Sozialarbeit Bewährungshilfe legt neue Projekte auf

Von Jürgen Löhle 

Ein neues Projekt der Bewährungshilfe Stuttgart wurde im Rathaus im Rahmen der Jahrestagung „Einwanderungsland Deutschland – Migration, Strafjustiz und Soziale Arbeit“ vorgestellt.

Bevor Kinder als Zeugen vor Gericht müssen, können sie am Modell lernen, wer wo sitzt. Foto:  
Bevor Kinder als Zeugen vor Gericht müssen, können sie am Modell lernen, wer wo sitzt. Foto:  

Stuttgart - Pflanzen, pflegen, ernten – ein natürlicher Dreiklang, der zunächst ­einmal nur eines ist: ganz normal. Vielleicht eignet sich deshalb die Arbeit in einem Beet auch besonders für all die Menschen, die mit der Normalität des Alltags so ihre Probleme haben. Zum Beispiel, weil sie gerade aus der Haft entlassen worden sind, oder weil sie wegen instabiler Lebenverhältnisse anfällig sind, straffällig zu werden. Insa (Integration Straffälliger in Arbeit) heißt denn auch eines der Projekte der Bewährungshilfe Stuttgart e.V., das am Mittwoch im Rathaus im Rahmen der Jahrestagung „Einwanderungsland Deutschland – Migration, Strafjustiz und Soziale Arbeit“ des Vereins vorgestellt wurde.

Insa ist nur eines von vielen Projekten, mit denen der Verein justiznahe Sozialarbeit betreibt. Die Stuttgarter Bewährungshilfe engagiert sich auch in Projekten wie „Schwitzen statt Sitzen“, in denen Strafe abgearbeitet werden kann, im betreuten Wohnen für „Menschen in besonderen Lebensverhältnissen“, wie es heißt, in der psychosozialen Betreuung, in der Begleitung von Zeugen aber auch in der Prävention zum Beispiel von Sexualdelikten.

Zeugen verständlich informieren

2015 war für den Verein ein durchaus erfolgreiches Jahr. Durch Arbeitseinsätze wurden 34 592 Hafttage gespart, was auch dem Land Geld spart. Gegenüber 2014 war das eine Steigerung von etwa 2000 Tagen. Insgesamt wurden knapp 190 000 Arbeitsstunden unter Betreuung des Vereins geleistet, auch das waren gut 7000 Stunden mehr als im Jahr zuvor. Besonders stolz ist man über einen Preis im bundesweiten Wettbewerb Startsocial. Ein vom Verein entwickeltes und mit Hilfe der IBM umgesetztes Internetportal (Zeugeninfo.de) wurde im vergangenen Juli in Berlin von Schirmherrin Angela Merkel prämiert. Auf der Seite können sich künftige Zeugen in verständlicher Form informieren, was vor Gericht auf sie zukommt, wie ein Verfahren abläuft. Auch Kindern wird das Prozedere mit „Max, der Gerichtsmaus“ erklärt.

Auf der Jahrestagung wurde auch ein von Azubis der Stuttgarter Firma Türenmann gebauter Miniatur-Gerichtssaal ­präsentiert, mit dem künftig im Rahmen der Zeugenbegleitung Kinder auf ihr ­Erscheinen vor Gericht vorbereitet werden (siehe auch das Bild).

Die Arbeit wird dem Verein auch im Jahr 2016 nicht ausgehen. Im Gegenteil: Die stark angestiegene Zahl an Flüchtlingen bringt auch für die sogenannte justiznahe Sozialarbeit ganz neue Herausforderungen mit sich, deshalb war das Thema der Tagung bewusst so gewählt. Das beginnt ganz pragmatisch mit viel zu wenig Dolmetschern. „Da kann schon die alltägliche Kommunikation zum Problem werden“, erklärt Matthias Merz, der Vorstandsvorsitzende der Bewährungshilfe Stuttgart. Der Richter am Oberlandesgericht sieht für die Zukunft, dass „die Probleme erst noch kommen, die große Zahl an Flüchtlingen ist ja relativ neu“.

Neue Herausforderungen

Erste Unstimmigkeiten im Umgang mit Flüchtlingen, die zuvor mit dem ­Gesetz in Konflikt gekommen sind, sind ­bereits erkennbar. Ungeklärt ist zum ­Beispiel die Frage, wie man mit einem ­wegen mehrfachen Schwarzfahrens oder ähnlichem zu Arbeitstunden verurteilten Asylbewerber umgehen kann. Streng ­genommen darf jener nämlich während ­seines Verfahrens gar nicht arbeiten. ­

Matthias Merz erhoffte sich darüber hinaus von der Fachtagung „Impulse und neue Ideen, aus denen vielleicht konkrete Projekte werden können“, wie er sagte. Besonders natürlich im Bereich Prävention, da die beste Bewährungshilfe natürlich immer noch die ist, die man nicht braucht.

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