Sonntagsruhe feiert Jubiläum Arbeitsfrei nach DIN-Norm
Noch bevor das Christentum im Römischen Reich zur Staatsreligion wurde, führte Kaiser Konstantin den freien Sonntag ein. Die Erfindung hat sich bewährt – und ist gleichfalls bedroht.
Noch bevor das Christentum im Römischen Reich zur Staatsreligion wurde, führte Kaiser Konstantin den freien Sonntag ein. Die Erfindung hat sich bewährt – und ist gleichfalls bedroht.
Stuttgart - Es war am fünften Tag vor den Nonen des März im Jahre 1074 nach der Gründung Roms oder – wie wir heute sagen würden – an diesem Mittwoch genau vor 1700 Jahren, als der römische Kaiser Konstantin uns den freien Sonntag verordnete: „Alle Richter, die Stadtbevölkerung und die Betriebe aller Gewerbe sollen am verehrungswürdigen Tag der Sonne ruhen“, heißt es in dem Edikt vom 3. März 321. Dem Sinne nach gilt es noch heute, fand Aufnahme ins Grundgesetz (Artikel 140) und wurde sogar in eine eigene DIN-Norm (ISO 8601) gegossen.
Zuvor hatten die Römer mit unregelmäßig verteilten Feiertagen und dann mit einem Acht-Tage-Rhythmus experimentiert, in der griechischen Polis dauerten die Wochen sogar lange zehn Tage. Konstantin folgte hingegen der jüdischen Sabbatwoche, die wohl babylonische Wurzeln hat, verlegte aber den freien Tag vom letzten (Samstag) auf den ersten Wochentag, dem Tag der Auferstehung Jesu. Bis dahin mussten Christen, die die Sonntagsruhe einhielten, befürchten, den Löwen im Circus maximus als Sonntagsbraten serviert zu werden.
Der freie Sonntag hat sich seither bewährt und doch ist er immer wieder bedroht. So stellten die sowjetischen Revolutionäre auf eine Fünf-Tage-Woche um mit jeweils individuellem freien Tag. Der Erfolg war mäßig. Viele pausierten einfach zweimal die Woche. 1940 endete das Experiment.
Trotzdem stellen Einzelhandel und Industrie die Sonntagsruhe immer wieder infrage. Der kollektive Ruhetag sei aber wichtig, sagt der Münsteraner Sozialwissenschaftler Jürgen Rinderspacher. „Der Mensch ist ein Herdentier und kann nur zur Ruhe kommen, wenn auch der Nachbar ruht.“
In der Coronazeit habe sich das wieder gezeigt. „Der eintönige Zeitfluss im Homeoffice wird durchbrochen, wenn man das Wochenende zelebriert.“ Deshalb sollte man sonntags auch bei Amazon nichts bestellen dürfen, findet der Feiertagsexperte. Wobei schon Konstantin Ausnahmen vorsah: „Ein Vorteil, den die himmlische Vorsehung gewährt hat, soll nicht durch die Wahl des Zeitpunkts verschenkt werden“, heißt es in seinem Edikt. Dabei dachte der Kaiser freilich an die wetterabhängige Landwirtschaft und nicht an Online-Einkäufer.