Anliegen bereits kontaktiert, zuletzt vom Haupt- und Personalamt aber eine Absage bekommen. Die Begründung: zu kompliziert und zu teuer, da Adressen geändert werden müssten. Gerlinde Reich hält dagegen: In Stuttgart gebe es bereits Beispiele, wo eine Staffel lediglich einen Namen erhalten habe. Unter dem Straßenschild befinde sich dann ein Hinweis, auf die sehr wenigen Adressen, zu denen diese Staffel führe. Von der Stadt war dazu bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu bekommen.