Stuttgart - Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) sieht eine Entspannung bei der Versorgung mit Impfstoffen. Im Gespräch erklärt er, wie er sich Aktionen wie Impfen-to-Go vorstellt – etwa vor Supermärkten und auf Marktplätzen. Und was er über das Vakzin von Astrazeneca denkt.
Herr Lucha, wie ist die allgemeine Lage an der Impffront?
Es gibt endlich genug Impfstoff, gleichzeitig lässt aktuell die Nachfrage nach Impfterminen insgesamt etwas nach. Wer in letzter Zeit nicht mehr nach Terminen gesucht hat, der hat jetzt wieder gute Chancen. Das betrifft nicht nur Astrazeneca. Wir raten jedem Ungeimpften, wieder auf der Terminbuchungsseite nachzuschauen. In vielen Impfzentren sind in nächster Zeit Termine frei. Das Impfen ist der einzige Schlüssel raus aus der Pandemie und der beste Schutz gegen die Delta-Variante – für den Einzelnen und die Gesellschaft.
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Wird der Impfstoff Astrazeneca zum Ladenhüter? Hausärzte melden, dass sie darauf sitzen bleiben.
Nein, wir gehen davon aus, dass die Nachfrage nach Astrazeneca nach der neuen Empfehlung der Ständigen Impfkommission wieder steigen wird. Die Kreuzimpfung mit Astrazeneca als Erstimpfung und eine Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff von Biontech oder Moderna hilft noch besser gegen die Deltavariante als andere abgeschlossene Impfungen – das ist also gerade unser Goldstandard! Gleichzeitig kann bei der Kombination die Zweitimpfung bereits nach vier Wochen erfolgen. Auch das ist attraktiv.
Was sollte mit überflüssigem Astrazeneca geschehent?
Es gibt keinen überflüssigen Impfstoff. Ich sagte es bereits: Astrazeneca ist ein sehr hochwertiger Impfstoff. In vielen ärmeren Ländern der Welt besteht großer Impfstoffmangel, oft ist dort nicht mal das medizinische Personal geimpft. Was bei uns nicht gebraucht wird, liefern wir in diese Länder. Das wird vom Bund koordiniert, mit dem sprechen wir uns ab.
Das Land erwartet noch hohe Lieferungen an Astrazeneca. Könnten Sie die abbestellen?
Eine Reduzierung der Liefermengen ist jederzeit möglich, wir sind auch da im dauernden Austausch mit dem Bund. Aber wir wollen dem Impfen bei uns im Land nochmals einen Schub geben. Wir starten Donnerstag eine Kampagne, mit der wir niedrigschwellig und vor Ort die Leute für das Impfen gewinnen wollen, die bisher zögerten. Wir sind dankbar für jede Initiative, die Impfungen einfach und unkompliziert zu den Menschen bringt. Hierzu gehören Impfaktionen vor dem Supermarkt, auf dem Marktplatz oder an anderen zentralen und gut zugänglichen Orten. Aber auch offene Impfnachmittage im Impfzentrum, bei denen jeder vorbeikommen kann, oder „Drive-In-Aktionen“. Wir setzen sozusagen auf Impfen-to-Go.