Soziale Aktion in Stuttgart Einen Kaffee trinken, zwei bezahlen

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Am Samstag findet auf dem Österreichischen Platz der Obendrauf-Aktionstag statt. Ziel der Organisatoren ist es, Menschen, die nicht so viel Geld haben, dennoch eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.

Im Jahr 2014 hat Dijana Mandaglio  von den Stadtisten die Initiative „Obendrauf“ ins Leben gerufen. Das Café Fragola im Westen hat sofort mitgemacht. Foto: Nina Ayerle
Im Jahr 2014 hat Dijana Mandaglio von den Stadtisten die Initiative „Obendrauf“ ins Leben gerufen. Das Café Fragola im Westen hat sofort mitgemacht. Foto: Nina Ayerle

Stuttgart - Einen Kaffee trinken und dabei jemanden einen Gefallen tun, eigentlich eine gute Idee. Seit fünf Jahren gibt es das Konzept Obendrauf in Stuttgart schon, zuletzt ist es etwas eingeschlafen, nun soll es wiederbelebt werden. Uta Weyrich und Dijana Mandaglio wollen es nun wiederbeleben.

Wie es funktioniert? Ein Kunde kauft im Café einen Kaffee, bezahlt aber zwei, einen quasi „obendrauf“. Das Geld für den zweiten kommt in ein „Obendrauf“-Glas. Den Kaffee schenkt der Käufer damit einer bedürftigen Person. Die Idee des „aufgeschobenen“ Kaffees (italienisch caffe sospeso) ist nach dem Krieg in Neapel entstanden. Im Jahr 2014 haben die Stadtisten das Konzept in Stuttgart verbreitet. Mandaglio hat sich von Beginn an für das Projekt engagiert und insgesamt acht Betriebe aus Stuttgart an Bord geholt. Seitdem stehen in vielen Kneipen und Läden in Stuttgart die Obendrauf-Gläser, in das jeder etwas einwerfen kann, um jemand anderen, der weniger Geld hat mit einem Kaffee, einem Eis oder einem Theaterbesuch eine Freude zu machen.

Der erste Obendrauf-Aktionstag am Österreichischen Platz soll das Projekt wiederbeleben

Die Kneipe Imme 14, das Café Galao und das Eiscafé Fragola beteiligten sich von Beginn an. Mandaglio fand es aber schade, das Projekt nur auf Kaffee zu beschränken und hat deshalb auch Läden wie die Kircherbse im Stuttgarter Süden von ihrer Idee überzeugt. Inzwischen ist das Projekt ins Stocken geraten. Gespendet wird viel, aber viele Bedürftige trauen sich nicht, in Geschäften und Cafés danach zu fragen. „Die Hemmschwelle ist oft zu groß“, sagt Uta Weyrich, die seit einem Jahr gemeinsam mit Mandaglio an einer Weiterführung des Projektes tüftelt. „Wir haben ziemlich viel Zeit investiert“, erzählt die Künstlerin Weyrich. Die Idee, die dabei herausgekommen ist: ein Obendrauf-Aktionstag am Österreichischen Platz. Am kommenden Samstag, 11. Mai, steht das Experimentierfeld unter der Paulinenbrücke deshalb unter dem Motto „Teilen ist das wahre Haben“. Von elf bis 17 Uhr finden zahlreiche Gratis-Aktionen statt. Der Hundeladen Süd bietet eine Tauschbörse für Hunde- und Katzenartikel an, das Mókuska Caffé baut eine Kaffeebar auf, die Haarschneiderei bietet einen neuen Schnitt (bei frisch gewaschenen Haaren) an und es gibt eine Leselounge mit Zeitungen und Zeitschriften von Bigis Kiosk. Insgesamt sind es 20 Betreiber, die sich beteiligen.

Die Obendrauf-Macherinnen suchen Kooperationspartner in allen Stadtteilen

Um vielen Menschen die Scheu zu nehmen, haben sich die beiden Macherinnen noch einiges einfallen lassen. So kooperieren sie mit dem Café Nachbarschafft und dem Mütterzentrum im Generationenhaus Heslach, wo eben viele Menschen mit wenig Geld zusammenkommen. An Weihnachten gab es dann in der Rampe Geld für acht Theaterkarten, so dass eine Sozialarbeiterin mit einer Gruppe aus dem Generationenhaus ins Theater gehen konnte. „So fühlen sich die Leute nicht so begünstigt, es fällt leichter, das anzunehmen“, so der Eindruck Weyrichs.

Ihre Vision? „Obendrauf soll total selbstverständlich in Stuttgart werden“, sagt Weyrich. Für sie sei es ein Projekt, das ihr „absolut am Herzen liegt.“ Nun wollen sie in jedem Stuttgarter Stadtteil einen Kooperationspartner wie das Generationenhaus Heslach im Süden oder das EkiZ im Westen finden, die dann selbstständig Aktionen durchführen. „Nur so funktioniert’s“, sagt sie. Denn spendenfreudige Stuttgarter gebe es genug.

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