Sorge um Mailands Oper Die Scala und die Saudis

Von Henning Klüver 

Aufregung in Mailand: Saudi-Arabien will sich in die Stiftung der weltberühmten Scala einkaufen – und der Intendant Alexander Pereira damit vermutlich seine Vertragsverlängerung sichern.

Mit Ölgeldern liefe alles wie geschmiert: die Mailänder Scala Foto: dpa
Mit Ölgeldern liefe alles wie geschmiert: die Mailänder Scala Foto: dpa

Stuttgart - Wollen die Saudis die Scala übernehmen? In Mailand herrscht Aufregung, nachdem Pläne über eine mögliche Beteiligung des Königreiches an der Stiftung des berühmten Opernhauses bekannt wurden, die Riad auch einen Platz im Verwaltungsrat der Bühne sichern würde. Dabei sind nach Presseberichten 15 Millionen Euro im Gespräch.

Als Prinz Badr Abd Allah, der erste Kulturminister in der Geschichte des Ölstaates, im Dezember zur Saisoneröffnung der Scala anreiste, wurde das nur am Rand wahrgenommen. Es passte insofern ins Bild, als die Scala beziehungsweise die Scala-Akademie auch Saudi-Arabien in ihre Tournee 2019/20 aufgenommen hatte.

Aber beim Besuch von Prinz Badr, einem Mitstreiter von Kronprinz und Verteidigungsminister Mohammed bin Salman, der in den Fall der Ermordung des saudischen Journalisten Khashoggi verstrickt sein soll, ging es offensichtlich um mehr. Im Januar flog der Scala-Intendant Alexander Pereira nach Riad, um eine weitere Zusammenarbeit zu vereinbaren. Die Scala-Akademie, bei der in Mailand künstlerische wie technische Fachkräfte für den Opern- und Ballettbetrieb ausgebildet werden, soll federführend beim Aufbau einer Musikschule in Riad auftreten. Es scheint, dass diese Verhandlungen kurz vorm Abschluss stehen und auch vom italienischen Kulturministerium genehmigt seien.

Saudis als problematische Partner

Eine direkte Beteiligung Saudi-Arabiens an der Opernstiftung wird von verschiedenen Seiten angesichts der politischen Rolle des Ölstaats im Nahen Osten, seines konservativen Kulturverständnisses und seines Umgangs mit Menschenrechten höchst kritisch gesehen. Einem Zeitungsbericht zufolge drängt der dem Opernverwaltungsrat vorsitzende Bürgermeister Giuseppe Sala darauf, höchstens Gespräche mit einem Wirtschaftsunternehmen des Landes zu führen. Das könnte dann zu anderen privaten Förderern der Scala wie Allianz, Dolce & Gabbana und BMW treten. Bei einem Jahresetat von 125 Millionen Euro (41 Millionen öffentliche Gelder, 39 Millionen Eigeneinnahmen) ist das Haus auf Privatförderung angewiesen.

Vielleicht geht es auch um etwas anderes: Die Amtszeit von Alexander Pereira, zuvor Intendant der Salzburger Festspiele, läuft 2020 ab. Er würde gerne länger in Mailand bleiben. Sollen ihn die Saudi-Millionen dabei unterstützen?




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