Soziales Engagement des VfB Stuttgart Vesperkirche und mehr – wie und warum sich der VfB sozial stark engagiert

Bilder aus dem vergangenen Jahr: Pascal Stenzel (li.) und Fabian Bredlow bei der Essensausgabe. Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn

Am Mittwoch unterstützen Fußballer und Mitarbeiter des VfB Stuttgart zum zehnten Mal die Stuttgarter Vesperkirche. Das ist aber bei weitem nicht das einzige soziale Engagement des Clubs. Wie und warum ist er sonst noch aktiv?

Sport: Dirk Preiß (dip)

Es ist schon eine Weile her, und im Sport passiert ja fast täglich viel. Peter Reichert kann sich dennoch bestens erinnern. „Wir sind damals mit dem Thema Vesperkirche und den verantwortlichen Personen in Kontakt getreten“, sagt der heutige Teammanager des VfB Stuttgart, „und ich war gleich Feuer und Flamme.“ Bedürftigen Menschen in der Stadt Stuttgart zu helfen, sie zu unterstützen, mit ihnen zu reden, ihnen einige schöne Momente zu bescheren – das war ganz im Sinne des ehemaligen Bundesligastürmers. Und er war sich schnell sicher: „Das passt perfekt zum VfB.“

 

2016 also standen Mitarbeiter, Führungskräfte und auch Spieler erstmals an der Essensausgabe in der Leonhardskirche, an diesem Mittwoch tun sie es zum zehnten Mal. „Alle“, sagt Peter Reichert, „sind von diesem Engagement begeistert und gehen gerne hin.“ Fünf oder sechs Profis werden Essen ausgeben, das Vorstandstrio der AG ebenso, auch der Vereinspräsident Dietmar Allgaier wird dabei sein. Peter Reichert und sein Kollege Günther Schäfer sowieso. Im Vorfeld helfen weitere VfB-Mitarbeiter bei den Vorbereitungen.

Und wenn die Bemühungen der vergangenen Wochen gefruchtet haben, wird auch noch eine Spende über 30 000 Euro übergeben. „Sich sozial zu engagieren ist für einen Verein wie den VfB extrem wichtig“, sagt Reichert, der einst als Fanbetreuer damit begonnen hat, entsprechende Projekte zu fördern.

Was früher einzelne Initiativen waren, hat der Club mittlerweile in der VfB-Stiftung gebündelt. 19 Projekte und Themen wie die Bildungsrallye an Stuttgarter Schulen werden hier gefördert und organisiert, das Engagement für die Vesperkirche ist eines davon. Zudem gibt es Partnerschaften über eine Saison hinweg, wie aktuell mit dem Krebsverband Baden-Württemberg. Ziel ist es, die Spendensumme von jährlich einer Million Euro erst einzusammeln und dann wieder für den guten Zweck auszugeben. „Der Profifußball“, sagt Alexander Wehrle, „ist ein öffentliches Gut, er hat einen öffentlichen Stellenwert.“ Daraus ergibt sich für den Vorstandsvorsitzenden des VfB eine besondere Verantwortung.

„Wir können mit unserer Reichweite Themen bewegen, Aufmerksamkeit erzeugen und so in der Gesellschaft etwas verändern“, ist sich Wehrle sicher – und forciert seit seiner Rückkehr zum VfB Stuttgart im Frühjahr 2022 das soziale und gesellschaftliche Engagement des Clubs.

Die VfB-Stiftung bündelt alle Projekte

Die Gründung der Stiftung – der e.V. und die AG sind gleichberechtigte Gesellschafter – war vor eineinhalb Jahren das eine, Wehrle kam aber noch mit einem anderen Ziel aus Köln zurück nach Stuttgart. Der VfB soll nach seinem Willen wieder präsenter in der Stadtgesellschaft werden. Mit dem Ziel, sich sozial zu engagieren, geht dieses Vorhaben Hand in Hand.

So ist der VfB mittlerweile mit einer Laube auf dem Weindorf vertreten, schenkt Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt aus, ist bei den Jazz Open präsent, fährt beim CSD mit einem Wagen mit (in diesem Jahr ist Wehrle auch der Schirmherr), vergibt die Gerhard-Mayer-Vorfelder-Medaille für bürgerliches und ehrenamtliches Engagement oder veranstaltet ein Weihnachtskonzert. Dabei werden immer Spenden gesammelt oder Teile der Erlöse an die Stiftung gespendet. „Beides lässt sich wunderbar verbinden“, sagt Alexander Wehrle. Und reiner Selbstzweck ist das Ganze auch nicht mehr.

VfB-Vorstandschef Alexander Wehrle (li.) und Marketinvorstand Rouven Kasper. Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat das Thema Nachhaltigkeit längst an die Erteilung der Lizenz geknüpft, verlangt von den Clubs eine professionelle Herangehensweise und ein personelles Budget in diesem Bereich. „Das sind längst keine Nebenher-Themen mehr“, betont Alexander Wehrle. Beim VfB ist die entsprechende Stabsstelle in der AG angesiedelt, fünf, bald sechs hauptamtliche Kräfte beackern dieses vielfältige Thema. Steffen Lindenmaier ist zudem ehrenamtlicher Geschäftsführer der Stiftung, deren Kuratorium teils prominent besetzt ist – unter anderem mit Ex-Bundestrainer Joachim Löw oder dem jeweiligen Oberbürgermeister Stuttgarts.

Wie die Stadt Stuttgart strebt auch der VfB an, bis 2035 klimaneutral zu sein. Auf dem Nachwuchsleistungszentrum befindet sich wie auf der neuen Athletikhalle eine Solaranlage. Zudem werden fleißig Daten zum Strom- und Energieverbrauch gesammelt, um Potenziale zu erkennen. Auch wird regelmäßig abgefragt, wie die Fans zu den Heimspielen ins Stadion gelangen – von der vorvergangenen zur vergangenen Saison ist der Anteil der umweltfreundlichen Anreisen um fünf auf 68 Prozent gestiegen. Auf dem Vereinsgelände entstehen Ladesäulen für E-Fahrzeuge, wichtige Zukunftsfragen werden diskutiert. Zum Beispiel: Wie werden künftig etwa die Rasenheizungen der Trainingsplätze betrieben?

An diesem Mittwoch werden solche Themen in der Leonhardskirche wohl eher keine Rolle spielen. Die Vesperkirche feiert ihr 30-Jahr-Jubiläum, der VfB ist zum zehnten Mal dabei – und das Motto lässt keinerlei Spielraum: „Voller Einsatz für volle Teller.“

Die Projekte der VfB-Stiftung

VfB-Bildungsrallye
Mit siebten Klassen an verschiedenen Stuttgarter Schulen. In Zusammenarbeit mit der Kinderstiftung Stuttgart.

Gerhard-Mayer-Vorfelder-Medaille
Auszeichnung für bürgerliches, ehrenamtliches Engagement.

Gemeinsam gegen Krebs
Thema Krebsvorsorge. In Zusammenarbeit mit dem Krebsverband Baden-Württemberg.

Instituto Sementinha
Einsatz für benachteiligte Kinder in Brasilien.

Vesperkirche Stuttgart
Unterstützung für benachteiligte oder in Not geratene Menschen.

Gesunde Ernährung
Patenschaft für eine Kindertagesstätte. Zusammenarbeit mit dem Verein „Future for kids“.

DKMS
Kampf gegen Blutkrebs. Unterstützung der Stammzellendatenbank.

Olgäle
Besuche bei schwerkranken Kindern im Krankenhaus.

Pfandbecheraktion
Zusammenarbeit mit „VivaConAgua de Sankt Pauli e.V.“. Förderung von Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Umweltengagement
Kooperation und gemeinsame Aktionen mit dem Naturschutzbund.

VfB-Lernzentrum
Motivation von Jugendlichen, sich mit gesellschaftlichen Themen auseinanderzusetzen.

Unvergessen
Unterstützung von Menschen mit Demenz und deren Angehörigen. Kooperation mit der Bürgerstiftung Stuttgart und dem Netzwerk „Gemeinsam für ein demenzfreundliches Bad Cannstatt“.

PFIFF
Projekt für inklusive Fußballförderung.

Krebsnachsorgeklinik Tannheim
Spenden und Besuche bei schwer erkrankten Kindern.

Schwäbische Tafel
Unterstützung von benachteiligten Menschen.

Fußball verbindet
Training mit Geflüchteten in Zusammenarbeit mit dem Theaterhaus Stuttgart e. V. und der Mercedes-Benz Bank.

Dreams
Hilfsprojekt in Südafrika.

CSD
Teilnahme und Schirmherrschaft beim Christopher Street Day.

Stuttgarter Arche
Förderung von Kindern und Jugendlichen.

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