Sorgen um Arbeitsplätze in Öhringen Mahle plant Verkauf der Industriefilter

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800 Mitarbeiter beschäftigt der Zulieferer in Öhringen, gut die Hälfte davon ist im Bereich Industriefilter tätig. Jetzt prüft Mahle des Verkauf dieser Sparte, die als „stabiler Ertragsbringer“ beschrieben wird. Vertreter der Arbeitnehmer sehen den Standort in Gefahr.

Am Standort   Öhringen   sorgen sich  die Beschäftigten   um ihre Zukunft. Das gilt nicht nur für die Mitarbeiter der Industriefiltersparte, die verkauft werden soll, sondern auch für den Autobereich, der schrumpfen soll. Das Bild zeigt die Fertigung  von Saugmodulen. Foto: Mahle
Am Standort Öhringen sorgen sich die Beschäftigten um ihre Zukunft. Das gilt nicht nur für die Mitarbeiter der Industriefiltersparte, die verkauft werden soll, sondern auch für den Autobereich, der schrumpfen soll. Das Bild zeigt die Fertigung von Saugmodulen. Foto: Mahle

Stuttgart - Hier ist Feuer unter dem Dach“. Mitdiesen Worten beschreibt Alfons Kuhnhäuser, der 2. Bevollmächtigte der IG Metall Schwäbisch Hall, die Stimmung am Mahle-Standort Öhringen. Grund für die Verärgerung sind Pläne des Zulieferers das Industriefilter-Geschäft in Öhringen zu verkaufen. Die Mitarbeiter wurden auf einer Betriebsversammlung am Freitag darüber informiert. 800 Beschäftigte arbeiten an dem Standort in Hohenlohe, gut die Hälfte davon fertigen Industriefilter. Sonja Haselmann, die Betriebsratsvorsitzende des Standortes, befürchtet, dass die Pläne der Geschäftsführung den gesamten Standort in Frage stellen. Industriefilter werden in vielen Bereichen benötigt – etwa in Baumaschinen, Industrieanlagen und auch bei der Fertigung von Lebensmitteln. Die restlichen Beschäftigten – insgesamt knapp 390 Personen – sind im Bereich Automobil tätig und stellen beispielsweise Abdeckungen für Motorblöcke her. Allerdings wird diese Zahl deutlich sinken; der Abbau von 170 Stellen ist bereits beschlossen.

Gespräche mit Investoren laufen

Mahle überprüfe seine künftige strategische Ausrichtung, begründet der Zulieferer die Verkaufspläne. Beim Verkauf an einen strategischen Investor könnten sich erhebliche Zusatzpotenziale und Wachstumschancen für das Geschäft ergeben, hofft der Zulieferer. „Durch diesen Schritt könnte die internationale Marktposition, aber auch die Profitabilität schneller und nachhaltiger als bisher verbessert werden“, hofft das Stuttgarter Unternehmen. Die Gespräche mit potenziellen Investoren scheinen bereits weit gediehen zu sein; im zweiten Quartal 2016 sei mit einem Abschluss zu rechnen, heißt es bei Mahle.

Die Vertreter der Arbeitnehmer reagieren darauf mit Unverständnis. „Seit Jahrzehnten ist das Geschäft Industriefilter in Öhringen ein verlässlicher und stabiler Ertragsbringer für Mahle. Auch für 2015 wird ein Millionengewinn erwartet. Das hat dem zuweilen stark schwankenden Automotive-Geschäft immer geholfen“, wird Hanselmann in einer Mitteilung der IG Metall zitiert. So hat es in der Vergangenheit wohl auch die Geschäftsführung gesehen. Das Management habe früher argumentiert, dass die beiden Standbeine die Zukunft des Standortes sicherten, erläutert Uwe Schwarte, der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates. Er wirft der Geschäftsführung vor, zu wenig getan zu haben, um das Geschäft „sinnvoll zu vergrößern“.

Sorge um Standort Schwäbisch Hall

Sorgen bereitet den Arbeitnehmervertretern nicht nur der Standort Öhringen. Gemeinsam mit den Filteraktivitäten in Hohenlohe soll auch das Filterwerk in Hamburg mit 30 Beschäftigten verkauft werden. Zudem wurde vor wenigen Wochen mitgeteilt, dass der Konzern „aus Wirtschaftlichkeitsgründen“, wie es damals hieß, bis Ende 2018 sein Lager in Schwäbisch Hall aufgeben und seine Hydraulik- und Instandhaltungsaktivitäten an den sächsischen Standort Reichenbach verlagern wird. Rund 100 Mitarbeiter sind davon betroffen.

Mahle-Betriebsratschef Schwarte wertet die jüngsten Konzernpläne als „schwere Hypothek für die derzeit laufenden Verhandlungen für eine neue Beschäftigungssicherung für alle 30 deutschen Mahle-Standorte“ mit zusammen rund 14 000 Mitarbeitern. Die Gespräche laufen seit mehr als einem Jahr und werden vom Betriebsrat als sehr schwierig bezeichnet.