Soziale Medien und Hass-Inhalte Facebook reagiert auf Druck von Anzeigenkunden

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Weltweit, vor allem in den USA, boykottieren immer mehr Anzeigenkunden die Plattform. Sie beklagen das mangelnde Ausfiltern von destruktiven Inhalten. Nach anfänglichem Zögern beginnt das Unternehmen nun zu reagieren.

Bis zuletzt zeigte sich Facebook-Chef Mark Zuckerberg uneinsichtig. Foto: dpa/Kay Nietfeld
Bis zuletzt zeigte sich Facebook-Chef Mark Zuckerberg uneinsichtig. Foto: dpa/Kay Nietfeld

Stuttgart - Facebook stemmt sich gegen den Exodus seiner Anzeigenkunden. Dazu gehören Großkunden wie der Waschmittelkonzern Unilever, Coca-Cola, Ford oder der Medikamentenhersteller Pfizer. Sie hatten angekündigt, ihre Anzeigenkampagnen auszusetzen, da das soziale Netzwerk ihrer Ansicht nach zu wenig gegen die Verbreitung von Hass, Hetze und Falschinformationen tut. Die beiden ersteren gehören zu den Konzernen mit den größten Marketingbudgets weltweit. Deutsche Firmen haben sich jüngst angeschlossen, etwa der Konsumgüterkonzern Henkel aus Düsseldorf. Auch der Sportartikelhersteller Adidas erwägt einen solchen Schritt.

Der Boykott hat inzwischen 300 Firmen erfasst

Nun beginnt Facebook zu reagieren. Der Kommunikationschef Nick Clegg ist laut Berichten der New York Times (NYT) in regelmäßigem Kontakt mit Anzeigenkunden, um ihnen zu erläutern, was man gegen die Verbreitung destruktiver Inhalte unternehme. Facebook erklärte sich auch bereit, seinen Umgang mit Hassnachrichten von einer unabhängigen Medienbeobachtungsstelle überprüfen zu lassen. Bisher konnte man aber den Exodus, der laut NYT bereits 300 Firmen umfasst, nicht stoppen. Sie sehen andere Plattformen wie etwa Reddit oder You Tube als Vorbild, die inzwischen problematische Inhalte deutlich aggressiver filtern.

Der Facebook-Chef zeigte sich anfangs uneinsichtig

Noch in der vergangenen Woche hatte sich Facebook-Chef Mark Zuckerberg uneinsichtig gezeigt. Damals hatte er darauf beharrt, dass man bei den monierten Inhalten grundsätzlich nicht stärker eingreifen wolle als bisher. Das Unternehmen wies auch darauf hin, dass man 250 rassistische Organisationen in den USA bereits von der Plattform verbannt habe und bereits Milliarden Dollar in Filtertechnologie und Überwachungspersonal investiert habe. Zuckerberg versuchte dies auch als Problem der Branche insgesamt zu bezeichnen – offenbar ohne Erfolg.

Noch nie war Facebook derart unter Druck. Die Abhängigkeit ist groß: 98 Prozent seiner jährlichen Einnahmen von zurzeit mehr als 70 Milliarden Dollar (rund 63 Milliarden Euro) generiert die Plattform über Anzeigen. Der Verlust der bisherigen Kunden ist finanziell noch verkraftbar, aber die großen Marken, die nun dazu gekommen sind, könnten einen Sogeffekt haben. Die meisten haben ihren Boykott allerdings vorerst auf Juli befristet. Andere wie die Telekommunikationsfirma Verizon oder der IT-Konzern HP haben betont, dass man nur auf bessere Konzepte von Facebook warte. Wieder andere wie Coca-Cola, Henkel oder der Café-Betreiber Starbucks schließen in den Boykott alle Plattformen für soziale Medien ein.

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