Sozialpsychiatrischer Dienst Menschen, die sich um psychisch Erkrankte kümmern

Manuela Weis will psychisch Kranken im Kreis Böblingen helfen. Foto: Eibner/Andreas Ulmer

Depressionen, Psychosen, Zwangserkrankungen: Der Sozialpsychiatrische Dienst im Landkreis Böblingen hilft Betroffenen. Die Hilfe erfolgt schnell und kostenfrei – auch für Angehörige.

Böblingen: Melissa Schaich (mel)

Manuela Weis sitzt in ihrem Büro in der Böblinger Landhausstraße im Haus der Diakonie. Sie ist unter anderem Fachbereichsleiterin der Gemeindepsychiatrischen Hilfen im Landkreis Böblingen. Im vergangenen Jahr hat sie mit ihrem Team von zwölf Mitarbeitenden fast 1000 Menschen mit psychischer Erkrankung im Kreis Böblingen geholfen.

 

Der Sozialpsychiatrische Dienst kümmert sich um Menschen, bei denen eine psychiatrische Erkrankung vermutet wird oder bereits diagnostiziert ist. Auch Angehörige, die Unterstützung benötigen, können sich bei der Stelle melden. „Unser Angebot ist niederschwellig und kostenfrei“, sagt Manuela Weis, die selbst als Mitarbeitende im Team des Sozialpsychiatrischen Dienstes (SpDi) angefangen hat und vor rund zwei Jahren die Stelle als Fachbereichsleiterin übernommen hat.

Innerhalb weniger Tage kommt eine Rückmeldung

Die Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen kümmern sich um die Grundversorgung von Menschen mit psychischer Erkrankung. „Wir sprechen mit den Klientinnen und Klienten über ihre Krankheit, helfen bei bürokratischen Aufgaben und unterstützen im Alltag“, erklärt Manuela Weis. Das Team hilft psychisch Erkrankten auch dabei, weitergehende Hilfe bei anderen Beratungsstellen zu bekommen. Denn Therapieplätze, das weiß auch Manuela Weis, sind rar und teilweise mit langen Wartezeiten verbunden.

Obwohl auch der Sozialpsychiatrische Dienst teils an seine personellen Grenzen stößt, bemüht sich das Team, auf Anfragen innerhalb von drei bis vier Tagen zu antworten. „Die Menschen kontaktieren uns per Mail oder rufen an“, sagt die 53-jährige Leiterin. Der erste Termin folgt dann bereits nach ein bis zwei Wochen.

400 Personen werden längerfristig betreut

Manche der Hilfesuchenden benötigen nur ein oder zwei Termine. Doch rund 400 der Klientinnen und Klienten werden von dem Team regelmäßig und längerfristig betreut. Alle drei bis vier Wochen werden dann Termine ausgemacht. Auch Hausbesuche absolvieren die Mitarbeitenden. Denn nicht alle Menschen, die Hilfe benötigen, suchen sie sich auch. „Man braucht viel Geduld, um Menschen in ein Hilfesystem zu bekommen“, sagt Manuela Weis.

Die Unterstützung des SpDi beruht zwar auf Freiwilligkeit, doch manchmal werden sie auch von Angehörigen oder gar Kommunen um Hilfe gebeten, wenn ein Mensch wiederholt auffällig wird: „Dann schauen wir meistens bei den Leuten zu Hause vorbei und versuchen vor Ort einen Zugang zu den Menschen zu bekommen“, sagt die Leiterin. Auch Arbeitgeber, Krankenkassen oder Reha-Einrichtungen nehmen mit dem Dienst Kontakt auf – damit die Betreuung für Erkrankte gerade nach einem längeren Aufenthalt nicht abrupt abbricht.

Das gesamte Spektrum psychiatrischer Krankheitsbilder

Das Team des SpDi befasst sich mit dem gesamten Spektrum psychiatrischer Krankheitsbilder. Dazu gehören Depressionen, Psychosen, Zwangserkrankungen. „Wir sind nicht zuständig für leichte psychische Krisen“, erklärt Manuela Weis. Darin unterscheiden sie sich beispielsweise in ihrer Ausrichtung von den psychologischen Beratungsstellen des Landkreises Böblingen. Bei Burnout, Partnerschaftsproblemen oder leichten Verstimmungen ist der Sozialpsychiatrische Dienst die falsche Adresse.

Mit immer komplexeren Problemlagen hätte es das Team des SpDis zu tun, erzählt die Fachbereichsleiterin: Oftmals würden heutzutage beispielsweise Geld- oder Wohnungsprobleme neben der psychischen Erkrankung bestehen.

Der Träger des Sozialpsychiatrischen Dienstes ist der Evangelische Diakonieverband. Dieser hat außerdem zwei sogenannte Tagesstätten im Kreis Böblingen unter seinen Flügeln. In Sindelfingen und Leonberg wurden die Begegnungsstätten eröffnet, damit Erwachsene mit psychischer Erkrankung Kontakte knüpfen, gemeinsam essen oder an Gruppenangeboten teilnehmen können. Auch in Herrenberg gibt es die Tagesstätte „Lichtblick“ unter dem Träger Fortis. „Die Angebote dort können Menschen helfen, ihren Tag zu strukturieren“, sagt Manuela Weis.

Über seine Arbeit mit psychisch Erkrankten Menschen hinaus, kümmert sich der SpDi unter anderem auch darum, dass Kommunen und Betriebe im Umgang mit psychischen Erkrankungen geschult werden und arbeitet an verschiedenen Projekten im Landkreis mit.

Der Sozialpsychiatrische Dienst

Hilfe
Der Dienst hilft Klienten im Umgang mit ihrer Erkrankung, begleitet sie in Krisensituationen, unterstützt bei der Bewältigung des Alltags, berät bei Fragen zur Tagesstruktur oder Arbeit und hilft bei Behördengängen.

Spenden
Finanziert wird der Sozialpsychiatrische Dienst mit Geldern des Landkreises (50 Prozent), des Landes Baden-Württembergs (25 Prozent) und Eigenmitteln des Verbandes (25 Prozent). Wer eine Spende an den Dienst tätigen will, kann dies auf folgendes Spendenkonto tun: Kreissparkasse DE48 6035 0130 0001 0836 48.

Weitere Themen