Stadtkind Stuttgart

Soundcheck mit Noah Kwaku Als Leichtmatrose auf der MS Fluxus

Von Nina Dias da Silva 

Noah Kwaku kann man immer wieder mal in Stuttgarter Clubs sehen. Jetzt zündet er die nächste Stufe: am Samstag spielt er beim Fluxus-Sommerfest, bald stellt seine erste EP vor. Wir haben ihn zum Soundcheck getroffen.

Noah Kwaku arbeitet gerade an seiner ersten EP. Foto: Erik Degen
Noah Kwaku arbeitet gerade an seiner ersten EP. Foto: Erik Degen

Stuttgart - Unser heutiger Soundcheck-Künstler trägt den klangvollen Namen Noah Kwaku und scharrt mit den musikalischen Hufen. Denn in seinen 24 Jahren ist Musik schon lange ein treuer Weggefährte. Während der Jugend- und Schulzeit musiziert er viel mit Freunden - als Sprössling an der Walddorfschule ein Muss. Die Kids sind prompt so gut, dass sie auf Geburtstagen und Hochzeiten spielen. Aber es kickt niemanden so sehr wie Noah und während andere in Schlüsselmomenten einen Entschluss fassen, ist es hier wohl eher ein schleichender Prozess, der aber klar in eine Richtung zeigt: die staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Künste.

Wieder kann Noah auf seine Musikerfreunde zurückgreifen - sein ehemaliger Bandkollege ist gelernter Tonmeister und hilft ihm, sich auf die Aufnahmeprüfung vorzubereiten. Das zahlt sich in doppelter Hinsicht aus: Noah studiert seit 2015 Jazzgesang und Rhythmik/Musikpädagogik. Und bis heute erarbeiten und produzieren sie gemeinsam Songs. So auch für die EP, die gegen Ende des Jahres erscheinen soll. Diese wird gefärbt von persönlichen Favoriten wie Neo Soul und Hip Hop. Doch auch an Klassik und Jazz hat Noah Gefallen gefunden, hat er durch das Studium viel von anderen Musikstilen mitbekommen.

Die beste Musik kann man eh machen, wenn man alles in sich aufsaugt und vereint. Das klingt gleichermaßen nach Überraschung und Spannung. Und wie das wirklich klingt, das kann man sich am 22. Juli um 20 Uhr auf dem Sommerfest der MS Fluxus anschauen. Dort wird Noah Kwaku erstmals seine eigenen Stücke spielen. Bevor es mit dem Interview losgeht, erzählt Noah noch fix, wie das mit den Träumen und Luftschlössern ausschaut. Obacht, die sind nämlich alles andere als abgehoben. "Ich habe zwei Träume. Einmal der Gedanke, nie mit der Musik aufzuhören, bis ich die Welt verlasse. Ich hoffe, das funktioniert ohne große Krisen. Und dann würde ich noch gern die Radiomusik revolutionieren. Kann ja nicht wahr sein, dass da so viel läuft, aber alles gleich klingt. Ich finde natürlich, dass das alles seine Berechtigung hat. Tief im Herzen bin ich auch ein Belieber (Augenzwinkern ;)). Aber ein wenig mehr klangliche Vielfalt hat noch nie geschadet. Sonst stumpfen wir noch ab und das wäre schade."

Drei in drei Sekunden:

Favourite Spot zum Musik machen? Passage von der Caffe-Bar, JES und FITZ. Der Raum dort klingt voll schön, bisschen wie in einer Kirche.

Größtes Vorbild aus Stuttgarter Musikszene? Ich finde die Idee von einem Kollektiv wie Freundeskreis sehr verlockend. RINs Aufstieg finde ich faszinierend. Am meisten gelernt habe ich aber von Wolfgang Schmid, der auch Professor an der HMDK ist.

Persönliche Lieblingsplatte? Das wechselt alle zwei Wochen. Momentan stehe ich sehr auf Ivy Sole - Eden:

 

Wann und wie hast du dich entschieden, Musiker werden zu wollen?
Ich hab durch die Schule schon immer engen Kontakt mit Musik gehabt. An der Waldorfschule muss man ja ein Instrument lernen. Bei mir war das Cello. Als ich in der Pubertät zur Gitarre gewechselt habe, wurden das Spielen und Singen immer mehr. Dann kam auch relativ schnell die erste Band. So einen richtigen Moment, an dem es klar wurde, gab es aber nicht.

Wie ist deine verrückteste Anekdote?
Ich denke, das war bei dem Theaterstück "Abie Nathan" am Stuttgarter Hafen. Es war die zweite Vorstellung und wir hatten drei Stunden vor Beginn alles unter einem Dach aufgebaut. Es war Regen vorhergesagt. Aber wir hatten uns darauf verlassen, dass das Dach den Regen abhält. Irgendwann ist Stress ausgebrochen, weil wir in der Ferne eine Regenwand kommen sahen. Wir sind alle durch die Gegend gerannt und haben versucht, unsere Sachen in Sicherheit zu bringen. Verstärker, Gitarren, die Kostüme, viele Radios, Lichter - einfach Dinge, die nicht unbedingt nass werden sollten. Nach 5 Minuten fanden wir uns zusammen mit dem Equipment und kopfschüttelnd unter Planen. Es schüttete wie aus Eimern und windete so, dass der Regen unter das Dach getragen wurde. Als es aufhörte, kamen alle aus ihren Verschlägen. Es war eine Mischung aus Verwirrung, Verzweiflung und Wut. Aber alles mit einem Lachen, weil uns in 10 Minuten ein kompletter Strich durch die Rechnung gemacht wurde. Wir sagten die Vorstellung ab und fingen an aufzuräumen.

Wie würdest du deinen Stil in drei Worten beschreiben?
Neuer Pop mit Jazz und Soul.


Auf dem Fluxus-Sommerfest spielst du zum ersten Mal deine eigenen Stücke. Inwiefern unterscheidet sich dieser Auftritt für dich persönlich von deinen anderen?
Wenn ich ein Cover spiele, dann ist das ein relativ kurzer Prozess. Ich schaue mir den Text an, lerne die Griffe auf der Gitarre und übe einfach. Mir ist dann ziemlich egal, was die Menschen, die mir zuhören, zum Inhalt des Liedes sagen. Oder zum Instrumental. An meinen eigenen Liedern habe ich viel mehr gearbeitet und geschliffen, mich immer wieder gefragt, ob das überhaupt Sinn macht, was ich da schreibe. Sachen verändert, verworfen, usw. Diese Zeit macht es für mich viel spannender, was die Zuhörer für ein Feedback geben. Es steckt einfach viel mehr Noah drin, als wenn ich Cover singe. Außerdem bin ich auch gespannt, wie wir die Songs mit unserer Besetzung umsetzen.

Was passiert bei dir als nächstes?
Ich habe jetzt frisch Semesterferien. Erstmal will ich mit Freunden ein Video für meine nächste Single „too late“ machen. Dann fliege ich nach San Francisco zum Urlaub machen und schreiben… mal wieder raus ausm Kessel ;). Ende des Jahres kommt meine EP raus und darauf folgt hoffentlich eine kleine Tour.

Wenn Stuttgart ein Song wäre, dann …
Na, 1ste Liebe!


Noah Kwaku spielt am Samstag, 22.7. um 20 Uhr beim Fluxus-Sommerfest in der Calwer Passage.

 

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