Sozialmanagement Fellbach Das Wohnen wieder lebenswert gestalten

Von Dirk Hermann 

Dominique Schmid soll im Auftrag der Fellbacher Wohn- und Dienstleistungsgesellschaft schwierige Quartiere stabilisieren. Die 29-jährige Sozialarbeiterin will „den Mietern Sicherheit und Geborgenheit vermitteln“.

Mehr als 500 städtische Wohnungen werden von der WDF in Fellbach beaufsichtigt und betreut Foto: Patricia Sigerist
Mehr als 500 städtische Wohnungen werden von der WDF in Fellbach beaufsichtigt und betreut Foto: Patricia Sigerist

Fellbach - Die von Fellbachs Oberbürgermeisterin Gabriele Zull initiierte Wohnbauoffensive nimmt Fahrt auf. Mehr als 1000 neue Wohnungen sollen in den nächsten Jahren hinzukommen. Ein Baustein, um mehr bezahlbare Quartiere zu schaffen, ist die im vergangenen Jahr gegründete Wohn- und Dienstleistungsgesellschaft Fellbach (WDF), deren Geschäftsführerin seit rund zehn Monaten Jacqueline Möller ist.

Ebenso ins WDF-Aufgabenfeld gehört die Betreuung der Flüchtlinge in der sogenannten Anschlussunterbringung

Mehr als 500 städtische Wohnungen werden von der WDF beaufsichtigt und betreut. Außerdem sind Möller und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ihren Sitz bei den Stadtwerken Fellbach am Bahnhof haben, noch für etliche weitere Themen zuständig. Es geht ums Mitspracherecht bei der Belegung von gefördertem Wohnraum, um die Unterbringung von Obdachslosen. Ebenso ins WDF-Aufgabenfeld gehört die Betreuung der Flüchtlinge in der sogenannten Anschlussunterbringung.

Doch die reinen Gebäude und deren Instandhaltung ist nur ein Baustein der Arbeit. Ein anderer ist, wie die Oberbürgermeisterin jetzt in einem Pressegespräch im Rathaus erläuterte, das Sozialmanagement. „Es darf nicht das Motto gelten: Hauptsache untergebracht. Vielmehr brauchen wir jemand, der oder die sich um die Lebenssituation der Menschen kümmert“, erklärte Gabriele Zull. Senioren und Jugendliche, Menschen unterschiedlichster Herkunft oder mit geringem Einkommen sowie Arbeitslose leben dort, es gibt nicht mehr so intakte Hausgemeinschaften oder Nachbarschaftsstreitigkeiten.

Dominique Schmid. Foto: her
„Wenn Probleme aufploppen, dann müssen wir das angehen“, sagt Gabriele Zull. „Wir wollen die Menschen erreichen und mit ihnen zusammen das Wohnen wieder lebenswerter gestalten“, erläutert Geschäftsführerin Möller. „Mieten können nicht mehr bezahlt werden oder Wohnungen werden aufgrund von Eigenbedarf gekündigt“, skizziert Oberbürgermeisterin Gabriele Zull eine typische Schuldenfalle.

Die studierte Sozialarbeiterin Schmid vermittelt bei Nachbarschaftskonflikten

Aus diesem Grund hat die WDF zum 1. März mit Dominique Schmid eine neue Sozialmanagerin – so die offizielle Tätigkeitsbeschreibung – eingestellt. Für die 29-Jährige ist es allerdings keine komplett neue Herausforderung. Denn davor war sie beim Rems-Murr-Landratsamt beschäftigt und hat die Flüchtlinge in Fellbacher Gemeinschaftsunterkünften betreut, etwa in der Bruckstraße oder auf dem Parkplatz beim Max-Graser-Stadion. „Ich bin froh, weiter in Fellbach in einer bekannten Gegend arbeiten zu können“, sagt sie.

Die studierte Sozialarbeiterin Schmid vermittelt bei Nachbarschaftskonflikten, berät bei Mietschulden – und hört vor allem den Betroffenen zu. Sie wolle möglichst früh Probleme abwenden, ehe es sich hochsteigere. „Ich gehe vor allem in die Quartiere, wo es viele Beschwerden gibt, und entwickele zusammen mit den Bewohnern Lösungsansätze, um diese Quartiere zu stabilisieren und den Mietern Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln.“

„Vielfach sind Krankheit, Arbeitslosigkeit, Scheidung oder auch Sucht Auslöser für den sozialen Abstieg“, sagt sie. Für manche folgt dann die Obdachlosigkeit und sie werden vom Amt für öffentliche Ordnung in eine städtische Unterkunft, beispielsweise in der Bruckstraße, eingewiesen. Die Probleme besprechen, zusammen Lösungsansätze entwickeln und im optimalen Fall auch Perspektiven aufzeigen, um wieder einen Zugang zur Gesellschaft zu ermöglichen, hier sieht die engagierte Sozialarbeiterin ihre Aufgaben.

Sozialmanagement bedeute, auf der einen Seite als Ansprechpartner für die Bewohner zur Verfügung zu stehen, Probleme anzusprechen und zu vermitteln. Auf der anderen Seite stehe das Aufgabenfeld aber auch für Planen und Steuern. „Beichtstuhl, Schiedsrichter, Ansporner und Sprungbrett – im besten Fall ist das Sozialmanagement ein Scharnier“, sind Gabriele Zull, Jacqueline Möller und Dominique Schmid überzeugt.