Sonnenblumenzeit im Kreis Esslingen Die Blume, die gute Laune macht
Im Juli und August ist Sonnenblumenzeit. Ein guter Anlass also, um die vielen Gesichter dieser Pflanze zu zeigen – sie kann nämlich nicht nur gut aussehen.
Im Juli und August ist Sonnenblumenzeit. Ein guter Anlass also, um die vielen Gesichter dieser Pflanze zu zeigen – sie kann nämlich nicht nur gut aussehen.
Kreis Esslingen - Eine kleine Sonne zuhause zu haben, das wär’s doch. Nicht wegen der Temperatur – darauf kann man im Sommer gerne verzichten –, sondern wegen ihrer Kraft, ihrem Licht, ihrer Freundlichkeit. Vielleicht ist dieser Gedanke der Grund dafür, warum die Menschen schon seit Jahrhunderten von der Helianthus, der Sonnenblume, so fasziniert sind. Auch im Kreis Esslingen wird sie deshalb gerne gepflanzt. Denn sie ist nicht nur schön anzusehen, sie hat auch einen großen Wert für Umwelt und Landwirtschaft. Sonnenblumen sind Nutzpflanzen. Wir essen ihre Samen oder pressen diese zu Öl. Wir ziehen sie auch im Garten, wo sich Insekten wie Hummeln und Bienen über das reichhaltige Pollen- und Nektarangebot freuen. Im Juli und Augst ist Sonnenblumen-Zeit. Ein guter Anlass also, um sich diese wundersame Pflanze einmal genauer anzuschauen.
„Für mich verkörpern sie die Sonne“, sagt Esther van der Wal. Sie verkauft die Blumen am Wochenmarktstand von Jürgen Merz direkt vor dem Kielmeyerhaus in Esslingen. „Die sind wirklich sehr gefragt. Vor allem die ersten sind immer gleich weg.“ Das berichtet auch Wahid Khanjani, der die gelben Blüten ebenfalls an seinem Stand anbietet. „Ein kleiner Sonnenschein für Daheim“, erklärt er.
Angela Merz, die den Blumenladen Merz in der Esslinger Maienwalter Straße betreibt, schwärmt von der positiven Ausstrahlung der Helianthus: „Besonders in der negativen Corona-Zeit ist diese Pflanze gut für das Gemüt. Sie wirken einfach sonnig.“ Und wenn man sie sich in eine Vase stellt, dann könnten die Pflanzen bis zu zwei Wochen frisch bleiben. Das komme auf die Sorte an. Dafür ist es allerdings wichtig, die Pflanzen richtig anzuschneiden. Und das will gelernt sein.
Sie sind in Baden-Württemberg zwar selten, doch es gibt sie: Landwirte, die Sonnenblumen anbauen. Karlheinz Schaller aus Nellingen ist einer von ihnen. Ihn interessieren weniger die leuchtend gelben Blüten der Sonnenblume als vielmehr der Erntezeitpunkt der Kerne. Und bis dahin dürfte es noch etwa drei Wochen dauern, sagt er. „Den richtigen Erntezeitpunkt erkennt man daran, dass der Stängel schwarz wird und der Korb eine andere Form bekommt.“ Der Korb ist quasi der Kopf des Gewächses.
Die Sonnenblume ist eben auch eine Nutzpflanze, die vor allem wegen ihrer Samen oder Kerne angebaut wird. „Insgesamt ist sie allerdings im Land eine Randkultur“, sagt Ariane Amstutz vom Landesbauernverband Baden-Württemberg (LBV). „Der Schwerpunkt liegt hierzulande ganz klar auf Getreide.“ Das bestätigen auch die Zahlen. Auf 0,1 Prozent (1600 Hektar) der in Baden-Württemberg genutzten Böden werden Sonnenblumen angebaut. Zum Vergleich: Bei Weizen sind es 13 Prozent (209 000 Hektar).
„Vor 20 Jahren hatten wir auf den Fildern das Problem, dass Sonnenblumen nicht mehr nachgefragt wurden“, erinnert sich Karlheinz Schaller. Es sei in der Gegend damals nicht genügend Menge zusammengekommen, der Sonnenblumenanbau habe sich nicht mehr gelohnt. „Wenn man etwas anbaut, muss man ja auch immer wissen, wohin damit.“ 2017 führte Schaller neue Strukturen auf seinem Hof ein: Ein Teil der Nutzfläche blieb konventionell, der andere Teil wird seitdem nur noch biologisch bewirtschaftet. Weil Bio-Lebensmittel heutzutage stark gefragt seien, bekomme er die Kerne gut los, so Schaller.
In einer Ölmühle werden die Sonnenblumenkerne zu Öl gepresst. Es ist reich an ungesättigten Fettsäuren und wird zur Zubereitung von allerlei Gerichten verwendet. Sonnenblumenöl ist allerdings nicht nur ein Speiseöl. Es wird auch in der Pharmazie verwendet. Außerdem ist es Bestandteil von Biodiesel, der dem herkömmlichen Diesel beigemischt wird.
Neben den Früchten der Sonnenblume werden aber auch die Stängel verarbeitet. Aus dem Sonnenblumenstroh – so nennt man die Ernterückstände, also die übrig gebliebenen Stängel – wird beispielsweise Dämmstoff hergestellt. Aus den getrockneten Stielen werden in bestimmten Gegenden Ungarns aber auch Flöten geschnitzt.
Auch wenn es sich im Kreis Esslingen nicht lohnt, auf konventionelle Weise Sonnenblumen anzubauen, haben die Pflanzen doch einen wertvollen Nutzen für die Landwirte – und für die Natur. Matthias Schuhmacher baut auf seinen Feldern in Bernhausen verschiedene Kohl- und Salatsorten an. An sieben seiner Flurstreifen hat er zudem Blühstreifen mit Sonnenblumen angelegt. Auf diesen Streifen wachsen verschiedenste Blumen und Pflanzen wild durcheinander, sie sollen Insekten wie Bienen, Hummeln oder Marienkäfer anlocken. „Das sind Nützlinge auf den Feldern, die Schädlinge beseitigen“, sagt Schuhmacher. Ein gutes Beispiel sei der Marienkäfer, der auf dem Salat die Läuse fresse. Das ist gut für Menschen und Insekten – außerdem fördert es die Biodiversität.
„Sonnenblumen sind keine klassischen Pflanzen für die Blühstreifen“, erklärt Schuhmacher, der das Ganze als Hobby betreibt. Trotzdem hat er sich für Sonnenblumen entschieden. „Wir Landwirte machen das nämlich nicht nur aus Eigennutz“, sagt er, „wir haben auch einen Sinn für Schönheit.“