Sozialberatung Ludwigsburg Wenn das Geld nicht mehr für Lebensmittel reicht

Daniela Saramat ist Geschäftsführerin der Sozialberatung. Foto: /Katharina Schuster

Menschen, die knapp bei Kasse sind oder Schulden haben, zeigt die Schuldnerberatung in Ludwigsburg Wege aus der finanziellen Misere auf. Wie das funktionieren kann, erklärt Geschäftsführerin Daniela Saramat im Interview.

Ludwigsburg: Anne Rheingans (afu)

Wer knapp bei Kasse ist oder sogar Schulden angehäuft hat, für den sind die aktuellen Preissteigerungen erst recht ein Albtraum. Einen Ausweg aus der finanziellen Misere zeigt die Sozialberatung Ludwigsburg auf. Was die Schuldnerberater ihren Klienten empfehlen, erklärt Geschäftsführerin Daniela Saramat.

 

Frau Saramat, spiegelt sich die Inflation bei der Schuldnerberatung wider?

Grundsätzlich ist es so, dass der Beratungsbedarf gestiegen ist. Wir bemerken seit dem Beginn der Pandemie eine höhere Nachfrage. Einen noch stärkeren Zulauf erwarten wir erst dann, wenn die Nebenkostenabrechnungen und die höheren Abschlagszahlungen fällig werden. Wir machen die Erfahrung, dass die Leute erst zu uns kommen, wenn sie sich anders nicht mehr zu helfen wissen. Also wenn das Ersparte aufgebraucht ist, Privatkredite in Anspruch genommen wurden und so weiter. Meistens sind die Schulden dann schon so hoch, dass sie es allein nicht mehr hinbekommen.

Welche Personengruppen wenden sich an Sie?

Finanzielle Probleme ziehen sich durch alle Schichten. Zu uns kommen Empfänger von Sozialhilfe, aber auch Menschen aus der Mittelschicht wie Handwerker und Angestellte. Auch Ärzte oder Professoren sind dabei – und sogar Banker. Zu unseren Klienten zählen also auch Gutverdienende, die den Überblick über ihre Finanzen verloren haben und über ihre Verhältnisse gelebt haben.

Können Sie einen Beispielfall erzählen?

Ja, zum Beispiel ist da ein 45-jähriger Mann, verheiratet, Vater von zwei Kindern, der einen Kredit für die Einrichtung der Wohnung aufgenommen hat. Nach einem Bandscheibenvorfall wurde er erst krankgeschrieben und ist dann ins ALG II gerutscht, weil er nicht mehr arbeiten konnte. Plötzlich konnte die Familie den Kredit nicht mehr bedienen.

Sind oft solche unvorhergesehenen Ereignisse der Grund?

Ja, der größte Teil unserer Klienten ist durch einen Schicksalsschlag in finanzielle Not geraten. Der Verlust einer Arbeitsstelle oder eine Krankheit bringt oft finanzielle Probleme mit sich, vor allem für Alleinstehende oder Alleinerziehende. Ganz häufig geht der finanziellen Not auch eine Trennung oder Scheidung voraus, weil das Paar zuvor gemeinsam Kredite aufgenommen hatte, die dann nicht mehr bezahlt werden können. Frauen geraten zudem oft in diese Situation, wenn der Partner stirbt und die eigene Rente oder das eigene Einkommen nicht zum Leben reicht.

Wie gehen Sie bei der Beratung vor?

Zuerst wird ein Termin für ein Erstgespräch vereinbart. Dabei beleuchten wir die aktuelle finanzielle Situation. Wir überlegen gemeinsam, an welchen Stellen eingespart werden kann, wie man Geld umverteilen kann und wie wenigstens eine kleine Rate im Monat beiseitegelegt werden kann. Manchmal lassen sich die Probleme schon mit einer einzigen Beratung klären. Wenn weitere Gespräche nötig sind, machen wir das auch möglich. Wenn eine Privatinsolvenz als allerletzte Option unumgänglich wird, begleiten wir unsere Klienten dabei.

Sind die Preissteigerungen bei Lebensmitteln und Energie ein Thema?

Ja, wir werden momentan immer wieder dazu gefragt und sprechen das selbst an, wenn es darum geht, Haushaltspläne zu erstellen. Zum Beispiel weisen wir darauf hin, dass es im Einzelfall sinnvoll sein kann, den Tarif beim Energieversorger zu wechseln. Außerdem erklären wir Möglichkeiten, wie sich Energie zu Hause einsparen lässt.

Wie sollte man sich außerdem verhalten, wenn das Geld knapp wird?

Wir raten dazu, sich Verträge noch mal anzuschauen. Was brauche ich wirklich, was nicht? Zum Beispiel könnte man in einen günstigeren Handytarif wechseln. Wenn das Geld für Lebensmittel knapp wird, sollte man überlegen, weniger wichtige Verträge ruhen zu lassen. Das gilt im Einzelfall vielleicht auch für die private Altersvorsorge. Pauschal sind Empfehlungen allerdings schwierig. Wir gehen immer individuell auf Ursachenforschung.

Weitere Tipps zum Energiesparen gibt es unter www.energie-hilfe.org

Kostenlose Hilfe

Person
Daniela Saramat ist seit März die Geschäftsführerin der Sozialberatung Ludwigsburg. Nach dem Studium der Sozialen Arbeit war sie zunächst für die Sozialberatung Stuttgart tätig.

Angebot
Der Verein Sozialberatung Ludwigsburg, der sich zu 90 Prozent über den Landkreis finanziert, berät unter anderem verschuldete Menschen kostenlos. Termine können Interessierte unter Telefon 07141/ 92 19 72 oder per Mail an info@sozialberatung-ludwigsburg.de vereinbaren.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Ludwigsburg Schulden Corona