Sonnenberg-Verein „Das Thema Infrastruktur ist uns besonders wichtig“
Das Ladensterben an der Laustraße treibt den Sonnenberg-Verein um. Der neue Vorstand und eine neue Initiative suchen nach einer Lösung.
Das Ladensterben an der Laustraße treibt den Sonnenberg-Verein um. Der neue Vorstand und eine neue Initiative suchen nach einer Lösung.
Sonnenberg - Klaus Neubarth (58) ist seit kurzem der Vorsitzende des Sonnenberg-Vereins. Wir haben mit ihm über den Stadtteil, seine Motivation und die Zukunft des Bürgervereins gesprochen. Ein Thema rückt dabei besonders in den Fokus.
Herr Neubarth, was gefällt Ihnen an Ihrem Wohnort Sonnenberg besonders gut?
Ich schätze Sonnenberg vor allem wegen der Menschen, die hier leben. Und ich mag den Charakter als Gartenstadt. Sonnenberg wurde um 1900 herum gegründet von Menschen, die aus dem Kessel raus wollten. Ich sage immer, das war eine der ersten grünen Bewegungen. Dieser Charakter ist für Sonnenberg bis heute prägend.
Und gibt es auch eine Schattenseite?
Die zerbröselnde Infrastruktur. Die Läden an der Laustraße schließen einer nach dem anderen: der Lebensmittelmarkt, die Apotheke, die Postagentur. Dagegen stehen viele Gewerbeflächen leer. Dadurch verliert der Stadtteil an Lebensqualität. Das ist ein Thema, das uns beschäftigt.
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Momentan ist es das größte Thema im Sonnenberg-Verein, oder?
Ja, das Thema Infrastruktur ist uns besonders wichtig, das bewegt alle. Wir haben deshalb eine Initiative Infrastruktur gegründet, auch um ein Signal zu senden. Es kann nicht sein, dass es für dieses Problem keine Lösung gibt. Die meisten Einzelhändler an der Laustraße haben ja nicht aufgegeben, weil sie dort keine wirtschaftliche Zukunft mehr gesehen haben, sondern weil ihnen nach Verabschiedung des neuen Bebauungsplans die Räumlichkeiten gekündigt wurden. Darum wollen wir die Bürgerschaft mobilisieren und Aufmerksamkeit erzeugen. Die Initiative Infrastruktur ist ein Projekt, an dem sich auch viele Menschen aus dem Ort beteiligen, die sonst mit der Vereinsmeierei nicht so viel anfangen können.
Warum haben Sie den Vorsitz des Sonnenberg-Vereins übernommen?
Die einen sagen, weil es eine tolle Aufgabe ist. Die anderen, weil man keinen anderen gefunden hat. In beidem steckt wohl ein Körnchen Wahrheit. Es ist heute schwer, jemanden für so ein eher bodenständiges Ehrenamt zu begeistern. Und eigentlich hatte ich mir nach gesundheitlichen Problemen geschworen, keine Position mehr zu übernehmen, die mit viel Verantwortung verbunden ist. Letztlich habe ich das Amt dann doch übernommen, einfach weil es großen Spaß macht. Man kann wichtige Themen aufgreifen, Akzente setzen, in einem motivierten Team arbeiten und zusammen im Stadtteil etwas bewegen.
Und was für einen Verein haben Sie übernommen?
Wir haben deutlich über 300 Mitglieder, vieles davon sind Familienmitgliedschaften. Für einen Stadtteil mit etwa 3600 Einwohnern ist das ein guter Schnitt. Was die Altersstruktur betrifft, sind wir sicher über dem Durchschnitt. Junge Menschen nachzubekommen ist schwierig.
Der Bürgerverein Dachswald hat sich vor kurzem aufgelöst. Haben Bürgervereine Ihrer Meinung nach überhaupt noch eine Zukunft?
Die Frage hat zu jedem Zeitpunkt ihre Relevanz. Und ja, ich bin sicher, dass Bürgervereine noch eine Zukunft haben. Denn die Bürger wollen mitreden und gehört werden. Bürgervereine übernehmen eine Vermittlerrolle zwischen den Menschen vor Ort, der Politik und der Verwaltung. Darum bin ich auch der Meinung, dass Bürgervereine einen Sitz im Bezirksbeirat haben sollten. Außerdem glaube ich fest an die soziale Funktion der Nachbarschaft. Bürgervereine können hier Entfremdungstendenzen entgegenwirken. Um interessant für viele zu bleiben, brauchen wir allerdings einen höheren Grad an Projektorientierung. So geben wir den Leuten die Chance, bei den Dingen mitzumachen, die ihnen wirklich wichtig sind, und das wegzulassen, wofür sie aktuell vielleicht keine Zeit haben.
Zur Person
Klaus Neubarth ist 58 Jahre alt, verheiratet und hat drei erwachsene Söhne. Er arbeitete mehrere Jahrzehnte lang als Steuerberater und Wirtschaftsprüfer in einer großen Gesellschaft. Sein Job war es auch, der ihn vor 30 Jahren nach Sonnenberg brachte.
Zum Verein
Martin Schleiermacher war seit 2018 der Vorsitzende des Sonnenberg-Vereins. Doch nun verlässt er den Stadtteil, deshalb hat er sein Amt abgegeben. Der neue Vorsitzende Klaus Neubarth wird von Anne Vatier als zweiter und Stephan Lengning als drittem Vorsitzenden unterstützt. Regine Kopp ist für die Finanzen zuständig.