Eine Eskalation des Handelskonflikts mit China? Das will Wirtschaftsminister Robert Habeck im Interesse der deutschen Autoindustrie vermeiden. Hier zeigen sich auch die Kanzlerambitionen des Grünen, kommentiert unser Korrespondent Tobias Peter.

Korrespondenten: Tobias Peter (pet)

Es ist ein typischer Robert-Habeck-Satz. Es geht um den eskalierenden Handelskonflikt zwischen China und der EU. Man dürfe, meint der deutsche Wirtschaftsminister, nicht einfach sagen: „Ach komm, jetzt geht’s den Bach runter, und dann hauen wir uns auf die Mütze.“ Das, erklärt der Grünen-Politiker weiter, wäre ja schlecht.

 

Der Satz verrät nicht nur etwas über Habecks Hang zu flapsigen Bemerkungen. Er gibt auch einen Einblick in Habecks Selbstverständnis als Wirtschaftsminister: Der Mann von den Grünen nimmt dieses Amt ernst – und sieht sich als jemand, der für die Sorgen der Unternehmen ein offenes Ohr haben muss. Dass er sich dabei nicht immer um die Linie der eigenen Partei schert, zeigte er bereits, als er kürzlich anregte, das deutsche Lieferkettengesetz zu pausieren.

Die Angst der deutschen Autobauer

Beim Handelskonflikt zwischen Peking und Brüssel liegt der Fall so: Wenn die EU wegen unfairer Subventionen Strafzölle gegen chinesische Elektroautos verhängen sollte, drohen Gegenmaßnahmen. Davor hat die deutsche Autoindustrie mit Recht Angst. Der deutsche Wirtschaftsminister will deshalb helfen, eine Eskalation zu vermeiden. Das ist zumindest bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass es stets die Grünen waren, die in der Ampel auf eine härtere Linie gegenüber China gedrungen haben. Und dass Habeck selbst die Wichtigkeit eines europäischen Ansatzes betont.

Spätestens an dieser Stelle wird einmal mehr klar: Habeck will Kanzlerkandidat werden. „Wozu eigentlich?“, lautet die Frage, die sich angesichts der Umfragewerte der Grünen viele stellen. Habeck aber glaubt an seine Chance auf das Kanzleramt. Er will zeigen: Die Grünen können pragmatisch sein – auch, aber nicht nur, wenn es um die Interessen der deutschen Autoindustrie in China geht. Diese Linie wird er weiterverfolgen. Das gilt selbst dann, wenn sie ihm bei den Grünen dafür auf die Mütze hauen sollten.