Stuttgart - Bald gibt es Bürgermeister für die Nacht. Alles gut also? Von wegen. Damit ist es nicht getan. Bezeichnend ist, dass bei den Diskussionen über ein Kulturquartier in der Innenstadt Platz für Clubs und kleine Livebühnen keine Rolle spielt.
Es stimmt, man kann Flächen nicht backen, und das Geld ist endlich. Doch braucht es vor allem ein Konzept, wie man mit populärer Kultur umgeht. Wie sieht eine lebenswerte Stadt aus? Will man neben Büros und Banken einen Vergnügungspark in der Innenstadt, tagsüber einkaufen, abends ausgehen? Oder sollen dort auch Menschen wohnen?
Schluss mit der Flickschusterei
Nur wenn der Oberbürgermeister und die Stadträte solche Fragen klären und nicht ins Belieben von Investoren und Baulöwen stellen, kann man das Durchwursteln und Nachtwandeln beenden, das es allen schwermacht: der Verwaltung, den Anwohnern, den Akteuren der Nacht. Nur dann kann man Grundsätze formulieren: Etwa, wer welche Räume nutzen soll und darf. Wo kann ein Club hin, der Einzelhandel oder die Gastro? Oder vielleicht alle zusammen? Die einen bei Tag, die anderen bei Nacht? Wo kann man wohnen? Oder ein Hotel bauen? Um von vorneherein Konflikte zu vermeiden oder durch Maßnahmen wie Lärmschutz zu mildern. Und nur dann werden die Bürgermeister der Nacht sinnvoll arbeiten können.
Was man des Tags falsch entscheidet, lässt sich des Nachts nicht reparieren.
frank.rothfuss-jenewein@stzn.de