Sozial- und Erziehungsdienst Schlichterspruch wird etwas nachgebessert

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Gewerkschaften und kommunale Arbeitgeber haben einen Kompromiss im Sozial- und Erziehungsdienst erzielt. Möglich wird dies durch eine Umschichtung der Lohnzuwächse gegenüber dem Schlichterspruch. Nun bekommen alle Erzieherinnen mehr Geld.

Thomas Böhle, der Präsident der kommunalen Arbeitgeber (links) und der Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske stellen in Hannover die Details des Abschlusses vor. Foto: dpa
Thomas Böhle, der Präsident der kommunalen Arbeitgeber (links) und der Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske stellen in Hannover die Details des Abschlusses vor. Foto: dpa

Hannover - Den Seitenhieb konnte sich Thomas Böhle, Präsident der kommunalen Arbeitgeber (VKA), trotz des vorläufigen Friedensschlusses nicht verkneifen: Mit einer „gewissen Zuversicht“ hoffe er, dass die Vereinbarungen für den Sozial- und Erziehungsdienst bei den Gewerkschaftsmitgliedern diesmal auf Akzeptanz stoßen, sagte der Chefunterhändler gleich zu Beginn. Zehn Verhandlungsrunden seien genug. Ein erneutes Veto der Gewerkschaftsbasis mag er sich nicht vorstellen.

Verdi-Chef Frank Bsirske sicher auch nicht. Denn würden ihn die Streikdelegiertenkonferenz und die Mitgliederbasis wie nach der Schlichtung Mitte August bremsen und erneut eine Nachbesserung fordern, wäre Bsirske rücktrittsreif – obwohl der Bundeskongress in Leipzig ihn doch gerade erst wiedergewählt hat. So schiebt er in Hannover jeden Zweifel fort, dass er die Vereinbarung diesmal wirklich für zufriedenstellend hält. Sie sei ein wichtiger Schritt in Richtung einer Aufwertung des Sozial- und Erziehungsdienstes, „dem weitere Schritte folgen werden“. Die jahrzehntelange Lohndiskriminierung sozialer und frauentypischer Berufe lasse sich nicht „im Handstreich“ beseitigen. „Ich bin davon überzeugt, dass ein substanziell besseres Ergebnis als das jetzt erzielte durch eine Fortsetzung des Streiks kaum erzielbar gewesen wäre“, sagte Bsirske.

Die Bereitschaft der Arbeitgeber, das Schlichtungsabkommen „deutlich zu verändern“, machte der Verdi-Chef für die Trendwende verantwortlich. Nun werde den Wünschen der Beschäftigten eher Rechnung getragen, weshalb die erneuten Verhandlungen richtig gewesen seien.

Bis zu 4,5 Prozent mehr im Schnitt für Erzieherinnen

Die Erzieherinnen dürfen sich damit über ein Mehreinkommen von vier bis 4,5 Prozent freuen. Aus ihrem Bereich profitieren mehr Kräfte vom Abschluss, als noch im Schlichterspruch vorgesehen. Die seinerzeit stark abweichenden Gehaltserhöhungen wurden allerdings gleichmäßiger verteilt. Dies habe den nötigen Handlungsspielraum verschafft, sagte Bsirske, der das Ergebnis nun als ausgewogener und gerechter bewertet. Dazu muss man wissen, dass die Beschäftigten ihrer Aufgabe entsprechend einerseits in Entgeltgruppen eingeordnet sind, andererseits je nach Dienstzugehörigkeit in sogenannten Erfahrungsstufen. Die sogenannten Vordienstzeiten außerhalb des öffentlichen Dienstes werden trotz des Verdi-Beharrens nicht generell angerechnet.

Jüngere Erzieherinnen in den unteren Erfahrungsstufen werden dafür jetzt zügiger besser gestellt als im Schlichterspruch – wer schon lange dabei ist, profitiert nicht ganz so deutlich wie geplant. Somit bleibe das Berufsfeld Kindererziehung für Berufseinsteigerinnen attraktiv, sagte Bsirske, der von einer Verdoppelung bis Verdreifachung der fraglichen Erhöhungsbeträge sprach. Konkret erhalten Vollzeitbeschäftigte monatlich zwischen 93 und 138 Euro mehr als noch vor dem Tarifkonflikt.